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Haus zu vererben: Was man wissen sollte, bevor man ein Testament anfertigt

18/11/2017 11:07 CET | Aktualisiert 18/11/2017 11:10 CET
AntonioGuillem via Getty Images

In Deutschland zählen Immobilien zu den gefragtesten Wertanlagen. Kein Wunder, dass Häuser, Wohnungen und Grundstücke überaus häufig zum Nachlass eines verstorbenen Erblassers zählen.

Damit nach dem Tod alles wie gewünscht verläuft, sollten sich Immobilieneigentümer frühzeitig Gedanken machen, wem sie ihre Immobilie vererben möchten. Außerdem ist es wichtig, sich über das deutsche Erbrecht zu informieren und je nach persönlichem Wunsch und Familienkonstellation ein Testament zu erstellen.

Sobald ein Mensch stirbt, geht dessen Vermögen auf den oder die Erben über. Dabei ist es egal, ob die Erben davon Bescheid wissen oder nicht. Wenn ein Erbe vom Tod erfährt, die Erbschaft aber nicht annehmen will, muss er zeitnah aktiv werden. Innerhalb einer gesetzlich vorgeschriebenen 6-Wochen-Frist kann er sein Erbe ausschlagen.

Welche Formen von Testamenten gibt es?

Ein Testament enthält den letzten Willen einer Person. Es wird entweder handschriftlich (handschriftliches Testament) oder unter Mitwirkung eines Notars (notarielles, öffentliches Testament) verfasst.

Wer eine Immobilie vererben möchte, kann als Erben einsetzen, wen er möchte. Er kann mehrere Erben zu unterschiedlichen oder gleichen Erbteilen oder auch nur einen Alleinerben in seinem Testament benennen.

Wichtig dabei ist, dass die vorgesehene Person die sogenannte Erbfähigkeit besitzt. Erbfähig sind nach dem Gesetz nicht nur natürliche Personen jeden Alters (Kinder, Freunde, Nachbarn), sondern auch sogenannte juristische Personen, wie Vereine, die Kirche oder auch eine GmbH.

Handschriftliches Testament

Das handschriftliche Testament, auch eigenhändiges Testament genannt, wird - wie der Name sagt - handschriftlich verfasst und anschließend unterschrieben. Die Unterzeichnung mit Vornamen sowie die Orts- und Zeitangabe sind empfehlenswert. Das handschriftliche Testament darf in jeder Sprache geschrieben werden.

Die Voraussetzung dabei ist, dass die Sprache von einer dritten Person verstanden wird. Die Errichtung des handschriftlichen Testaments ist ohne Mitwirkung Dritter (insbesondere eines Notars) möglich.

Hinweis: Handschriftliche Testamente müssen nicht amtlich verwahrt werden. Sie können aber vom Erblasser bei einem frei zu wählenden Nachlassgericht hinterlegt werden.

Notarielles Testament

Das notarielle Testament bezeichnet man auch als öffentliches Testament. Es wird durch die Erklärung des letzten Willens vor einem Notar oder durch Übergabe einer offenen oder verschlossenen Schrift an den Notar erstellt. Der Notar fertigt darüber ein Protokoll an.

Die Kosten richten sich nach der Höhe des im notariellen Testament aufgeführten Vermögens. Als öffentliche Urkunde hat das notarielle Testament volle Beweiskraft und ersetzt meist den Erbschein.

Hinweis: Notarielle Testamente gibt der beurkundende Notar beim Nachlassgericht des Bezirks seines Amtssitzes in amtliche Verwahrung ab. Der Erblasser erhält einen entsprechenden Hinterlegungsschein. Unter Vorlage dieses Scheins kann er jederzeit die Herausgabe des Testaments verlangen.

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Was ist ein Erbvertrag?

Wie das Testament, so ist auch der Erbvertrag eine sogenannte Letztwillige Verfügung, in dem der Nachlass geregelt werden soll und in dem Erben eingesetzt werden. Im Gegensatz zum Testament setzt der Erblasser den Erbvertrag jedoch gemeinsam mit den Erben auf.

Dieser kann nur geändert werden, wenn alle Vertragspartner damit einverstanden sind. Oft werden an solche Erbverträge Bedingungen geknüpft - wie etwa die Pflege der Eltern oder die Übernahme des Geschäfts.

Wie lautet die gesetzliche Erbfolge?

Bei einem Todesfall ohne Testament oder Erbvertrag bestimmt das Gesetz die Erbfolge. Dabei erben Verwandte nach ihrem Verwandtschaftsgrad. In erster Linie werden Kinder und Ehegatten sowie eingetragene Lebenspartner berücksichtigt. Nicht verwandt sind Schwiegereltern oder Schwägerin und Schwager, denn gesetzliche Erben sind ausschließlich Blutsverwandte sowie durch Adoption Verwandte, Ehepartner und der Lebenspartner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Nichteheliche Kinder sind den ehelichen Kindern gleichgestellt.

Wer wie viel erbt, richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad: Zunächst erben die nächsten Verwandten, Kinder und Enkel, dann weiter entfernte Verwandte wie Neffen und Nichten. Nähere Verwandte schließen dabei grundsätzlich die weiter entfernten Verwandten von der Erbfolge aus.

Hinweis: Die gesetzlichen Erben sind in mehrere „Ordnungen" unterteilt. Dabei schließen die Erben der jeweils höheren Ordnung die Erben der nachfolgenden Ordnung von der Erbfolge aus.

Erben der 1. Ordnung

Erben der 1. Ordnung sind die Kinder, Kindeskinder, Urenkel (nicht die Schwiegerkinder). In erster Linie erben also die Kinder, und zwar zu gleichen Teilen. Ist ein Kind bereits verstorben, so treten dessen Abkömmlinge an dessen Stelle, also die Enkel, ebenfalls untereinander gleichanteilig.

Erben der 2. Ordnung

Hinterlässt der Verstorbene keine Abkömmlinge, gelangen die Erben der 2. Ordnung zur Erbfolge. Dies sind die Eltern, Geschwister, Neffen und Nichten des Erblassers. In erster Linie erben dann die Eltern. Ist aber ein Elternteil bereits verstorben, so treten an dessen Stelle und für dessen Erbteil dessen Abkömmlinge, also die Geschwister und gegebenenfalls auch Halbgeschwister bzw. Geschwisterkinder (Nichten, Neffen) des Erblassers.

Erben der 3. Ordnung

Gibt es auch keine Erben der 2. Ordnung, dann treten Erben der 3. Ordnung an: die Großeltern, Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen nach denselben Beerbungsgrundsätzen. Innerhalb der jeweiligen Ordnung schließen wiederum die dem Verstorbenen verwandtschaftlich näher stehenden Personen die entfernteren Verwandten aus.

Wichtig: Ein Verwandter erbt nicht, solange mindestens ein Verwandter einer vorhergehenden Ordnung vorhanden ist. Innerhalb einer Ordnung erbt/erben immer nur der/die nächste(n) Verwandte(n).

Was sollten Ehegatten und Lebenspartner wissen?

Nach gesetzlichem Erbrecht des Ehegatten oder Lebenspartners erbt der überlebende Partner neben den Kindern immer ein Viertel des Nachlasses - unabhängig von der Zahl der Kindert. Sind außer ihm nur Verwandte der zweiten Ordnung aufzufinden, erbt der überlebende Ehegatte die Hälfte.

Meistens ist eine Ehe eine Zugewinngemeinschaft. Dann erhöht sich der Erbteil des Ehegatten um ein Viertel, sodass er die Hälfte erbt, die nicht den Kindern zufällt.

Entscheidend für Ehegatten ist also zum einen, welche Verwandten welcher Ordnung als gesetzliche Erben zur Erbfolge gelangen und zum anderen, in welchem Güterstand (Zugewinngemeinschaft, Gütertrennung oder Gütergemeinschaft) die Ehegatten gelebt haben.

Grundsätzlich leben alle Ehepaare im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Jede Änderung hiervon benötigt eines notariellen Vertrages.

Mehr zum Thema: Sieben Dinge, die Sie beim Vererben nicht tun sollten

Gütergemeinschaft

Lebten die Eheleute in Gütergemeinschaft, so gelten die Anteile, die durch das Ordnungssystem der gesetzlichen Erbfolge festgelegt sind.

Gütertrennung

Lebten die Eheleute in Gütertrennung, dann erhält der hinterbliebene Ehegatte und ein oder zwei erbberechtigte Kinder die gleichen Anteile. Damit wird dafür gesorgt, dass der überlebende Ehegatte gegenüber den Nachkommen des Erblassers gleich viel erbt.

Zugewinngemeinschaft

In den meisten Fällen leben Eheleute in einer Zugewinngemeinschaft. In diesem Fall erhält der Ehegatte noch weitere 25 % zusätzlich zu seinem Erbteil.

Somit erhält er neben den Kindern und Enkeln des Erblassers (Erben der 1. Ordnung) die Hälfte des Nachlasses. Neben Erben der 2. Ordnung erhält er 75 % des Nachlasses. Und neben allen übrigen gesetzlichen Erben steht ihm sogar der gesamte Nachlass zu.

Der „Voraus" des Ehegatten

Zusätzlich zu seinem Erbteil hat der überlebende Ehegatte einen Anspruch auf den sogenannten „Voraus". Dieser beinhaltet alle zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände vom Besteck bis zur Stereoanlage sowie die Hochzeitsgeschenke.

Erbt der Ehegatte neben Verwandten der ersten Ordnung, ist dieser Anspruch beschränkt auf die Gegenstände, die zur Führung eines angemessenen Haushalts erforderlich sind.

Wann wird ein Erbschein benötigt?

Hat der Erblasser kein beglaubigtes Testament hinterlassen, benötigen die Erben einen Erbschein. Damit weisen sie ihr Erbrechts gegenüber Behörden, Grundbuchamt und Banken aus. Beispielsweise, wenn ein Grundstück oder ein Konto des Erblassers auf den Namen des oder der Erben umgeschrieben werden soll.

Auch wenn die Erben Geld vom Konto des Verstorbenen abheben wollen, benötigen sie in der Regel einen Erbschein. Es sei denn, der Erblasser hat den Erben bereits zu Lebzeiten eine Vollmacht über den Tod hinaus erteilt und dies bei Banken oder Sparkassen hinterlegt.

Die Erteilung des Erbscheins durch das zuständige Amtsgericht (Nachlassgericht) nimmt oft einen längeren Zeitraum in Anspruch und ist mit Kosten verbunden. Liegt hingegen ein notarielles Testament oder ein notarieller Erbvertrag vor, so reichen diese in der Regel zum Nachweis der Erbfolge beim Grundbuchamt, Banken und Behörden aus, da es sich hierbei um öffentliche (nicht nur private) Urkunden handelt.

Was sollten speziell Immobilieneigentümer berücksichtigen?

Immobilieneigentümer sollten dann ein Testament oder erbvertragliche Bestimmungen treffen, wenn sie selbst entscheiden wollen, wie sich ihr Vermögen nach ihrem Tod verteilt und wenn sie die gesetzliche Erbfolge bei Ihrem Tod nicht eintreten lassen wollen.

Das notarielle Testament und der Erbvertrag können darüber hinaus kostengünstiger sein als ein Erbscheinsverfahren. Die Kosten des Erbscheinsverfahrens betragen nicht selten die doppelte Höhe der Kosten eines notariellen Testaments oder Erbvertrages.

Gibt es kein Testament, werden die gesetzlichen Erben Eigentümer der Immobilie. Meist entsteht dann eine Erbengemeinschaft. In einer Erbengemeinschaft kann kein Miterbe über die Gegenstände aus dem Nachlass alleine verfügen, sondern die Gemeinschaft muss den Nachlass gemeinsam verwalten. Soll beispielsweise eine geerbte Immobilie verkauft werden, so müssen alle Erben der Gemeinschaft dem Verkauf zustimmen.

Die Praxis zeigt, dass Erbengemeinschaften oft extrem konfliktträchtig sind. Können die Mitglieder der Erbengemeinschaft keine Einigung über die Zukunft der Immobilie erzielen, droht nicht selten eine Versteigerung der Immobilie.

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