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"Er wollte nie Präsident werden": Michael Moore hat einen ungeheuerlichen Verdacht, was Trump wirklich plant

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Freunde,

Donald Trump wollte eigentlich nie Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Ich weiß es. Ich werde aber nicht sagen, woher ich es weiß.

Trump und ich haben nicht denselben Anwalt oder Agenten oder Stylisten, und wenn es so wäre, dann hätte auch das nichts mit der Sache zu tun. Und ganz sicher habe ich nie irgendwas in diesen Agenturen oder auf den Fluren des Senders NBC aufgeschnappt.

Aber einige der Leser dieses Artikels - den Betroffenen ist klar, wer gemeint ist - wissen, dass sich jedes Wort in den folgenden Absätzen genau so zugetragen hat.

Trump wollte mehr Geld für seine NBC-Show

Trump war nicht glücklich mit dem Deal, Moderator und Star seiner eigenen NBC-Show „The Apprentice" (und „The Celebrity Apprentice") zu sein. Einfach ausgedrückt wollte er mehr Geld.

Er hat schon früher einmal verlauten lassen, für das Amt des Präsidenten kandidieren zu wollen, in der Hoffnung, die so gewonnene Aufmerksamkeit würde seine Verhandlungsposition stärken.

Trump hoffte, als Präsidentschaftskandidat seine Verhandlungsposition zu stärken

Aber als der selbsternannte „King of the Dealmakers" wusste er, dass eine bloße Ankündigung, etwas tun zu wollen, nur heiße Luft ist. Nur etwas tatsächlich zu TUN reißt die Menschen vom Hocker.

Trump hatte mit anderen Sendern darüber gesprochen, ob seine Show dort ausgestrahlt werden sollte. Auch so verschafft man sich ein Druckmittel. Die Angst der Sender, Trump an einen anderen zu verlieren und die Treffen mit den Verantwortlichen, alles natürlich ganz „heimlich, still und leise", festigten seine Position. Er wusste, dass es an der Zeit war, seine Trumpfkarte zu spielen.

Er beschloss, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren.

Nur ein paar Wahlkampfveranstaltungen abhalten

Natürlich würde er nicht wirklich kandidieren. Nur den Plan groß ankündigen, ein paar Wahlkampfveranstaltungen mit einigen Zehntausend Menschen abhalten und darauf warten, dass ihn die Umfragen an der Spitze - wo sonst! - sehen würden. Dann würde er den gewünschten Deal und die gewünschten zusätzlichen Millionen schon bekommen.

So fuhr er also am 16. Juni des vergangenen Jahres in seinem goldenen Fahrstuhl nach unten und machte den Mund auf. Ohne Wahlkampfmitarbeiter und ohne Kampagnenplan - beides würde er nicht brauchen, denn erinnern wir uns, es würde ja eh kein richtiger Wahlkampf werden.

So brauchte er auch keine Skripte und schlug gleich bei seiner ersten Pressekonferenz mächtig über die Stränge und bezeichnete Mexikaner als „Vergewaltiger" und „Drogendealer" und verkündete, eine Mauer bauen zu wollen, die die Mexikaner fernhalten sollte.

Kündigung statt Millionen-Deal bei NBC

Entgeisterte Gesichter waren die Antwort. Seine Aussagen waren so beleidigend, dass NBC ihm statt eines neuen Millionen-Deals die Kündigung seiner Show mit folgenden Worten überreichte: „Aufgrund der neuesten herabwürdigenden Äußerungen von Donald Trump zum Thema Einwanderung hat NBC Universal beschlossen, die Geschäftsbeziehungen mit Mr. Trump zu beenden."

Weiter gab NBC bekannt, dass auch die Trump gehörenden Schönheitswettbewerbe Miss USA und Miss Universe nicht weitergeführt werden würden. BÄM.

Trump war wie gelähmt. Soviel zu seinem gewünschten Deal. Das hatte er nicht erwartet, aber er blieb trotzdem bei seinem Plan, um seinen „Wert" zu erhöhen und den anderen Sendern zu zeigen, wie viele Amerikaner sich IHN als IHREN Anführer wünschten.

Er wusste, er würde NIE Präsident werden

Er wusste natürlich (und die Menschen, denen er vertraute, bestätigten es ihm), dass er niemals die Mehrheit (wenn überhaupt auch nur eine) der Vorwahlen gewinnen würde, er würde ganz sicher nicht zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner gekürt werden und NIE aber auch wirklich NIEMALS Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Natürlich nicht! Er wollte das ja auch gar nicht! Das Amt des Präsidenten bedeutet ARBEIT und LANGEWEILE und man muss in diesem GHETTO Washington DC leben, in einem KLEINEN Haus, das zudem bereits 200 Jahre alt ist, feucht und ungemütlich und mit lediglich ZWEI Stockwerken! Ein „Obergeschoss" ist kein Penthouse! Aber dass musste ihm keine Sorge bereiten, in ein paar Monaten würde der ganze „Trump for President"-Trubel eh wieder vorbei sein.

Und dann passierte es.

Das Fernsehen war wieder Wachs in seinen Händen

Und ehrlich gesagt, wenn es euch passiert wäre, hättet ihr sicher genauso reagiert. Trump entzündete zu seiner eigenen Überraschung ein Feuer in der amerikanischen Bevölkerung, besonders bei denen, die alles andere als Milliardäre waren. Er schoss in den Umfragen bei republikanischen Wählern nach oben. Bis zu 30.000 begeisterte Anhänger kamen zu seinen Wahlkampfveranstaltungen. Und das Fernsehen war Wachs in seinen Händen.

Er war der erste amerikanische Prominente, der sich selbst in jede Show einladen konnte, nur um dann nicht zu erscheinen! Er rief einfach in der Show an und sie stellten in live durch.

Vielleicht saß er grade auf seiner golden Toilette im Trump Tower oder weiß Gott wo! Und die Medien spielten mit. Und wie! Les Moonves, Kopf von CBS, gab sogar zu, dass Trump unglaublich gut für die Quoten und den Verkauf von Werbung sei. Musik in den Ohren des von der NBC verschmähten Trump.

Trump verliebte sich erneut in sich selbst

Trump verliebte sich noch einmal aufs Neue in sich selbst. Und schon bald hatte er seinen Plan, einen guten Deal für seine Fernsehshow rauszuschlagen, vergessen.

Eine Fernsehshow? Machst Du Witze? Das ist doch was für Loser, für Typen wie den Bachelor oder die Bachelorette.

Der „King of the Dealmakers" gehörte der Vergangenheit an - er war jetzt der „King of the World"!

Jede noch so kleine Äußerung von ihm wurde diskutiert und auseinandergenommen, überall und von jedem und das tage- wenn nicht sogar monatelang. DAS war bei „The Apprentice" nie vorgekommen! Eine Fernsehshow moderieren? Er war der Star JEDER Fernsehshow! Und schon bald würde er fast alle Vorwahlen gewinnen!

Der Moment, in dem es ihm dämmerte

Und dann ... man kann den Moment, als es ihm schließlich dämmerte, richtig sehen. Dieser „Oh verdammt ..."-Moment: „Ich werde der Präsidentschaftskandidat der Republikaner - und dann ist mein schönes Leben in Reichtum dahin!"

Es war der Abend, als er die Vorwahlen in New Jersey gewann. Die Schlagzeile auf "time.com" lautete: „Donald Trumps verhaltene Siegesrede nach dem Gewinn in New Jersey".

Statt eine seiner lautesten, harschesten Reden abzuliefern, war diese geradezu depressiv. Keine Energie, keine Freude, nur die Erkenntnis, dass er diese Schnapsidee jetzt würde durchziehen müssen. Es war nicht mehr länger nur eine Art Werbe-Gag, jetzt wurde es ernst.

Jetzt war es zu spät

Bald aber schon wurde er von seinem Karma eingeholt. Mexikaner als „Vergewaltiger" zu bezeichnen, hätte ihn schon an Tag eins disqualifizieren müssen (oder auch seine Aussage aus dem Jahr 2011, dass Barack Obama nicht in den USA geboren worden sei). Nein, es dauerte 13 Monate voller rassistischer, sexistischer und dummer Kommentare, bis er sich schließlich mit dem Hattrick, die Familie eines gefallenen Soldaten anzugreifen, das Purple Heart (Orden für verwundete Soldaten) zu verhöhnen und die Waffen-Lobby dazu aufzurufen, Hillary Clinton zu beseitigen, selbst ins Aus schoss.

„Ich hasse das alles hier! Ich will meine Show zurück!" Aber jetzt war es zu spät. Er war eine beschädigte Ware, seine Marke nichts mehr wert, er war eine weltweite Witzfigur und schlimmer noch - er würde schon bald ein Loser sein.

Trump ist nicht so dumm, wie er aussieht

Aber ich will noch eine weitere Theorie in den Ring werfen. Nämlich die, dass Trump gar nicht so verrückt und dumm ist, wie er aussieht.

Vielleicht waren die Ausfälle der letzten Wochen kein Unfall. Vielleicht ist das alles Teil seiner neuen Strategie, diesem Wahnsinn, den er nie gewollt hatte, zu entkommen.

Denn wenn er nicht einfach nur „verrückt" ist, dann ist die einzige andere Erklärung dafür, dass er so zur Höchstform aufläuft und jeden Tag neue widerliche, rücksichtslose Aussagen vom Stapel lässt, die, dass er gezwungen sein wird, seinen Hut zu nehmen oder andere dafür verantwortlich machen kann, dass er zum Rücktritt gezwungen wurde.

Trump will kein Loser sein

Viele wähnen hier bereits ein baldiges Ende, denn sie wissen, dass Trump den Job wirklich nicht machen will. Und wichtiger noch, er kann und will in der Nacht des 8. Novembers nicht zum Verlierer erklärt werden, zu einem LOSER!

Glaubt mir, ich kenne den Typen. Ich habe schon mal einen Nachmittag mit ihm verbracht. Eher würde er die Clintons UND die Obamas zu seiner nächsten Hochzeit einladen, als dass er sich den Verlierer-Stempel aufdrücken lassen würde, wenn am 8. November die Wahllokale schließen und für die Donald Trump-Shit-Show endgültig der Vorrang fällt.

PS: Don, wenn du das hier liest, dann beeil dich. Bewahre deiner bemitleidenswerten Partei noch eine Chance, feg die Scherben zusammen und nominiere Ryan oder Romney. Dann können sie das Weiße Haus und den Senat verlieren und Jesus, The Notorious RBG (die Richterin Ruth Bader Ginsburg) und das Oberste Bundesgericht lobpreisen. Seid nicht zu hart zu euch selbst. Ihr seid der einzig logische Ausweg für eine Partei, die sich seit Jahrzehnten von Rassismus und Vorurteilen ernährt, und deren Trump(f)-Karte jetzt nicht mehr stechen kann.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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