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"Merkel handelt global christlich und menschlich"

16/02/2016 08:59 CET | Aktualisiert 16/02/2017 11:12 CET
AFP via Getty Images

Ich war nie ein wirklicher Fan der CDU. Ihr Erscheinungsbild ist für mich oft zu konservativ oder unsozial. Gleichwohl versuche ich mir eine Meinung über einen Menschen unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit nur anhand seiner zum Ausdruck gebrachten Geisteshaltung zu bilden. Für mich gehört die Bundeskanzlerin zu jenen CDU-Mitgliedern, die das "C" im Parteinamen ernst nehmen.

Ohne selbst Teil einer Religion zu sein, bedeutet für mich "christlich" zu sein, "menschlich" zu sein. Auch wenn, wie bei vielen anderen Religionen, in der Geschichte der Menschheit der Glaube allein für eigene Interessen oder Kriege missbraucht wurde.

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Merkel gewissen- oder gedankenlos?

Das, was Deutschland und ganz besonders die vielen, vielen ehrenamtlichen Helfer in Sachen Flüchtlingshilfe leisten, ist außergewöhnlich. Man könnte nun den Standpunkt vertreten, dass uns die Bundeskanzlerin diese für viele Menschen spürbaren Mehrbelastungen - womöglich gewissen- oder gedankenlos - aufgebürdet hat. Meiner Meinung nach wäre dies aber nur halb gedacht.

Deutschland gehört zu den wirtschaftlich stärksten Nationen der Erde. Wie sieht es aus mit unserem Lebensstandard? Bei aller Arbeitslosigkeit und Armut, die es auch bei uns gibt, bei aller noch nicht perfekten Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, Arbeiter- oder Intelligenzkind und weiteren "Spielräumen nach oben" haben wir Wohlstand.

Die meisten von uns haben ein Dach über dem Kopf, täglich fließend, sogar warmes Wasser. Das sind alles selbstverständliche Dinge für die große Mehrheit von uns! Zudem wurde schon in Erwägung gezogen, dass Menschen aus anderen Ländern uns neben einem kulturellen Mehrwert auch arbeitstechnisch einen Benefit bringen könnten.

Unsere "westlichen Werte"

Ganz klar, spätestens nach den traurigen Fällen von sexueller Belästigung von und Diebstahl gegenüber Frauen in der Kölner Silvesternacht, sind wir gerade bezüglich kultureller Identität und Wirklichkeit höchst aufmerksam und vorsichtig geworden. Auch wenn wir unsere "westlichen Werte" nicht immer und überall auf der Welt zum alleinigen Maß der Dinge empor heben sollten, so haben wir doch ein Grundgesetz, um dessen Einhaltung es religionsunabhängig geht.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, ein Anspruch der sehr gerne weltweit Anklang finden sollte. Menschen, die schon mal in anderen Regionen der Welt waren, wissen aber auch oder ahnen es zumindest, dass Kultur etwas anderes sein kann als die Nötigung anderer Menschen. Das Potenzial eines interkulturellen Austausches zu hinterfragen oder gar mal selbst zu nutzen, könnte unseren Blick auf die uns zu oft als fremd erscheinenden Menschen aus fernen Ländern grundlegend ändern. Aus meiner Perspektive hat Angela Merkel Mut bewiesen.

Global christlich und menschlich

Sie hat nicht nur lokal, sondern auch global christlich, soll heißen menschlich gedacht und gehandelt. Und das gleich zweimal. Zuerst, als sie die deutschen Grenzen für die Flüchtlinge öffnete, und dann, als sie sich durch den signifikanten Druck ihrer Schwesterpartei CSU nicht erweichen ließ und "Obergrenzen" eine Absage erteilte.

National lauern die politische Gegner und die Medien. Die Zeitung, die zuerst die vermeintliche Schwäche der Bundeskanzlerin schwarz auf weiß abdruckt, könnte sich eine goldene Nase verdienen.

International, und wo, meine lieben Leserinnen und Leser, wo wollen wir uns hin entwickeln, zu den "Vereinigten Staaten des Planeten Erde" oder zu einem abgeschotteten Deutschland, das Hilfesuchende an seinen Grenzen abwehrt, zur Not mit Waffengewalt, wie kürzlich von der AfD ins Spiel gebracht, international also hat Frau Merkel enorme Beachtung und Wertschätzung sowohl von Regierungen als auch von Tausenden Menschen erhalten.

Zu Recht, wie ich denke!

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