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Die Digitalisierung ist eine brandgefährliche Chance - wir müssen schon jetzt Zukunftsmodelle testen!

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DIGITAL LIFE
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Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? FOCUS hat mit dem Schreibwettbewerb #focussiert um Zukunftsvisionen seiner Leser gebeten. Die HuffPost veröffentlicht einige Einsendungen. Miguel Helm plädiert in seinem Beitrag dafür, Zukunftsmodelle wie das Bedingungslose Grundeinkommen schon jetzt zu testen - „dazu fordert uns die Zukunft auf"! Allerdings brauche es dafür sehr viel Mut.

Klick, Überweisung gemacht. Klick, Sommerurlaub gebucht. Klick, Geburtstagsmail geschickt. Alles Klick, alles schneller, alles besser. So kenne ich das. Wenn alles online geht, dann heißt es für mich üblicherweise, dass es schneller geht. Aber was ist, wenn der Klick im Internet das Aus für einen Mitarbeiter bedeutet?

Wenn der deswegen nicht mehr gebraucht wird. Drei von zehn Banken haben erst kürzlich bei uns im Ort zugemacht. Die Mitarbeiter wurden versetzt. Die Stellen aber nicht mehr besetzt.

„Die Digitalisierung zwingt zum Umdenken", hieß es in der Presseerklärung der Bank. Diese
Digitalisierung, sie nimmt uns die Arbeit ab - und weg.

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Eine brandgefährliche Chance, sage ich. Brandgefährlich, weil es Arbeit nicht mehr für jeden geben kann: Die beiden renommierten US-Ökonomen Carl Benedikt Frey und Michael Osbourne gehen in ihren Studien davon aus, dass schon in zwanzig Jahren jeder zweite Job ersetzbar ist.

In der Gefahr ist aber auch die Chance, weil die Gesellschaft überlegen könnte, wie sie Arbeit und Einkommen entkoppelt. Konkret hieße das, die Freiheit über die Bedeutung von Arbeit in unserem Leben. Endlich.

Schließlich hängen so ziemlich alle von ihrer Arbeit ab. Ist der Job weg, bricht für viele eine Welt zusammen. Muss das sein? Ist das denn gut? Sollte Arbeit uns unser Leben diktieren?

Digitalisierung: Chance für mehr Menschlichkeit?

Dabei könnte auch alles anders sein: besser, menschlicher. Mit Hilfe der Digitalisierung. Wenn uns Arbeit abgenommen wird, dann tut sich ein Zeitfenster auf, das sich füllen lässt mit Dingen, die erfüllen.

Für viele würde das mehr Zeit mit Familie und Freunden und mehr Zeit für Kreativität bedeuten. Nur: Wir müssen erstens darüber reden, wie sich das praktisch und finanziell umsetzen ließe. Und zweitens eine Alternative zu der Denke finden, dass Arbeit Sinn und Selbstverwirklichung ist, wie das uns jungen Menschen ja allenthalben erzählt wird.

Mehr zum Thema: Die Digitalisierung kann nur mit fachübergreifender Kommunikation erfolgreich gemeistert werden

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist eine Idee, die zu einer Alternative werden könnte zu dem, wie wir heute Arbeit denken. So viel Geld für jeden, dass es zum Leben reicht, ohne etwas zu tun, einfach so, für jeden.

Bedingungslos halt. Es klingt wie aus einem Sozialmärchen einer gleichen Gesellschaft. Also aufs erste Hören ziemlich gut. Bei genauerer Überlegung poppen unzählige Fragezeichen auf. Jetzt soll wirklich jeder, egal ob er ein Millionen-Vermögen hat oder gar nichts, gleich viel bekommen? Von wem überhaupt? Almosen vom Staat? Ist das dann auch gerecht und nicht nur pseudoegalitär? Wird der Wohlfahrtsstaat dadurch obsolet?

Bedingungsloses Grundeinkommen testen

Wir alle müssen darüber nachdenken und vor allem: reden. Denn eine richtige Antwort gibt es ganz sicher nicht. Die Veränderungswucht der Digitalisierung ist absehbar, wir müssen uns nicht überrollen lassen.

Und deshalb brauchen wir Visionen, Utopien, wie auch immer. Nicht um eine konkrete Vorstellung der Zukunft zu haben, sondern einen Raum verschiedener, konkurrierender Ideen. Dazu gehört zweifellos das Bedingungslose Grundeinkommen.

Die Gesellschaft sollte Mut haben. Mut, um in einem ersten Schritt gemeinsam darüber zu reden und in einem zweiten Schritt Mut, bestimmte Dinge auch einmal auszuprobieren. Wie wäre es, wenn die Menschen, deren Arbeit aufgrund der Digitalisierung nicht mehr gebraucht wird, jetzt schon eine Art Grundeinkommen bekämen?

Mehr zum Thema: Der Mensch als Auslaufmodell - das könnte in 50 Jahren Wirklichkeit werden

Dann könnte man beobachten, ob die Menschen eher faul oder eher kreativ geworden sind. Utopien pragmatisch umsetzen und gucken - dazu fordert uns die Zukunft auf.

Dieser Beitrag ist Teil der Themenreihe "New Work". Alle aktuellen Beiträge dazu findet ihr hier.

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