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Prahlen, ohne wie ein Vollidiot zu wirken

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Michael Tomoff - prahlen ohne wie ein Vollidiot zu wirken

Kennen Sie folgendes Problem zum Thema "prahlen": Sie sitzen mal wieder in einem Meeting. Ein Kollege von Ihnen, der eigentlich zu den besprochenen Inhalten (auch qualitativ) viel weniger zu sagen hat als Sie, berichtet hochtrabend von Erfolgen, verzapft hanebüchene Theorien und macht gefährliche Vorschläge.

Trotzdem halten Sie den Mund, schauen auf Ihre Notizen und kochen nur innerlich mit Gedanken wie "Was erzählt der da für einen Mist!?" und "Ich freue mich schon auf die Abfuhr vom Chef!".

Mit den Worten "Sehr gut, Müller, ich sehe Ihr Engagement und freue mich extrem über Ihre kreativen Vorschläge, die ich gerne mit Ihnen besprechen möchte!" schließt Ihr Chef allerdings die Runde. Und Sie bleiben verdutzt sitzen.

Die Pflicht, ab und an eine Ansage zu machen

Häufig ist es nicht leicht, aus dem eigenen Schatten zu treten und den Mund aufzumachen. Insbesondere, wenn Sie von Natur aus eher bescheiden und ruhig sind, Erfolge nur feiern, wenn Sie von anderen dazu gebeten werden (und selbst dann nur ungerne) und lieber einmal schüchtern abwinken als sich auf einer Bühne selbst in den Himmel loben.

Aber es gibt Zeiten in Ihrer Karriere, in denen Sie diese Höflichkeiten zur Seite schieben sollten, in denen es - meiner Meinung nach - sogar Ihre Pflicht ist. Nicht nur, um Ihre eigenen Fähigkeiten und Erfolge zu zeigen, sondern auch, um andere um den Kollegen Müller vor Schlimmerem zu bewahren.

Vielleicht ist es ein größeres Team-Meeting oder nur eine kleine 3er-Besprechung, aber wenn Sie Ihr Wissen nicht teilen, wird es jemand anderes tun und höchstwahrscheinlich dafür ein anerkennendes Nicken ernten - und vielleicht auch noch den Bonus am Ende der Saison.

Natürlich, es geht Ihnen nicht primär um einen Bonus, es geht Ihnen um Anerkennung (eine der wertvollsten Währungen unserer Zeit), um Fairness, um Gerechtigkeit. Und gerade deshalb ist das Dilemma einfach: Menschen, die selbstbewusst sind und es verstehen, ihre Leistungen bekannt zu machen, werden oft als kompetenter betrachtet. Nicht, weil sie es immer sind, sondern weil oft der Vergleich zu den wirklich kompetenten Ideen und Menschen fehlt.

Kulturell gesehen gibt es in den meisten Kreisen kulturelle Normen für Bescheidenheit, Überheblichkeit oder das sich-selbst-in-den-höchsten-Tönen-Loben (sind Sie auch mit dem Satz "Eigenlob stinkt" aufgewachsen?). Diese Normen sorgen oft dafür, dass Angeber als unhöflich angesehen und unsympathisch abgestempelt werden und somit wieder der Weg frei ist für Menschen, deren Ideen für alle gut sind und die Welt wirklich ein Stückchen besser machen.

Das funktioniert auch relativ gut.
Aber leider nicht immer.

Ein schmaler Grad

Es will wohl geübt sein, nicht im Schatten anderer (oder des eigenen Scheffels) unterzugehen und trotzdem nicht zur Rampensau avancieren zu müssen. Glücklicherweise gibt es einige Psychologen, die sich der Forschung über dieses Dilemma angenommen haben. Die Ergebnisse unterstützen uns dabei, uns selbst effektiv zu fördern, ohne wie ein Trottel zu wirken. Hier sind 3 hoffentlich wertvolle Tipps.

1. Sich nicht ungefragt über den grünen Klee loben

Es macht einen großen Unterschied, ob sich jemand ungefragt in den Himmel lobt, oder eine ehrliche Antwort auf eine Frage gibt.

Stellen Sie sich folgende zwei Szenarien vor:
  1. Ein Bewerber für eine Ihrer offenen Stellen prahlt im Interview über seinen Universitätsabschluss, ohne vorher von Ihnen darauf angesprochen worden zu sein.
  2. Eben jener Bewerber beginnt, seinen Abschluss in strahlendem Lichte erscheinen zu lassen, nachdem Sie ihn auf seine sehr gute Note angesprochen haben.

Geht es Ihnen wie vielen anderen, werden Sie Szenario 2 bevorzugen und den Bewerber sogar noch mögen, obwohl er möglicherweise eine Spur zu viel über seinen Erfolg geredet hat (Nurit Tal-Or, 2010). Gerade in Interviewsituation wird von Bewerbern häufig erwartet, dass sie sich positionieren können und Erfolge nicht unter den Scheffel stellen.

2. Vergleichen Sie sich mit Ihrer eigenen Vergangenheit

Einer der Gründe, warum viele Menschen so negativ auf Eigenlob anderer reagieren, ist das Gefühl, der andere würde das eigene Licht scheinen lassen, indem er das der anderen ausbläst. Sich über Kollegen, Freunde oder auch Unbekannte zu stellen, indem man sich als leistungsstärker, schlauer, ja einfach besser einschätzt, kommt nicht gut.

Im Gegensatz dazu ist eine Reflexion der eigenen Entwicklung eine durchaus positive Angelegenheit. "Ich bin besser als noch vor 3 Jahren" hat einen anderen Flair als "Ich bin besser als ⅔ der Belegschaft", auch wenn das Ergebnis das gleiche ist.

Wenn Ihr Eigenlob andere kleiner macht, laufen Sie also Gefahr, das Trottel-Gebiet zu betreten. Versuchen Sie Ihre Erfolge also darzustellen, ohne andere schlecht(er) zu machen. Letztlich kommt alles wieder bei Ihnen an (siehe auch das "Phänomen der spontanen Merkmalsrückschlüsse").

3. Holen Sie Verstärkung

Weil wir in einer Kultur leben, die es größtenteils verurteilt, über sich selbst gut zu reden, ist es ein cleverer Zug, das jemand anderen für sich tun zu lassen. Wenn Sie das Gefühl haben, jemand hat sein Arbeitszeugnis selbst verfasst und lobt sich in den höchsten Tönen, werden Sie dazu tendieren, diesem Zeugnis weniger Glauben zu schenken. Und der Person dahinter wahrscheinlich auch.

Wäre dieses Zeugnis aber vom Chef, einem Kollegen oder sogar einem Freund geschrieben, stiege Ihre Meinung gegenüber der Person, um die es im Zeugnis geht - obwohl es die selben Inhalte wären oder die Person, die jenes Arbeitszeugnis verfasst hat, positiv voreingenommen sein könnte (Brandt, Vonk & van Knippenberg, 2009).

Finden Sie also einen vertrauensvollen Promoter, der Ihre Eigenschaften oder Erfolge für Sie nach draußen treibt. Insbesondere, wenn Sie eher zu den introvertierten und bescheidenen Menschen auf diesem Planeten gehören.

Apropos bescheiden: Wissenschaftler fanden heraus, dass übertriebene Bescheidenheit einen ebenso schlechten Eindruck hinterlassen kann wie das Gegenteil davon. "Mit mir kann man Spaß haben und ich bin oft eine Stimmungskanone" kann dann noch die bessere Wahl sein gegenüber "Mit mir ist es nicht besonders spaßig, ich bin eigentlich nie eine Spaßkanone".

Nicht überraschend bekamen Personen die meiste Sympathie, die eine ausgeglichene Wahl zwischen Eigenlob und dem Eingestehen von Schwächen gegenüber anderen zeigten (Robinson, Johnson & Shields, 1995).

Wenn Sie also auf Nachfrage zu Ihren Stärken und Erfolgen einen Dritten finden, der für Sie Ihre entwicklungsreiche Vergangenheit strahlen lässt und noch ein paar gar-nicht-mehr-so-große-Schwächen einbaut, stehen die Chancen gut, dass Sie sich ein paar Sympathien sicher sein können...

Und Sie? Wie schaffen Sie es, sich auf taktvolle Art und Weise zu zeigen?
Oder fällt es Ihnen ebenfalls schwer, Ihr Licht scheinen zu lassen?

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Lesenswert:

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