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Die eine Sache, die alle Eltern bereuen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TODDLER SLEEP
PhotoAlto/Jerome Gorin via Getty Images
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Es gibt Momente, die ich am liebsten aus dem Gedächtnis meines Sohnes löschen möchte. Die meisten dieser Momente fanden um die Schlafenszeit herum statt. Wenn ich absolut am Limit war. Erschöpft.

Momente, in denen ich seine schmutzigen Klamotten mit einem genervten Seufzer und finsterer Miene zur Seite fegte und einen Seitenhieb wie "warum kannst du nicht einfach einmal auf mich hören" austeilte.

Momente, in denen meine Wut immer weiter anstieg und schließlich irgendwann überbrodelte - eine Wut, die eigentlich zum Teil meinem Mann galt, der gerade auf einer Geschäftsreise war, oder einer Freundin, die mich im Stich gelassen hatte, oder mir selbst, weil ich den halben Tag vertrödelt hatte, anstatt produktiv zu sein.

Mein Sohn bekam meine Wut zu spüren

Doch wenn man wütend ist, ist man wütend, ganz egal, woher diese Wut kommt. Und so ließ ich all meine Wut an der einen Person aus, die mich in diesem einen Moment geärgert hatte: an meinem Sohn.

Momente, in denen meine Gesten - meine verdrehten Augen, mein zusammengekniffener Mund, meine gerunzelte Stirn - mehr sagten als tausend Worte. Und ich beobachtete, was mein Verhalten bei ihm anrichtete, wie seine Schultern herabsanken und seine Stimme immer leiser wurde.

Momente, in denen ich mit ihm in seinem Bett lag und "psssst, schlaf jetzt" zu ihm sagte, wenn er über den Mond, oder über Fleischbällchen, oder über den Himmel zu sprechen begann.

Wenn er über Dinge sprechen wollte, über die ich nie etwas erfahren werde, weil ich ihn zum Schweigen gebracht hatte.

Manchmal habe ich auch damit gedroht, dass ich einfach aus dem Zimmer gehen würde, wenn er jetzt nicht gleich einschläft, weil ich in Gedanken schon bei all den Dingen war, die ich an diesem Abend noch erledigen musste.

Plötzlich hatte ich Schuldgefühle

Ich habe jetzt keine Zeit dafür, dachte ich mir. Ich habe keine Zeit für ihn, signalisierte ich ihm.

Und dann schlief er endlich ein. Wie er es immer tat, jede einzelne Nacht ... endlich.

Er schlief ein und sein Körper wurde ganze weich und ruhig und still. Sein Atem ging langsam und gleichmäßig, sein Gesicht war entspannt und friedlich. Seine Ruhe übertrug sich auch auf mich, sie hüllte mich ein und in genau diesem Moment stiegen plötzlich Schuldgefühle in mir hoch.

Ich lag da und starrte sein schlafendes Gesicht an, und plötzlich erinnerte ich mich an all die Momente, in denen ich an diesem Tag versagt hatte.

Die Momente, in denen ich meinen eigenen Anforderungen nicht gerecht geworden war.

Die Momente, in denen ich Dinge gesagt hatte oder auf eine Art und Weise dreingeblickt hatte, für die ich andere Eltern verurteilen würde.

Die traurige Wahrheit, die alle Eltern kennen

Am liebsten hätte ich ihn aufgeweckt, obwohl wir gerade den schlimmsten und anstrengendsten Bettgehterror aller Zeiten hinter uns gebracht hatten. Weil es mich mitriss, wie friedlich er im Schlaf aussah und weil ich mich unbedingt entschuldigen wollte.

Ich wollte hören, dass er "ich liebe dich, Mami" zu mir sagt, weil ich mich selbst nicht besonders liebte.

Und das ist die traurige Wahrheit, die allen Eltern bewusst ist, die sich aber keiner eingestehen will: Wir müssen uns die Liebe unserer Kinder nicht verdienen.

Egal, wie wütend und gemein wir sind und wie sehr unsere Kinder auch weinen und toben, sie werden dennoch auch beim nächsten Mal wieder mitten in der Nacht nach uns rufen. Sie werden auch weiterhin aufwachen und ihre Arme um unseren Hals schlingen.

Sie lieben uns, ganz egal was wir am Tag zuvor gesagt oder getan haben. Sie lieben uns, auch dann wenn wir uns selbst nicht lieben. Wir werden immer "die beste Mami auf der ganzen Welt" sein, selbst wenn ein Teil von uns findet, dass wir diesen Titel nicht verdient haben.

Jede Mutter kennt die Schuldgefühle

Je älter mein Sohn wird, desto weniger häufig tauchen diese Schuldgefühle nach dem Schlafengehen auf. Er ist jetzt sechs Jahre alt und es ist meist ganz leicht, ihn ins Bett zu bringen.

Er zieht sich selbst um, er putzt sich seine Zähne alleine und er wäscht sich sogar selbst. Ich lese ihm ein Buch vor und wir kuscheln noch ein wenig, und schon ist er innerhalb von wenigen Minuten eingeschlafen.

Diese für Kleinkinder typischen Wutanfälle und Machtkämpfe, die mir unglaublich auf die Nerven gingen und nach denen ich am Ende eines Abends immer völlig fertig war, gibt es mittlerweile nicht mehr. Ich schaffe es jetzt auch immer besser, die "glücklichere Mama" zu sein, die ich eigentlich immer werden wollte.

Gestern Abend habe ich dann eine SMS von meiner Schwester bekommen, die sich gerade als Vollzeitmama um ihre zwei Kinder kümmert - eines davon ist sehr aktiv und eigenwillig, das andere ist ein sechs Monate alter Säugling.

Ihr gebt euer Bestes

Beide Kinder schlafen nicht besonders viel. (Ebenso wie meine Schwester.) In den zwei Tagen zuvor bekam sie zu ihrem bereits gewohnten Schlafmangel auch noch hohes Fieber, und dann platzte ihr einfach der Kragen. Wie das eben jedem von uns schon einmal passiert ist.

Sie schrieb mir eine SMS, um Dampf abzulassen. Sie erklärte mir, warum sie so wütend war, und dann beschrieb sie mir ihre Schuldgefühle. Die Schuldgefühle, die auftreten, nachdem man sein Kind ins Bett gebracht hat, und die ich nur zu gut kenne.

Ich erinnerte sie daran, dass sie stets ihr Bestes gibt. Dass sie krank ist, dass sie nicht so hart zu sich sein darf und dass sie sich selbst verzeihen muss.

Weil ich es weiß, und weil sie es weiß, und weil alle anderen Mamas, die sich schuldig fühlen, es wissen, dass ihr kleiner Sohn am nächsten Morgen nach dem Aufwachen seine Arme um ihren Hals schlingen und zu ihr sagen wird: "Ich liebe dich, Mami."

Und das meint er auch so, und zwar jeden einzelnen Morgen.

Dieser Blog ist ursprünglich bei Babble erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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