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Was ich durch die Affäre mit einem verheirateten Mann über die Ehe gelernt habe

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Es gehören immer zwei dazu. Es geht einzig und allein darum, dass man voll und ganz zueinander steht. Diese und ähnliche Sprüche habe ich im Bezug auf Beziehungen und Ehen schon oft von anderen Leuten zu hören bekommen.

Ich bin zwar auch der Meinung, dass diese Dinge wichtig und wahr sind, doch manchmal schafft man es einfach nicht, diese Anforderungen ständig zu erfüllen.

Ich war eine unabhängige Frau

Ich hätte nie gedacht, dass ich den Dingen, die mir wirklich am Herzen liegen, nicht mehr gerecht werden könnte. Ich war aufrichtig, ich war treu und ich hatte einen starken Willen - doch dann nahm das Leben seinen Lauf.

Mit Ende zwanzig war ich bereits einmal geschieden. Ich war in dieser Beziehung missbraucht worden und es dauerte Jahre, bis ich mich davon lösen konnte. Als die Scheidung durch war und ich von meinem Ex-Mann weggezogen war, hatte ich endlich wieder das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Ich hatte einen tollen Job und ich hatte keine Kinder.

Und dann machte ich einen Fehler

Ich tat etwas, wofür ich andere früher verurteilt hatte. Etwas, von dem ich immer behauptet hatte, dass ich so etwas niemals tun würde.

Ich hatte eine Affäre mit einem verheirateten Mann.

Der Mann, mit dem ich die Affäre hatte, betrog seine Frau ständig. Er schien deswegen keinerlei Schuldgefühle zu besitzen. Ich zerbrach mir jedoch wie verrückt den Kopf darüber.

Natürlich war ich damals nicht wirklich in der Lage, eine vernünftige Entscheidung zu treffen, doch immerhin machte ich mir Gedanken darüber.

Mit der Affäre zerstörte ich eine Ehe

Während ich mich noch von meiner letzten destruktiven Beziehung erholen musste, stürzte ich mich direkt in die nächste. Ich hatte die Hoffnung größtenteils aufgeben, dass gesunde und dauerhafte Beziehungen überhaupt existierten.

Und passenderweise fand ich dann auch einen Mann, der nicht einmal seine eigene Ehe respektierte. Indem ich mich auf diese Affäre einließ, beteiligte ich mich maßgeblich an der Zerstörung einer anderen Ehe.

Doch ich habe viel daraus gelernt

Auch wenn mein Verhalten unentschuldbar ist, so habe ich dennoch einiges daraus gelernt. Ich habe gelernt, wie schnell manche Menschen diejenigen betrügen, von denen sie geliebt werden.

Ich habe gelernt, wie schnell aus einer Lüge ein verworrenes Netz aus unkontrollierbarer Angst werden kann. Ich habe gelernt, was es bedeutet, wenn man sich selbst nicht liebt.

Wenn man sich auf eine Affäre einlässt, stellt man plötzlich alle Beziehungen und Ehen in Frage. Man fragt sich, ob andere vielleicht auch Geheimnisse verbergen oder Lügen erzählen. Und man fragt sich, ob Menschen überhaupt dazu in der Lage sind, sich gegenseitig treu zu bleiben.

In der Ehe braucht man viel Liebe und Respekt

Man wird sich darüber bewusst, wie viel man in eine erfolgreiche und aufrichtige Ehe oder Langzeitbeziehung investieren muss. Man braucht dafür Stärke und man muss immer miteinander kommunizieren. Man muss sich mit seinen Problemen auseinandersetzen und sich seinen Ängsten stellen.

Wenn die erste Verliebtheit vorbei ist, braucht man sehr viel Liebe und Respekt. Und mit Liebe meine ich nicht Sex - ich meine Liebe im Sinne von: Ich werde für dich da sein und dich unterstützen. Und ich werde dir treu bleiben, auch wenn du gerade wenig liebenswert, nervig oder krank bist.

Ich entfloh mit der Affäre meiner Vergangenheit

Um es kurz zu machen: Ich beendete die Affäre schließlich. Ich hatte ein riesiges Durcheinander verursacht, was bei mir zu einem Gefühlschaos aus bereits bekannten und mir noch nicht bekannten Gefühlen geführt hatte.

Ich hatte eine schäbige Entscheidung getroffen, die mir für einen kurzen Augenblick Befriedigung verschaffte und die mir eine Möglichkeit bot, den Gefühlen zu entfliehen, die ich noch nicht verarbeitet hatte. Ich verlor mich in der Heimlichkeit, in der Leidenschaft und im Tabu, das diese scheußliche Affäre ausmachte.

Das aufregende Gefühl wird von Verzweiflung und Schmerz abgelöst

Als ich die Affäre beendet hatte, blieb ich mehrere Jahre lang allein. Ich hatte keine Dates und mein Selbstwertgefühl war im Keller. Solch eine Erfahrung raubt einem die letzte Kraft und was übrig bleibt, ist ein Häufchen Elend.

Mach nicht denselben Fehler wie ich! Die Anfangsphase einer verbotenen Affäre mag vielleicht extrem aufregend sein, doch dieses Gefühl wird ziemlich schnell von Stress, Verzweiflung, Schmerz und Schuldgefühlen abgelöst.

Mit der Zeit begann ich, mich selbst und meinen Körper zu lieben. Ich ernährte mich gesund. Ich machte Sport. Ich begann, mein Glück selbst in die Hand zu nehmen. Ich stand dazu, was ich getan hatte - obwohl ich mich noch immer für mein schändliches Verhalten schämte. Doch letzten Endes nutzte ich diese Erfahrung, um ein besserer Mensch zu werden.

Liebe dich selbst

Du kannst dir niemals hundertprozentig sicher sein, dass dein Partner dich nicht belügt oder betrügt. Du kannst niemals wirklich wissen, ob du nicht auch selbst irgendwann etwas tun wirst, womit du deinen Partner oder jemand anderen verletzt - selbst wenn du glaubst, dass du so etwas niemals tun würdest.

Beziehungen bestehen aus einer komplizierten Mischung aus Empathie, Verständnis, Zusammengehörigkeit und ständigem Bemühen. Es bringt nichts, dem Partner ein Ultimatum zu stellen. Es bringt nichts, eifersüchtig zu sein. Es bringt nichts, den anderen zu belügen.

Lern dich erst einmal selbst richtig kennen, bevor du von jemand anderem verlangst, dass er dich verstehen soll. Liebe dich selbst. Sei bereit, deinem Partner die Dinge zu vergeben, die auch er dir vergeben sollte. Sei dir darüber im Klaren, dass du bestimmte Dinge nicht vergeben kannst und erwarte dies dann auch nicht von deinem Partner.

Eine Ehe kann eine wunderschöne Partnerschaft und eine gemeinsame Reise sein

Als ich mich nach und nach wieder mit dem Konzept der Ehe anfreundete, wurde mir vor allem eines klar: Ehen sind tatsächlich ein heiliger Bund und sie bedeuten wirklich sehr viel.

Wenn wir uns auf eine Partnerschaft wie die Ehe einlassen, ist uns manchmal nicht bewusst, wie lange so ein Leben tatsächlich sein kann.

Vielleicht geraten wir auch irgendwann ins Schwanken, weil wir den wahren Wert einer Beziehung nicht kennen. In der man sich anstrengt, in der man sich umeinander kümmert, in der man Geduld miteinander hat und in der man sich gegenseitig respektiert. Manchmal sind wir so erschöpft und verärgert, dass wir es nicht mehr schaffen, uns auf eine gesunde Art voll und ganz aufeinander einzulassen.

Doch es gibt immer einen Weg zurück

Man kann aus seinen Fehlern lernen und sie zum Anlass nehmen, um im Leben einen Schritt weiter zu kommen. Manchmal erreichen wir durch die schlimmsten Erfahrungen unser größtes Potenzial. Ich musste solch eine Erfahrung durchmachen - doch ich bin wieder zurückgekehrt.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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