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Dankbarkeit macht glücklich

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Ich weiß nicht, ob ich mich als Dankbarkeitsforscher bezeichnen würde. Aber wie renommierte Dankbarkeitsforscher habe auch ich jahrelang die heilsamen Wirkungen an Menschen beobachtet, die sehr bewusst mit wachen Augen durchs Leben gehen und dabei in Dankbarkeit wünschenswerte Erscheinungen und Erlebnisse registrieren.

Dass dies kein abwegiges Thema ist, zeigt auch der kürzlich im Focus von 22. November erschienene Artikel „Wieso es glücklich macht, dankbar zu sein" der in Dresden und Aarhus (Dänemark) arbeitenden und lebenden Diplom-Psychologin Dr. Ilona Bürgel. Sie schreibt unter anderem von nachweisbaren Effekten von Dankbarkeit im Alltag und weist darauf hin, dass es inzwischen fundierte Studien gibt, die zeigen, wie sich Dankbarkeit ganz konkret auswirkt. Sie stützt sich dabei auch auf Studien des amerikanischen Psychologie-Professors Robert Emmons, einem führenden Dankbarkeitsforscher.

Zwei Effekte, die sie beschreibt, halte ich für überaus beachtenswert. Da heißt es: „Dankbarkeit verbessert soziale Beziehungen. Weil wir erkennen, wie gut es andere Menschen mit uns meinen."

Ich höre förmlich, wie da manche „Macher" stöhnen, weil sie meinen, die Arbeit in der Firma, sogar die Aktivitäten im Sportverein, müssten einfach möglichst effektiv und unaufwändig erledigt werden. Man könne die anderen ja nicht ständig hätscheln, schließlich sei man nicht in einem Kindergarten. Der Mensch müsse schlicht „funktionieren." Ja, solche Meinungen gibt es. Macht aber nichts. Es gibt auch keinen Grund, vor lauter Dankbarkeit in Lobgesänge auszubrechen, bloß weil ein(e) Mitarbeiter(in) endlich mal pünktlich zum Dienstbeginn erschienen ist. Nein, es geht dabei um etwas Tieferes. Gehen wir einmal davon aus, dass jeder Mensch Werte, ich würde sie spirituelle Werte nennen, verkörpert. Und gehen wir weiterhin davon aus, dass diese Wert im Großen und Ganzen positiv sind, dann sollte das Anlass sein, für den Ausdruck dieser Werte dankbar zu sein. Denn sie können die Atmosphäre ganz entscheidend prägen. Bis hin zu geschäftlichen und finanziellen Erfolgen.

Eine zweite Regel, die Frau Dr. Bürgel anführt, lautet: „Gutes zieht Gutes an. Der dankbare Blick auf die guten Seiten des Lebens führt dazu, dass wir immer mehr davon wahrnehmen und so unser Wohlbefinden immer weiter steigern." Es ist eben nicht so, dass unser eigenes Verhalten keine Wirkung auf andere hätte. Wir müssen auch nicht erst warten, bis andere uns gegenüber freundlich oder achtsam oder rücksichtsvoll werden. Wir dürfen durchaus den ersten Schritt tun. Mein Nachbar, zupackend als Geschäftsmann, doch verletzend als Mensch, hat sich geirrt, wenn er meinte, die Menschen müssten ihn nicht lieben. Ihm reiche es, wenn sie ihn fürchteten. Ergebnis: im Alter vereinsamt, seine Mitmenschen gingen ihm möglichst aus dem Weg. Eine selbst gewählte Isolation.

Überlegt man es sich einmal genauer, so sind diese Überlegungen zur Dankbarkeit nicht gerade neu. Schon in der Bibel finde sich der folgende Gedanke: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch." (Steht im Matthäus-Evangelium).
Und die amerikanische Autorin Mary Baker Eddy bringt es auf den kurzen Nenner: „Liebe spiegelt sich in Liebe wider." (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift) Und dieser Satz lässt sich erweitern: Wir erleben mehr Gerechtigkeit, wenn wir Gerechtigkeit pflegen. Wir erleben sogar mehr Gesundheit und Wohlbefinden, wenn wir unsere (gedankliche) Gesundheit stärken.

Dr. Bürgel fasst ihre Überlegungen knapp zusammen und schreibt: „Feiern Sie auch kleine Begebenheiten, für die Sie dankbar sind, so verstärken Sie die Wirkung."
Lassen Sie sich durch nichts von der Dankbarkeit abhalten. Sie ist weder altmodisch noch ist es korrekt, dass in unserer Gesellschaft dafür kein Platz wäre. Verschaffen Sie ihr den wichtigen Platz im täglichen Leben, weil sie sich überall wohltuend auswirkt.