Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Michaela Engelmeier Headshot

Durch mehr Sicherheit, mehr Radfahrer

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BIKE HELMET
Jonathan Moore via Getty Images
Drucken

Die fahrradfreundliche "Stadt der kurzen Wege" ist mancherorts schon auf dem besten Weg von der Vision zur Wirklichkeit: Fahrradstationen und Mieträder, Abstellanlagen und transportable Falträder erobern Schritt für Schritt den Stadtraum. Und in vielen Städten sorgt man mehr denn je für die Sicherheit und den Komfort der Radfahrer.

In Städten fahren 50 Prozent und in ländlichen Regionen 72 Prozent mit dem Auto zur Arbeit. Das Fahrrad nutzen nur im Schnitt 9 Prozent der Berufspendler, obwohl für jeden zweiten Deutschen der Arbeitsweg weniger als 10 Kilometer beträgt.

Ein möglicher Grund können die Gefahren auf dem Zweirad sein: 1970 waren nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen noch 1.835 Radfahrer tödlich verunglückt, seitdem gibt es einen sinkenden Trend. Dennoch starben 2015 auf deutschen Straßen etwa 385 Radfahrerinnen und Radfahrer. Mehr als die Hälfte (61,6 Prozent) der tödlichen Fahrradunfälle passierten innerorts.

Wenn wir mehr Menschen aus dem Auto auf das Fahrrad bekommen möchten, sind Forderungen nach mehr Grün-Phasen für Räder oder gar das Abschaffen von roten Ampeln für Fahrradfahrer zweitrangig, sondern wir müssen Antworten nach mehr Sicherheit finden.

Denn auch im Auto oder zu Fuß müssen die Menschen an roten Ampeln warten. Natürlich gibt es Ecken, an denen die Radfahrer ohne Gefahr nach rechts abbiegen können, nur in Städten wie Berlin, Köln oder München, kann es schnell unübersichtlich werden, wenn die Radfahrer trotz Rot anfahren. Eine Priorisierung von Zweiräder führe unter Umständen nur zu einer möglichen Verschlechterung der anderen Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Bus, Bahn, Autofahrer usw.

Trotzdem unterstütze ich die Forderung den Radfahrern im Gegenzug zu Autofahrern einen Vorzug einzuräumen. Nur dafür muss allen Verkehrsteilnehmern die richtige Bewegung im Straßenverkehr deutlich sein. Gerade Kinder können nicht immer jede Situation richtig einschätzen. So sind ein Drittel aller Unfälle von Kindern bis 15 Jahre mit dem Fahrrad geschehen.

Daher fordern wir mehr Übungseinheiten für Kinder im sicheren Umgang mit Fahrrädern im Straßenverkehr. Und die Bundesregierung hat dafür gesorgt, dass Kinder künftig von einer Aufsichtsperson im Alter von mindestens 16 Jahren auf dem Gehweg begleitet werden dürfen.

Es müssen mehr Radwege und Radstreifen gebaut und Kreuzungen übersichtlicher werden. Weiter sind Autofahrer aufgefordert beim Abbiegen, Ausparken und Tür öffnen aufmerksam zu sein. Wenn sich die Menschen auf dem Rad wirklich sicherer fühlen, dann wird die Begeisterung weiter steigen und autofreie Sonntage kommen von alleine, da die Menschen lieber mit dem Rad und der Bahn ins Grüne fahren, als ihr Auto zu bemühen.

2016-07-12-1468310300-7618852-HUFFPOST.png

Mehr zum Thema Revolution auf zwei Rädern