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Endlich! Vermisster Pascal bekommt Gedenkstätte im Saarland

27/05/2017 14:46 CEST | Aktualisiert 27/05/2017 15:30 CEST

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Einer der spektakulärsten Kriminalfälle Deutschlands: Am 30. September 2001 verschwindet im Saarbrücker Stadtteil Burbach der damals fünf Jahre alte Pascal Zimmer - in der Saarbrücker Kaschemme "Tosa-Klause" missbraucht, alle wegen Mordes Angeklagten 2007 freigesprochen. Keine Leiche, bis heute keine Spur von dem Jungen. Obwohl die Polizei nach wie vor von einem Gewaltverbrechen ausgeht, hat der Bundesgerichtshof 2009 die Akten endgültig geschlossen.

2011 schuf der Bildhauer Bruno Harich aus Siegburg (NRW) für die "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen" den "Gedenkstein gegen das Vergessen". Der Stein soll nicht nur an Pascal erinnern, sondern an die Schicksale aller missbrauchten Kinder. "Mir ist es wichtig, dass der Gedenkstein im Saarland, der Heimat Pascals, steht", sagt Johannes Heibel, der Vorsitzende der Initiative (2. von links). Doch die Stadt Saarbrücken und andere saarländische Gemeinden lehnten den Gedenkstein bislang ab, wollten keinen Platz dafür zur Verfügung stellen.

"Lieber Pascal, wir beide waren noch so klein, als wir das Allerschlimmste, den Missbrauch an uns Kindern, erleben mussten. Jetzt lebe ich mit diesen schmerzhaften Erinnerungen, die mich nicht loslassen wollen - und du bist nicht mehr da. Ich bewahre dich in meinem Herzen, Dein Freund B. M.", steht auf der schlichten Stele aus afrikanischem Quarzit. Unter fachkundiger Anleitung durch den Bildhauer meisselte B. den berührenden Satz in den Stein. Er war damals Pascals Freund und wurde ebenfalls in der Saarbrücker Kneipe missbraucht. Bis heute hat er mit den Folgen des unglaublichen Martyriums zu kämpfen.

Nachdem der Gedenkstein ein paar Jahre lang in einigen Städten außerhalb des Saarlandes - jeweils auf Zeit - gestanden war, erklärte sich nun der katholische Pfarrer der saarländischen Gemeinde Schwalbach bereit, einen Platz zur Verfügung zu stellen - für immer. Und der Geistliche macht es offenbar gerne. Pfarrer Hans-Georg Müller (auf dem Foto in der Mitte): "Es ist traurig, dass die Errichtung des Steines in Saarbrücken und an anderen Orten stets abgelehnt wurde", sagt er. Dieser Gedenkstein sei ein Mahnmal für alle missbrauchten Kinder und lade zukünftig neben dem Gedenken auch zum Gebet ein, so der Pfarrer. Er verstehe nicht, wie man gegen so etwas sein kann, sagt der Geistliche. Er wolle damit auch ein Zeichen gegen das Image der Kirche und gegen die Vorkommnisse setzen. Am Rand des Friedhofs wird für den Stein extra eine kleine Wiese adaptiert. Pascals Tante, Sigrid Hübner (auf dem Foto ganz rechts): "Endich ein Ort, an dem man dauerhaft Pascal gedenken kann." Pascals Eltern sind noch während der Zeit des langen Prozesses kurz hintereinander gestorben.

Die Einweihung der Gedenkstätte findet am 24. Juni 2017 um 14.30 Uhr auf dem Friedhof in Schwalbach statt. Unter anderem wird die Sopranistin Martina Veit ihren Song zum Thema, "Sei stärker als die Angst", singen.

Hintergrund:

Seit 30. September 2001 wird der aus Saarbrücken stammende Pascal Zimmer, damals 5 Jahre alt, vermisst. Missbraucht im Hinterzimmer der schäbigen Kneipe „Tosa-Klause" in dem sozial schwachen Stadtteil Burbach - inzwischen abgerissen. Die Leiche wurde bis heute nicht gefunden, alle zwölf Angeklagten, Stammgäste und die Wirtin der Kaschemme, wurden 2007 nach einem bundesweit aufsehenerregenden Prozess freigesprochen. Nur der als geistig zurückgeblieben geltende Peter S. wurde in einem abgetrennten Prozess wegen Missbrauchs verurteilt, sitzt bis heute in der Klinik für Forensische Psychiatrie im saarländischen Merzig.

Zum Autor:

www.standl.eu oder Michi Jo Standl auf Facebook.

Fotos: Initiative, Michi Jo Standl (©); Composing

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