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Von Wachhunden zu Hunden: Wie Medien zum Betrug wurden

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JOURNALISTS
Paul Bradbury via Getty Images
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Die Medien sind so voreingenommen, dass niemand mehr von ihnen erwartet, ehrlich zu berichten. Doch ohne Medienehrlichkeit verlieren wir den Kontakt mit der Realität.

Journalisten bezeichnen Medien gerne als einen "Wachhund der Demokratie". Laut Wikipedia befasst sich diese Art von Journalismus mit "Faktencheck von Beamten- und Politiker- Aussagen, Interviews mit Personen des öffentlichen Lebens", bzw. „fordert Letztere zu Problemen und wichtigen Angelegenheiten heraus".

Es handle sich um "investigativen Journalismus, der das Sammeln von Informationen zu einer Geschichte über einen längeren Zeitraum erfordert." Aber was uns die Medien versäumen zu erzählen ist, dass dieser Wachhund, wie jeder andere Hund auch, nur diejenigen schützt, die ihn füttern. Wenn Hillary weg ist, wird niemand ihr nachtrauern. Sie werden zu sehr damit beschäftigt sein, einen neuen Herrn zu finden, der sie füttert, einen neuen Gebieter, für den sie den "Wachhund" spielen können.

Die heutigen Medien sind so offensichtlich voreingenommen, dass sowieso niemand von ihnen ehrliche Berichterstattung erwartet.

Wenn die New York Times so stolz ihre Unterstützung für Hillary Clinton verkündet, wer würde da so leichtgläubig sein anzunehmen, dass ihre Berichterstattung wahrheitsgetreu, geschweige denn ausgeglichen ist? Oder wenn die Presse die Tatsache ignoriert, dass Präsident Obama in gutem Wissen Hillary Clintons ungeschützten Server genutzt hatte und anschließend darüber log, dann ist es kein "Faktencheck von Beamten- und Politikeraussagen" mehr, und kein Wachhund der Demokratie. Dies ist einfach ein Hund- loyal gegenüber seinem Herrchen.

Ein anderes Beispiel für Medienmanipulation des öffentlichen Interesses betrifft die Wirtschaft. Als die Wähler klar aussagten, dass ihre Hauptsorge dem Zustand der Wirtschaft gelte, indem kolossale 84% zugaben, dass sie "sehr wichtig für sie" sei, ignorierten die Medien das praktisch gänzlich. ABC gab zum Beispiel der Brangelina-Scheidung doppelt so viel Sendezeit wie der US-Wirtschaft. Offensichtlich schadet es (ABC) wirtschaftlich, über die Wirtschaft zu berichten, so dass sie die Trennung des berühmten Paares als Ablenkungsmanöver benutzten, um das Thema zu vermeiden. Es mag den Lesern das Gefühl gegeben haben, als lebten sie in Hollywood, doch die Probleme, die ihr Leben wirklich tief beeinflussen, blieben nicht angesprochen.

Und was für die Innenpolitik und die Wirtschaft gilt, gilt genauso für die Außenpolitik. Als CNN berichtete, Israel erwäge "neue Sicherheitsmaßnahmen inmitten anhaltender Gewalt", also angesichts einer Flut von Messerstechereien, Schießereien und in Menschenmengen gesteuerter Autos, versäumte es zu erwähnen, dass in all diesen Fällen die Täter Palästinenser waren, und ihre Opfer - jüdische Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder allen Alters.

Leben in einer Seifenblase

Das Problem mit der voreingenommenen Berichterstattung ist, dass sie uns von der Wirklichkeit loslöst. Wir sprechen häufig von finanziellen Blasen, aber wir vergessen, dass wir selbst in einer solchen leben, kreiert von den Medien. Die heutigen Reporter werden nicht nach ihrer Integrität oder Professionalität beurteilt (oder eingestellt), sondern nach ihrer Fähigkeit, die Sichtweisen und die Gefühle ihrer Leser zu manipulieren. Sie berichten weniger über Ereignisse, sondern "verkaufen" vielmehr eine Sicht auf Ereignisse, die ihre Chefredakteure und Eigentümer hervorheben wollen. Für die Presse von heute ist die eigentliche Wahrheit wertlos.

Die Demokratie gibt vor, jedermann die Möglichkeit zu geben, sich frei auszudrücken. Sie gibt vor, die Redefreiheit zu schützen, während in Wirklichkeit die herrschende Elite - die Geschäftszulassungen gewährt und alles reguliert - die Medien nur diejenigen Standpunkte präsentieren lässt, die ihren Interessen dienen. Es kann nicht anders sein in einer Regierung, deren Vertreter von der Festigung des eigenen Anspruchs getrieben sind.

Wenn die Medien wahrheitsgetreu berichten würden, würden wir begreifen, dass unsere Lage viel schlimmer ist als wir denken. Wir würden bemerken, dass wir im Kreis laufen und nirgendwo ankommen. Während wir uns selbst damit auf Trab halten, ständig nach dem nächsten unmittelbaren Genuss zu suchen, übersehen wir die Tatsache, dass wir seit Jahrzehnten im sozialen und wirtschaftlichen Abstieg begriffen sind. Wir haben einmal davon geträumt, mit der Familie in einem schönen Vorortshäuschen mit weißem Gartenzaun und einem Auto in der Garage zu leben. Heute hoffen die meisten Amerikaner ganz einfach, dass es ihren Kindern möglich sein wird, ihren Lebensunterhalt in einer zunehmend gewalttätigen und feindlichen Welt zu bestreiten.

Die Suche nach der mittleren Linie

Jetzt lernen die Menschen endlich, der Presse zu misstrauen, und suchen nach der Wahrheit. Meiner Meinung jedoch werden die Menschen sie nicht finden, denn die Journalisten wissen selbst nicht, was die Wahrheit ist. Die Wahrheit ist, wie jeder Wissenschaftler bestätigen wird, und wie ich es von meinen Lehrern - Baal Ha Sulam und Rabash - gelernt habe, der Weg der Vereinigung. Man kann nur Recht haben, wenn man beide Seiten eines Problems einschließt und erklärt, wie sie ineinander aufgehen.

Interessanterweise nennen wir dies in der Kabbalah das "Drei-Linien-Modell", welches die „linke Linie", die „rechte Linie" und die aus ihnen resultierende „Mittellinie" beinhaltet. Nur wenn man beide, die rechte und die linke Linie einschließt, kann man die Mittellinie erschaffen, und sie wird die wahrhaftige sein.

Aufrichtiger Journalismus kann nur dort auftreten, wo sich die beiden Linien in der Mitte treffen.

Eine Transformation dieser Größenordnung kann nicht über Nacht geschehen, aber ein Erwachen findet bereits statt. Jenseits der prahlerischen Demagogie hat Trump einige beunruhigende Wahrheiten über die amerikanische Gesellschaft aufgedeckt. Statt dass die Presse sie schnell unter den Teppich kehrt, wie sie es immer mit unangenehmen Wahrheiten tut, sollte sie diese öffentlich darlegen und offen über sie sprechen. Dies sollte nicht geschehen, um zu beweisen, dass einer recht hat und der andere nicht, sondern, um eine Vereinigung über den Problemen zu erschaffen. Schwierigkeiten sollten so behandelt werden, wie es in einer liebevollen Familie geschieht. Auf ganz natürliche Weise wird die ganze Familie gemeinsam nach einer Lösung suchen. Jedes Familienmitglied wird einen anderen Blickwinkel präsentieren, und die gefundene Lösung wird nicht die vollständige Annahme einer der präsentierten Sichtweisen sein, sondern sie wird auf natürliche Weise entstehen, wenn die Familienmitglieder ihre Gedanken miteinander teilen und als eine Einheit statt als Konfliktparteien nach Antworten suchen.

Wenn wir die Natur beobachten, ist es einfach zu sehen, wie wiederstreitende Kräfte Harmonie erzeugen. Das Nehmen und das Geben im Tierreich sind sehr offensichtlich. Harmonie wird geschaffen, wenn Geben und Nehmen zu einem Ergebnis führen, das wir als "Leben" bezeichnen. In der menschlichen Gesellschaft fehlt uns jedoch das Element des Gebens. Wir werden ausschließlich durch unser Verlangen zu empfangen angetrieben. Um zur Mittellinie zu gelangen, müssen wir lernen, wie wir uns über unsere Egos erheben und uns mit anderen verbinden, genau wie im Sinnbild der Familie. Die Medien, die bislang nur den egoistischen Teil unserer Natur unterstützt haben, müssen sich nun selbst auf die Stufe eines wahren Wegweisers erheben. Sie müssen die Mittellinie einführen: die korrekte Fusion beider Seiten der menschlichen Natur.

Einführung in die Erziehung zur Verbindung

Aber wir sollten uns nicht allein auf die Medien verlassen, um unsere Gesellschaft zu reformieren. Jahrzehntelang haben wir uns nicht um die Erziehung unserer Kinder gekümmert und sie dem Fernsehen und dem Internet überlassen. Als Folge davon spiegeln heutige Kinder wider, was sie seit der frühen Kindheit aufgenommen haben - Gewalt, Betrug und Missbrauch.

Deswegen muss auch die Erziehung eine Reform erfahren. Sie muss beginnen, anstelle von bloßer Information Werte zu vermitteln. Sie muss Zeit dafür einräumen, Kinder zu lehren, positive zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Wenn wir die Schule verlassen und auf eine Universität oder auf den Arbeitsmarkt kommen, haben wir vielleicht Information erworben, sind aber völlig unwissend in Bezug auf den Aufbau gesunder menschlicher Beziehungen. Und doch ist es unmöglich, einen Job zu behalten, eine Familie aufrecht zu erhalten oder einfach nur anhaltende Freundschaften zu unterhalten, wenn wir keine positiven Verbindungen mit anderen Menschen aufbauen können. Unsere Schule lassen das entscheidendste Element des erwachsenen Lebens außen vor: unsere Verbindung mit anderen.

Der Wandel unserer Prioritäten muss in der Grundschule ansetzen und sich in den späteren Schuljahren, im Abitur über die universitäre Bildung bis in den Arbeitsmarkt hinein fortsetzen. Es ist ein lebenslanger Lernprozess, aber es ist einer, dessen Früchte wir sofort und kontinuierlich ernten werden.

In meinem Buch, Selbstinteresse vs. Altruismus in der Globalen Ära, habe ich die Möglichkeit der Umwandlung der Gesellschaft durch prosoziale Erziehung näher ausgeführt. Indem wir die "rechte Linie", die positive Seite der Natur zu unserem Vorteil nutzen, können wir unsere Gesellschaft ins Gleichgewicht bringen. Diese Kraft kann uns über die schmutzige öffentliche Debatte, verursacht durch die "freie" Presse, erheben und in eine Welt von wechselseitigem Verstehens und Sorge füreinander einführen.

Ob es uns gefällt oder nicht, die roten und die blauen Staaten befinden sich in einem Staat. Aber damit Amerika wieder zur Blüte gelangt, muss es zu einer Nation werden. Nur durch die Verschmelzung von links und rechts zu einer Mittellinie, die über allen Unterschieden zur Vereinigung führt, wird Amerika „wieder groß" werden.

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