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Die Höhle der Löwen: Wenn wir ein Investment bekommen hätten, wären wir wahrscheinlich gescheitert

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LWEN
dpa
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Ich war 2014 mit meinem Startup "Protero" in der ersten Staffel von "Die Höhle der Löwen". Wir haben kein Investment bekommen - und das ist auch gut so. Trotzdem spüren wir immer noch die Nachwirkungen der Show. Denn Jochen Schweizer spricht in Vorträgen über uns. Als Beispiel fürs Aufgeben und Scheitern.

Gegründet haben wir unser Startup 2014. Wir stellen natürliches Eiweißpulver aus irischer Weidemilch her. Das Unternehmen, auch wenn viele Leute von den Farmern bis zu Logistikpartnern an der Wertschöpfung beteiligt sind, besteht nur aus meinem besten Freund, meinem Bruder und mir.

Als wir uns entschlossen haben bei der Show mitzumachen, waren wir nicht unbedingt auf ein Investment aus. Die Löwen wollten sich dann auch nicht beteiligen. Ihrer Meinung nach war unser Unternehmen zum damaligen Zeitpunkt noch nicht so weit

Im Nachhinein sind wir auch ganz froh, dass wir keinen Investor an Bord haben. Mit einem Investment bekommt man nichts geschenkt, man hat nichts "gewonnen". Diesen Eindruck könnte man bei der Show schnell bekommen. Ein Investor gibt Zielgrößen vor, Meilensteine, die zu erreichen sind.

Mit einem Investment wären wir gescheitert

Daran angeknüpft sind oft fürs Überleben der Firma notwendige weitere Kapitalspritzen. Man "plant" in großen Dimensionen und geht damit auch große Risiken ein. Daran scheitern viele Startups, die ohne Investor kleine aber feine Unternehmen sein könnten. Mit denen nachhaltig der Lebensunterhalt der Gründer, deren Familien und vielleicht der für eine Handvoll weiterer Mitarbeiter erwirtschaftet werden kann.

Ich möchte wirklich für diese vielen kleinen Unternehmen eine Lanze brechen. Ich habe Gründer kennengelernt, die tolle Produkte herstellen, Gutes für die Umwelt oder für Mitmenschen tun. Aber weil sie kein hippes Startup mit großen Investorennamen sind bekommen sie kein Gehör. 

Mehr zum Thema: So geht es bei "Die Höhle der Löwen" hinter den Kulissen zu

Also was wäre passiert, wenn ein Löwe investiert hätte? Wir wären gescheitert! Denn wir mussten langsam wachsen, Dinge ausprobieren, lernen, an Reife gewinnen. Und wir hätten unser Leben sicherlich nicht so frei gestalten können. 

Wir wollten unser Unternehmen immer so gestalten, dass es sich nach unserem Privatleben und unseren Werten richtet und nicht andersherum. Wir gehen sehr familiär miteinander um. Wir arbeiten nicht mit Druck.

Es war gut, keinen Deal bei den Löwen bekommen zu haben

Manchmal arbeiten wir 60 Stunden die Woche, einfach weil es so spannend ist und uns packt. Manchmal auch nur 20 Stunden, weil man vielleicht gerade mehr Zeit mit der Familie oder Freunden verbringen will. Oder am Strand ... und manchmal arbeiten wir deshalb auch vom Strand aus. So habe ich dieses Jahr vier Monate lang auf Bali gelebt und einige Tage im 81. Stock in Hong Kong gearbeitet. 

Das geht, weil wir unsere Unternehmen ortsunabhängig aufgebaut haben. Alle physischen Prozesse, wie die Herstellung, sind ohnehin bei erfahrenen, spezialisierten Unternehmen besser aufgehoben. Wir bringen Hersteller und Konsumenten zu einander. Das ist unsere Aufgabe als Entrepreneur, wörtliche Bedeutung "Mittelsmann", im ganz klassischen Sinne.

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Im Nachhinein war es gut, damals keinen Deal bekommen zu haben und ich freue mich, dass Jochen Schweizer uns nicht vergessen hat. Aber ich wünschte mir, er hätte nochmal nach uns gegoogelt, bevor er seinen Vortrag geschrieben hat. Denn in diesem sagt er, wir seien seiner Aufforderung, nochmal bei der Show mitzumachen, nicht nachgekommen. Wir seien nicht dran geblieben.

Und er hinterlässt den Eindruck, als hätten wir aufgegeben. Und nennt uns als Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Dabei haben wir genau das Gegenteil von Aufgeben gemacht. Nur weil wir kein Investment bekommen haben, heißt das nicht, dass wir nicht erfolgreich sind.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Katharina Schneider.

Protero wurde im August 2014 gegründet. Das Unternehmen besteht aus Michael und Marcel Mallek sowei Samuel Weihrauch. Wenige Monate nach der Gründung war es profitabel. Protero hat über Hunderte Kunden, die schon mindestens zwei Mal etwas bestellt haben und wurde jetzt ins Startup-Programm von Amazon aufgenommen.

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