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Warum wir keine Geschlechterrollen mehr brauchen

21/10/2015 15:27 CEST | Aktualisiert 21/10/2016 11:12 CEST
Jupiterimages via Getty Images

Nachdem ich die ungemütlichen Räumlichkeiten meines Schranks verlassen habe und die flauschig-weiche Entspannung eigener Akzeptanz umarmt habe, wurde ich mit einer sich ständig drehenden Fülle an Fragen konfrontiert, die mittlerweile ein unaufhörliches Augenrollen in mir auslöst.

Eine der vielleicht häufigsten Fragen, dessen Erklärungsbedarf langsam der emotionalen Intelligenz einer Erdnuss gleicht, ist: Übernimmst du die männliche oder die weibliche Rolle?

Rollen zur Kategorisierung

Im Grunde genommen könnte man annehmen, dass diese Frage durchaus legitim und nachvollziehbar sei. Einerseits haben wir Menschen seit jeher den Drang verspürt Rollen zuzuschreiben und Schubladen zu definieren, um zwischenmenschliche Verhältnisse aufzubauen und um dadurch unsere eigene Position in der Gesellschaft zu verstehen.

Andererseits wird männliche Homosexualität, klischehafterweise, mit einem erhöhten Grad an Weiblichkeit verbunden. Sätze wie „Seine Handbewegungen sind ziemlich weiblich", „Er ist so eine Diva!" oder „Meine Güte, musst du unbedingt so schwul sein?" sind noch immer ein fester Bestandteil zahlreicher Diskussionen und Kaffeekränzchen.

Klischees auch bei heterosexuellen Männern

Doch komischerweise sind auch heterosexuelle Männer von dieser stereotypischen Art der Kommunikation betroffen. Wenn ein Mann im Stande ist seine eigenen Klamotten eigenständig zu bügeln, die angenehmste Farbkombination für seine Outfits zu finden und es sogar wagt seine Wohnung mit abgedeckten Augenringen und perfekt gestylten Haaren zu verlassen, „muss" er zumindest „ein wenig" schwul sein.

Wehe ein Mann bekennt sich zu den manchmal gewöhnungsbedürftigen Tönen von Britney Spears oder Madonna, dann „muss" er sicherlich regenbogenfarbene Unterhosen tragen und Zuckerwatte zum Frühstück essen.

Moderne Beziehungen

Und wie schaut das heutige Rollenbild heterosexueller Beziehungen aus? Sie möchte gerne Karriere machen, er möchte gerne zu Hause bleiben, um auf die Kinder aufzupassen. Sie arbeitet als Bauingenieur, er als Balletttänzer. Sie liebt heimwerken, er kocht und bügelt gerne.

Sind diese Beziehungen falsch? Übernimmt in all diesen und zahlreich anderen Beziehungen die falsche Person den männlichen oder weiblichen Part? Natürlich nicht!

Menschen machen Beziehungen aus

Beziehungen, egal welcher Art, werden durch das Zusammentreffen zweier Menschen gebildet. Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, vielfältigen Leidenschaften und Interessen, fantastischen Erfahrungen und, öfters als gedacht, tiefen Wunden, deren Heilung noch bevor steht oder bereits stattgefunden hat.

Menschen, die die Zeit miteinander genießen und aus jedem gemeinsamen Abenteuer voneinander lernen und sich dadurch weiterentwickeln.

Wo sehe ich meine Rolle? Tja, die Beziehung lässt noch auf sich warten, aber am Ende des Tages, nachdem ich das letzte Stück Zuckerwatte gegessen habe und meine regenbogenfarbene Unterhose friedlich im Kleiderschrank schlummert, bleibt letztendlich der Mensch bestehen.

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