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Ansteckungsgefahr? Kommt drauf an, was Sie lesen

02/07/2015 12:43 CEST | Aktualisiert 02/07/2016 11:12 CEST
GettyImages

In meiner Kindheit hatten wir keinen Fernseher zu Hause. Als Fußballfan war ich auf die Konferenzschaltungen des WDR angewiesen und voller Spannung erlebte ich am Transistorradio, wie zwischen der Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn und dem Dortmunder Westfalenstadion hin- und her geschaltet wurde. Und zwischendurch ab und zu der Ruf eines Reporters: „Tor im Berliner Olympiastadion!"

Mentale Bilder im Bewusstsein

Abends lag ich im Bett und spielte - leise vor mich hinsprechend - Rundfunkreporter. Alles ganz harmlos. Aber es zeigte mir, wie man sich eindrücklich mit solchen mentalen Bildern einer Radioreportage befassen kann.

Jahre später bemerkte ich, wie meine Tante, die wohl jede Medizinsendung im Fernsehen regelrecht aufsog, meist am nächsten Morgen die Symptome bei sich beschrieb, die sie am Vorabend in einem Bericht angesehen hatte. Das war dann nicht so harmlos. Aber etwas spöttisch-aufmüpfig sagte ich ihr, dass sie wohl weniger von diesen Symptomen als von ihrer Leichtgläubigkeit befreit werden müsse.

Denn wenn ich weiß, dass etwas für mein Gemüt schädlich ist, habe ich ja die sittliche Freiheit, das TV-Gerät abzuschalten.

„Echte" Symptome durch Fernsehsendungen

Kürzlich brachte der Leiter des Wissenschaftsressorts des Tagesspiegel, Hartmut Wewetzer, in einem Bericht seiner Zeitung (7.6.15, „Trendkrankheiten Morbus Media") die TV-Sendung von Dr. Hans Mohl, das „Gesundheitsmagazin Praxis" im ZDF, in Erinnerung, über die Wewetzer heute sagt: „Oft ziepte und zwackte es die Bundesbürger dann auch genau dort, wo Mohl es zuvor so seriös wie suggestiv prophezeit hatte. Am nächsten Morgen füllten sich echte Arztpraxen mit Menschen aus Mohls TV-Praxis."

Es ist tatsächlich so, dass sich Bilder, seien es Fotos, Filmchen, Grafiken und Schilderungen, schnell im eigenen Bewusstsein verankern und eine unnötige, leider oft sehr wirkliche Wirkung entfalten können. Mancher TV-Konsument ist vielleicht zu stolz, um auf diese dort verbreiteten Ansichten zu verzichten, andere unterschätzen einfach die Suggestivkraft, die ihnen da begegnet.

Wechselwirkung von Körper und Geist

Fazit: Ich muss mir nicht alles ansehen, was mich nicht wirklich stärkt. Und es lohnt sich, darüber nachzudenken, wie Presseberichte das Wohlbefinden beeinflussen bzw. sogar schwächen.

Die amerikanische Gesundheitsexpertin Mary Baker Eddy, die den Zusammenhang von Körper und Geist jahrzehntelang erforscht hat, schrieb einmal vor über 120 Jahren: „Die Presse verbreitet unwissentlich viel Kummer und Krankheit unter den Menschen. Sie tut das, indem sie Krankheiten Namen gibt und lange Beschreibungen druckt, durch welche sich die Krankheitsbilder deutlich im Denken abspiegeln."

Und etwas später heißt es: „Eine ausführlich beschriebene Krankheit kostet manchen sein irdisches Wohlergehen." Heute wird mehr und mehr erkannt, dass die Verbreitung von Krankheiten wie Burn-out oder auch die bei Kindern stetig zunehmend diagnostizierte ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) und die damit einhergehende Verschreibung von Psychopharmaka durch Presseberichte zumindest beschleunigt wird.

Gesundheitspflege durch verantwortungsvolles Nachdenken

Gut, wenn sich Menschen ihrer spirituellen Kräfte, oder einfach nur ihres „normalen" umsichtigen und verantwortungsvollen Nachdenkens bewusst werden und auch einmal „Nein" sagen, statt sofort nach Psychopharmaka zu greifen. Der Gedanke, dass es eben auch eine geistige Dimension jenseits der Medizin gibt, wonach der Mensch seine gedankliche Grundlage von Gesundheit und Wohlbefinden stärken kann, wird zunehmend an Bedeutung gewinnen.


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