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Tatort-Zoff: Devid Striesow ist zurecht sauer

05/03/2016 16:24 CET | Aktualisiert 06/03/2017 11:12 CET

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Foto: Standl

Beim saarländischen Tatort gibt es Ärger. Das aus Sicht vieler divenhafte Verhalten Devid Striesows ("Kommissar Jens Stellbrink") ist verständlich und war irgendwie vorprogrammiert.

Die BILD Saarland fragt sich, was mit Devid Striesow los sei. Derzeit wird ein neuer Saar-Tatort gedreht. Zum Pressetermin im saarländischen Städtchen Sulzbach ist Striesow nicht erschienen. Ich habe auf den Termin aus Zeitgründen verzichtet (Mist, wenn es brennt, bin ich nicht da). Offenbar gibt es Zoff. Dass es diesen erst jetzt gibt, wundert mich. Die BILD wirft der gesamten Filmcrew vor, dass sie zwar die Kohle nehme, aber sich nicht mit dem Saarland identifiziere. Das Blatt zitiert auch einen Mitarbeiter des Saarländischen Rundfunks (SR): Am zweiten Drehtag sei Striesow mürrisch gewesen, nichts sei passiert. Die BILD fragt sich ganz verdutzt, ob es an der schlechten Presse für den Saar-Tatort liege, die den Marktwert Striesows nicht unbedingt steigere.

Nein, an der "schlechten Presse" liegt es nicht, sondern an den ziemlich miserablen Drehbüchern samt ihren laienbühnenreifen Dialogen und an den einfallslosen an den Haaren herbeigezogenen Geschichten. Die Verheimlichung des echten saarländischen Lebens, das sich nicht an den Saarbrücker Hipster-Hotspots St. Johanner Markt und Berliner Promenade abspielt, sondern an sozialen Brennpunkten wie Saarbrücken-Burbach, tut ihr Übriges. Und die Blindheit für tolle Gänsehaut-Locations, die es im Saarland zur Genüge gibt.

Tja, lieber SR, allen voran Tatort-Redakteur Christian Bauer. Selbstbeweihräucherung für etwas wo nichts ist und oberflächlichen Kitsch wollen weder Presse noch Zuschauer. Beim Dreh des Tatorts "Weihnachtsgeld" 2013 antwortete Bauer auf meine Frage, woran seiner Meinung nach die schlechten Kritiken liegen könnten: "Striesow ist der beste Schauspieler, den wir momentan haben." Mag schon sein. Aber an der Antwort merkt man, dass an der Saar keiner weiß, worum es wirklich geht. Devid Striesow ist ein super Schauspieler, doch ohne gutem Drehbuch ist ein noch so guter Darsteller nichts.

Auch das Gespann Regisseur Zoltan Spirandelli und Drehbuchautor Michael Illner (Grimme-Preis!) sowie für den neuen Tatort Michael Vershinin als Autor kann nichts dafür. Der SR will es so. Und so freut man sich jedes Mal auf die Kohle aus dem Saarland und zieht es durch. Der Kunde ist ja bekanntlich König.

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