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Vier überraschende Gründe, warum dein Kind nachts immer aufwacht

27/03/2017 16:43 CEST | Aktualisiert 27/03/2017 16:44 CEST
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Wenn du als Mutter oder Vater erwartest, dass dein Baby nachts durchschläft, dann führt das nur dazu, dass du dich richtig mies fühlst. Das Gleiche gilt, wenn du ein Kleinkind hast.

Deine Erwartungen werden unerfüllt bleiben - und zusammen mit dem Schlafentzug wirst du dadurch eine ordentliche Portion an Schuldgefühlen und Versagensängsten entwickeln. Im schlimmsten Fall wirst du sogar noch wütend.

Es gibt handfeste Gründe dafür, dass dein Baby nicht durchschläft

Was sind also die tatsächlichen Gründe dafür, dass dein Baby nachts nicht durchschläft? Und warum halten diejenigen, die behaupten, dass ihr Baby nachts durchschläft, so stur an dieser Lüge fest? Da das Wetter und 'brave' Babys zu den Lieblingsthemen unserer Gesellschaft gehören, möchte ich zeigen, dass es wissenschaftliche, handfeste Gründe dafür gibt, dass Babys nachts immer wieder aufwachen.

1. Die Schlafphasen deines Kindes

Babys und Erwachsene haben naturgemäß ein völlig unterschiedliches Schlafverhalten. Babys wechseln in ihrem Schlafzyklus von der Phase des leichten Schlafs zur Phase des tiefen Schlafs und gehen schließlich zur REM-Phase über. Die einzelnen Schlafphasen dauern in etwa 45 Minuten und es ist ganz normal, dass die Babys zwischendrin aufwachen.

Bei Erwachsenen hingegen dauert eine Schlafphase ungefähr 90 Minuten und sie werden in den meisten Fällen zwischen den einzelnen Phasen gar nicht bewusst wach. Wenn Babys zwischen den Schlafphasen nicht aufwachen, gehen wir für gewöhnlich davon aus, dass sie gelernt haben, sich selbst zu beruhigen. In Wirklichkeit ist 'Selbstberuhigung' jedoch ein falscher Begriff für den Übergang von einer Schlafphase in die nächste.

Die Phase des leichten Schlafes innerhalb eines Schlafzyklus hat einen überlebenswichtigen Nutzen. Denn in dieser Phase können Babys Alarm schlagen, falls ihnen eines der folgenden Dinge bewusst wird:

• Die Temperatur oder der Lichteinfall haben sich verändert.

• Sie sind hungrig oder durstig.

• Sie brauchen Trost und Körperkontakt.

• Sie fühlen sich unbehaglich, weil beispielsweise ihre Windel nass ist.

• Sie wittern Gefahr (zum Beispiel weil ihre Atemwege nicht mehr ganz frei sind)

Dieses gesunde, natürliche Warnsystem kann Kinder vor dem plötzlichen Kindstod/SIDS schützen. Manche Babys sind für die genannten Störfaktoren anfälliger als andere, selbst wenn ihre Eltern noch so sehr darauf achten, dass sie sich wohlfühlen.

Mehr zum Thema: Evolutionsbiologie: Diese 5Dinge erklären, warum Babys nicht durchschlafen

2. Der Biorhythmus deines Kindes

In den ersten vier Monaten ihres Lebens können Babys nicht zwischen Tag und Nacht unterscheiden. Da du diese Eigenschaft an ihnen nicht verändern kannst, solltest du auch keine wertvolle Energie damit verschwenden, es trotzdem zu versuchen.

Bei uns Menschen baut sich zu Beginn des Tages der homöostatische Schlafdruck immer weiter auf und sorgt dafür, dass wir abends schlafen wollen (dies ist auch der Grund dafür, warum wir uns nachmittags oft schläfrig fühlen). Der homöostatische Schlafdruck ist ein biologischer Prozess, der unserem zirkadianen Warnsystem entgegenwirkt. Denn dieses System hat die Funktion, uns wach zu halten.

Wenn am Ende eines Tages das zirkadiane Warnsystem deines Kindes anschlägt und damit seinem homöostatischen Schlafdruck entgegenwirkt, gerät dein Kind in einen Zustand, in dem es unmöglich einschlafen kann. Das erklärt, warum dein Kind abends noch einmal so richtig aufdreht und putzmunter ist, obwohl es eigentlich herunterkommen und ins Bett gehen sollte.

Oftmals versuchen wir, diese überschüssige Energie vor dem Schlafengehen bewusst zu unterdrücken. Sinnvoller wäre es jedoch, sich dem Rhythmus anzupassen und zumindest den Zeitpunkt abzuwarten, an dem es deinem Kind biologisch überhaupt erst möglich ist, einzuschlafen.

Die innere Uhr deines Kindes sollte sich in etwa bis zu seinem fünften Lebensjahr vollständig stabilisiert haben. Bis dahin solltest du einfach immer dann schlafen, wenn es gerade geht und diese 'einzigartige' Phase in deinem Leben genießen.

3. Die Gehirnentwicklung deines Kindes

Das Gehirn deines Babys ist bei der Geburt lediglich zu 25 Prozent entwickelt und wächst in den ersten Jahren seines Lebens exponentiell. Durch regelmäßiges nächtliches Stillen versorgst du dein Kind mit essentiellen Fettsäuren und förderst somit die Bildung von außergewöhnlich vielen synaptischen Bahnen.

Die Entwicklung des Gehirns und die körperliche Entwicklung deines Kindes gehen Hand in Hand. Wenn dein Baby also krabbeln oder gehen lernt, findet zeitgleich eine unglaubliche neurologische Entwicklung statt. Dies führt wiederum dazu, dass der Energiebedarf deines Kindes ansteigt und du es nachts häufiger stillen musst.

Dazu kommt, dass dein Baby zunehmend zwischen einzelnen Bezugspersonen unterscheidet, wenn es älter wird - und diese Entwicklung kann wiederum zu Verlustängsten führen. Derartige Ängste können aus dem Nichts heraus vor allem nachts auftreten. Sie sind ein Zeichen dafür, wie wichtig es für Kinder ist, sich der Verbundenheit mit ihren Eltern sicher sein zu können.

Mit anderen Worten hängt der permanente Wechsel zwischen durchschlafen und nachts wach werden bei deinem Kind sehr stark davon ab, an welchem Meilenstein es gerade angelangt ist. Außerdem spielt es eine Rolle, welche Eindrücke dein Kind tagsüber erlebt hat und ob es genügend liebevolle Zuwendung erfahren hat, denn die braucht es dringend für seine Entwicklung.

Mehr zum Thema: Was mit Kindern passiert, die nicht alleine schlafen lernen

4. Schlaftraining mit deinem Kind

Wenn du versuchst, dein Baby durch bestimmte Abläufe, durch Kontrolle oder durch Training von seinen natürlichen und neurologisch angemessenen Bedürfnissen abzuhalten, sind Enttäuschungen vorprogrammiert.

Wir können den Schlaf unseres Kindes eben nicht einfach so 'kontrollieren' - selbst wenn uns diese Vorstellung noch so verlockend erscheinen mag. Durch Schlaftraining wird außerdem der natürliche Instinkt des Kindes gestört, der Teil seines körpereigenen Schutzmechanismus ist.

Kontrolliertes Schreienlassen führt dazu, dass dein Kind irgendwann so erschöpft ist, dass es aufhört, zu weinen. Doch bloß weil es ruhig ist, heißt das nicht, dass es sich auch wirklich beruhigt hat (es kann stattdessen auch bedeuten, dass dein Kind einfach aufgegeben hat). Die Tatsache, dass das Schreien deines Kindes Stress in dir auslöst, ist ein ganz natürlicher Mechanismus - er soll dich dazu bringen, schnellstmöglich zu reagieren.

Das Kind muss erst Vertrauen aufbauen können

Viele Eltern sind der Meinung, dass Schlaftraining Kindern schadet und das angeborene Vertrauen in Bezugspersonen zerstört, weil diese nicht mehr auf das Schreien der Kinder reagieren. Ein Kind, das einen Mangel an liebevoller Fürsorge erleidet, kann unter Umständen anhänglich und ängstlich werden.

In unserer Gesellschaft wird unglaublich viel Wert darauf gelegt, Kinder möglichst schnell zur Selbstständigkeit zu erziehen. Doch diese Entwicklung vollzieht sich von ganz allein, und zwar genau dann, wenn die Zeit dafür reif ist. Wenn man versucht, seinem Kind beizubringen, dass es sich selbst beruhigen oder alleine durchschlafen soll, dann ist das in etwa so, als würde man eine Blume mit Gewalt dazu bringen wollen, dass sie endlich aufblüht.

Wenn wir ein liebevolles und unterstützendes Umfeld für unsere Kinder schaffen, kümmert sich die Natur um den Rest. Denn wenn unsere Kinder Vertrauen aufbauen können, dann entwickeln sie sich von ganz allein zu selbstständigen Menschen.

Mehr zum Thema: Der emotionale Brief eines Babys, das alleine schlafen lernen soll

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Dieser Blog erschien ursprünglich in der Huffington Post UK und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lm)

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