Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Michael Sudahl Headshot

Frust im Job: Mit der Katastrophe im Kopf den Neuanfang wagen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
JOBFRUST
thinkstock
Drucken

Wahrscheinlich kommt jeder Büroarbeiter einmal in seinem Berufsleben an den Punkt, an dem er oder sie denkt: Es geht nicht weiter. Die Karriere stockt. Der Job frisst einen an. Die Kollegen und der Chef nerven. Doch was tun, wenn sich dieser Zustand verfestigt?

Die innere Kündigung ist ein schleichendes Gift. Wer ihr Nahrung gibt, verliert Lebensqualität, weil er sich zur Arbeit schleppt und diese im schlimmsten Fall hasst. Dabei sind die scheinbar äußeren Faktoren wie ein mieser Chef oder mürrische Kunden oft nur das Ergebnis des eigenen Verhaltens.

"Reset" gegen Perspektivlosigkeit
Steckt der Karren aber so richtig im Deck kann ein "Reset" von Nutzen sein. "Es hilft, gedanklich erst einmal alles auf null zu stellen. Um sich dann zu fragen, was sind denn die Gründe für mein Feststecken?", rät Simone Stargardt. Die Chefin der Akademie carriere & more bei Stuttgart kennt das Gefühl, nicht weiter zu kommen.

Einerseits weil sie selber nach einer Karriere bei einem Lebensmitteldiscounter eine neue berufliche Perspektive suchte. Andererseits weil viele der 550 Lehrgangsteilnehmer aus dem vergangenen Jahr, die sich in ihrer Akademie auf einen IHK-Weiterbildungsabschluss vorbereiten, genau an dem Punkt der Perspektivlosigkeit waren.

Mangelndes Know-how als Karrierehemmer
"Viele unserer Seminarbesucher kommen mit dem Ziel, etwas an ihrer beruflichen Situation zu verändern", so Stargardt. Und in einigen Fällen wissen die Chefs davon nichts. Denn entweder ist die Karriereleiter blockiert oder die Stimmung ist mies.

Beispiel: Susann T. ist Sekretärin. Einerseits frustriert sie ihr Job, weil sie oft nur Termine koordinieren muss. Andererseits würde sie gerne verstärkt die Controlling-Ergebnisse für ihren Chef aufbereiten, weil sie gut mit Zahlen und Fakten umgehen kann. Doch ihr betriebswirtschaftliches Know-how ist nicht ausreichend für diesen Job.

"Es lag ja nicht am Job. Der ist, wie er ist."
"Ich war so angefressen, dass ich mir eine kleine Auszeit nahm", berichtet die 28-Jährige. Ein verlängertes Wochenende und das Gespräch mit einer Freundin brachten Klarheit. "Es lag ja nicht am Job. Der ist, wie er ist", sagt die gebürtige Frankfurterin. Und die Freundin riet, die Komfortzone zu verlassen. Mit Recht. Denn T. hatte es sich bequem eingerichtet. Wenn sie etwas ändern wollte, dann musste sie sich weiter qualifizieren, um die gewünschten Aufgaben übernehmen zu können.

Kopfblockaden überwinden
Stargardt kennt noch etliche andere Kopfblockaden: "Ich kann mir einen Jobwechsel nicht leisten", "Ich habe keine Ahnung, wo ich mich bewerben soll" oder "Ich weiß nicht, wohin ich mich noch weiterentwickeln kann", seien die Klassiker, die sie immer wieder höre. T. hat sich für eine neunmonatige Weiterbildung entschieden. Das zusätzliche BWL-Wissen machte ihr keine Probleme. Und mit dem IHK-Abschluss, der in etwa den Stellenwert eines Bachelor-Abschlusses hat, kann sie die Controlling-Daten gut aufbereiten.

Tipp: Mit Worst-Case-Szenario motivieren
"Dass ich zu Beginn vielleicht länger brauche, ist mir bewusst", sagt sie. Doch mit ihrem neuen Wissen sind die Chancen auf Kompetenzerweiterung gut, vermutet sie. Stargardt hat noch einen weiteren Tipp: "Planen Sie einen Worst-Case-Szenario", rät die Unternehmerin. Ihres war eine 40m²-Wohnung in Halle, die sie sich nach dem Studium kaufte.

"Dort wären mein Mann und ich hingezogen, wenn die Idee mit der eigenen Akademie nicht funktioniert hätte." Dennoch: Diese Vorstellung war so schlimm, dass der Einsatz für die Selbständigkeit groß genug war, dieses Szenario zu verhindern, so die 34-jährige Betriebswirtin. Aber beruhigend genug, um den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.