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Die Tricks der Supermärkte: Wie wir zum Kauf gezwungen werden

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SUPERMARKT TRICKS
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Wir kennen es doch alle: Der Kurztrip in den Supermarkt, um Benötigtes zu kaufen, endet damit, dass alles was nicht gekauft werden sollte im Einkaufswagen landet. Der vermeintliche Kurztrip in den Supermarkt endet mit einem überladenen Einkaufswagen an der Kasse.

Es stehen bis zu zwei Drittel aller Produkte, die während eines Einkaufes in unserem Wagen landen, auf keinem Einkaufszettel. Doch legen wird die Ware wirklich selber in den Einkaufswagen oder wird sie hineingelegt?

Erlauben Sie mir ihren heutigen Einkauf zu begleiten:

Am Supermarkt angekommen, holen Sie sich einen Einkaufswagen und wollen nun den Supermarkt betreten. Sie stehen vor der Einkaufstüre und ärgern sich über das langsame aufschwingen dieser. Natürlich will Sie niemand ärgern, es ist nur so, dass sowohl langsame Drehtüren als auch aufschwingende Türen uns absichtlich in den Weg gestellt werden, um uns kurzzeitig zu stoppen. Genau, wir verlangsamen unbewusst unser Schritttempo. Wie sagt man so schön: "Zeit ist Geld".

Nein, nicht Geld für uns, aber für den Supermarkt. Denn umso länger wir im Supermarkt verweilen, desto mehr kaufen wir auch ein. Durch kurzzeitige Stoppsignale wird uns die Hektik genommen und wir werden in den Ruhemodus versetzt. Auch wird uns unbewusst durch die glänzenden Bodenfließen die Botschaft "Vorsicht! Ausrutschgefahr!" vermittelt. Wir verlangsamen wieder unser Tempo und verbringen somit mehr Zeit im Laden.

Während Ihres Einkaufes hören Sie oft schöne, beruhigende Musik im Hintergrund Wieso?

Dem amerikanischen Unternehmen „Milliman" gelang es in einer Studie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Hintergrundmusik, die Menschen so zu beeinflussen, dass sie länger im Supermarkt blieben. Die Musik kam mit 72 Schlägen pro Sekunde aus den Lautsprechern. Dies soll der menschlichen Ruhepulsfrequenz entsprechen. Bei beruhigender Musik bleiben Kunden länger im Laden und geben mehr aus.

Lassen Sie uns weiter schauen... Fällt Ihnen auf, dass die Ware, die Sie in den Wagen legen nach hinten rollt? Der Gitterboden der Einkaufswagen wird absichtlich schräg eingebaut, damit die Ware nach hinten und wenn möglich, aus dem Sichtfeld der Kunden rutscht. So bekommen Sie das Gefühl, wenig eingekauft zu haben und zögern nicht, mehr zu kaufen.

Aber damit nicht genug, gibt es auch manipulierte Räder der Wagen. Der Einkaufswagen lässt sich bei mehr Inhalt leichter schieben und gibt dem Kunden das Gefühl nicht viel im Wagen liegen zu haben. Die kleinen Einkaufswagen für Kinder sind ebenso praktisch, denn somit kann das Kind alles rein schmeißen was es will, ohne Sie zu fragen.

Die Grundnahrungsmittel, die Sie kaufen wollen, stehen nicht zufällig alle so weit auseinander. Sie sollen laufen. Laufen und nicht nur die Nahrungsmittel kaufen, die Sie auf Ihrer Liste stehen haben. Beim Einkaufen wird uns nie plötzlich kalt oder warm. Die Raumtemperatur in herkömmlichen Supermärkten beträgt immer 19 Grad Celsius. Studien haben gezeigt, dass Kunden bei dieser Temperatur am meisten kaufen. Dass die Tomaten bei 19° nicht lange halten, ist für die Märkte jedoch kein großer Verlust mehr.

Vor dem Warenregal stehend wundern Sie sich, wieso die Sauergurken so teuer sind? Schauen Sie mal nach unten, dort liegt die günstigere Ware. Die teuersten Produkte stehen immer in Augenhöhe, sodass Sie gleich zugreifen können. Um die billigeren Sauergurken zu bekommen, müssen Sie sich jedoch mühsam zu den unteren Regalen bücken.

Nach dem ganzen Hin und Her, stehen Sie endlich an der Kasse - die Verlockungszone. Sie möchten schnell gehen, werden aber von den hübschen Waren an der Kassen angelockt. Es ist kein Zufall, dass die kleinen, hübsch verpackten Produkte genau hier stehen. Dieser Bereich ist den Firmen sehr wichtig. Obwohl sie nur ungefähr 1,5 % der Ladenfläche entspricht, bringt sie dem Supermarkt bis zu 5% seines Umsatzes ein.

Beim Ablegen Ihres Einkaufes auf das Kassenband, merken Sie bestimmt auch, dass dieses nun kürzer als früher erscheint. Der schein Trügt sie nicht. Es werden längere Wartezeiten zwischen dem Abstellen und Warten angestrebt, damit Sie länger mit ihrer Umgebung beschäftigt sind. Endlich alles bezahlt und im Einkaufswagen, möchten Sie den Laden verlassen. Sie werfen noch schnell ein Blick auf die Prospekte und nehmen ihn mit.

Der Neurowissenschaftler Christian Elger beschreibt, was in unserem Gehirn der Anblick von Rabatten und Prozenten auslöst: "Schnäppchenwerbung wirkt in unserem Gehirn wie eine Prise Kokain. Prozentzeichen führen zur Ausschüttung von Botenstoffen, die ein Wohlgefühl erzeugen. Je emotionaler der Reiz, desto besser wird er im Gehirn verknüpft und bleibt uns bestenfalls ein Leben lang in Erinnerung. Gleichzeitig sehen wir im Kernspin-Experiment, dass bei unseren Probanden im mittleren Stirnhirn eine Zone weniger aktiviert ist. Das Gehirn wägt nicht mehr ab:

Brauche ich den Gegenstand oder nicht?"

Und doch ist es diese Frage, die wir uns bei jedem Kauf stellen sollten:
"Brauche ich es wirklich oder eigentlich nicht?".

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