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Bitte helfen Sie mir. Durch Nächstenliebe!

13/01/2016 16:53 CET | Aktualisiert 13/01/2017 11:12 CET
Nicolas McComber via Getty Images

Neulich in der Regionalbahn auf der Fahrt nach Leipzig. Zwei junge Frauen sitzen mir gegenüber. Die eine fragt ihre Freundin: „Fehlt dir was?" „Warum?", ist die Antwort. „Weil du so still bist. Was fehlt dir denn? Nun schießt schon los."

Die nächsten 10 Minuten schilderte die Freundin alle möglichen Symptome, Schmerzen, Befürchtungen, Meinungen über ihren Zustand und auch manche Versuche, was sie etwas gegen die unterschiedlichen mehr oder weniger schmerzhaften Zuständen unternommen hat. Von Kopfschmerzen angefangen bis zur Migräne und einer Muskelverhärtung präsentierte die Freundin eine ganze Palette von Störungen.

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Tags zuvor hatte ich gelesen, dass sich viele Menschen fürs neue Jahr vorgenommen haben, mehr für ihre Gesundheit zu tun. Gut so. Nicht gesagt wurde, was sich diese Menschen überlegt haben, um die Gesundheit zu stärken. Mehr Sport treiben wird dabei sein. Weniger Alkohol trinken. Öfter mal an die frische Luft gehen.

„Ich werde ab jetzt mehr Medikamente nehmen, um alle möglichen Symptome damit zu bekämpfen."

Was eigentlich nie auftaucht, ist die Aussage: „Ich werde ab jetzt mehr Medikamente nehmen, um alle möglichen Symptome damit zu bekämpfen."

In einem Beitrag in der Aachener Zeitung hieß es im letzten Frühjahr: Liebe statt Psychopharmaka. (Aachener Zeitung, 11.4.2015) Konkret ging es in diesem Artikel darum, dass es bisweilen Menschen, in diesem Fall mit Demenz, passieren kann, dass sie bei Einlieferung in ein Krankenhaus für eine gewisse Zeit eine Bewusstseinsstörung erleben, die auf einem Übermaß an Medikamenten beruht.

Ergebnis davon: Statt die Demenz zurückzuführen, verstärken sich die Symptome. Fazit: Es sind nicht immer die Medikamente, die eine Befreiung von unerfreulichen Symptomen bewirken, oftmals wird der Einfluss von Liebe, Fürsorge, Aufmerksamkeit durch Familienangehörige und Krankenhauspersonal unterschätzt.

Wobei völlig klar sein muss, dass gerade das Krankenhauspersonal oftmals zeitlich überfordert ist, und trotz hilfsbereiter und liebevoller Einstellung einfach nicht die Zeit aufbringen kann, sich längere Zeit mit einem Patienten zu befassen. Was hier über Demenz beschrieben wurde, gilt aber für eine ganze Reihe von Störungen.

Dr. Christoph Fuchs, Oberarzt für Akutgeriatrie und Frührehabilitation am Klinikum Neuperlach erklärt: „Die Übermedikamentierung im Pflegeheim führt zu Verwirrtheit", und er sagt weiter: „Unruhe, unabhängig davon, ob eine Demenzerkrankung vorliegt oder nicht, könne ganz banale Ursachen haben. Dazu gehören eine volle Blase, eine schlechte Lage oder Sauerstoffmangel."

Was Dr. Fuchs da beobachtet, ist vielen Menschen vertraut, die sich ausführlicher mit Menschen beschäftigen, die an unterschiedlichen Krankheiten leiden. Trotz bester Absicht bringen Medikamente nicht notwendigerweise Linderung und Befreiung.

Zurück zu den beiden jungen Frauen in der Regionalbahn. Wie aus heiterem Himmel beendete die eine Freundin das Gespräch und sagte mit einem Lächeln im Gesicht: „So, jetzt geht's mir wieder gut, und ich danke dir, dass du mir zugehört hast." Also, da ist tatsächlich kein Medikament zum Einsatz gekommen, sondern bereitwilliges Hinhören, mal ein Lächeln, mal ein Wort des Trosts.

Jeder kann helfen. Durch Hinhören und Ermutigen

Das ist doch eine großartige Pflege der Gesundheit: dem anderen Aufmerksamkeit schenken, Geduld haben, einfühlsam auf manche Überlegungen eingehen. Das ist ein Programm, das auch ich mir für das kommende Jahr vornehme.

Und ich tue es in der Gewissheit, dass viele Störungen, die den Körper und letztlich das Bewusstsein bedrängen, durch Liebe, wie es dieser Artikel in der Aachener Zeitung beschrieben hat, gewandelt werden können. Auch ich wünsche Ihnen, dass Ihre sinnvollen Vorhaben Ihnen und Ihren Gesprächspartnern den Blick auf Lebensfreude, Schaffenskraft und Gesundheit lenken.

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