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Der Tod Michael Browns veränderte die USA

17/08/2015 17:53 CEST | Aktualisiert 17/08/2016 11:12 CEST
ullstein bild via Getty Images

Ein Jahr, nachdem der unbewaffnete 18-Jährige Michael Brown durch einen Polizisten in Ferguson, Missouri, erschossen wurde, befindet sich die Stadt erneut in Aufruhr.

Seit Browns Tötung im letzten Jahr ist sehr vieles geschehen. Das heutige Amerika ist nicht mehr das, was es ein Jahr zuvor war. Browns Tod und die kontroverse Entscheidung, den Schützen, Polizist Darren Wilson, nicht anzuklagen, hat eine Welle der Proteste und der Wut im ganzen Land entfacht und Klüfte zwischen verschiedenen Teilen der Nation freigelegt.

Wachsende Verbitterung

Die wachsende Verbitterung um den Unterschied zwischen der Polizeibehandlung von Schwarzen und der von Weißen in vielen Gemeinden, die Debatte rund um die Konföderierten-Flagge in Charlotte, SC, das Blutbad in der Charleston Kirche, NC, verübt durch den weißen Suprematisten, Dylann Roof, die aufkeimende Debatte rund um das Wahlrechtsgesetz: diese und andere Anlässe haben die Klüfte in der amerikanischen Gesellschaft hervorgehoben. Diese Klüfte sind immer da gewesen, aber sie scheinen ausgerechnet zu einer Zeit zu wachsen, wenn man eigentlich erwarten würde, dass sie allmählich verschwinden.

Vergangene Woche haben die Behörden aufgrund von andauernden gewaltsamen Protesten anlässlich des Jahrestages von Browns Tod erneut einen Ausnahmezustand in Ferguson verhängt. Doch begann der Ausnahmezustand nicht an diesem Jahrestag; er besteht dort seit Jahren und erfordert eine viel tiefere Behandlung als einen Aufmarsch von Truppen der Nationalgarde.

„Transformation"

Wie alle Krisen weisen Notzustände auf tiefgründige laufende Veränderungen hin, derer wir uns entweder nicht bewusst sind oder die wir nicht wahrhaben wollen. Im gegenwärtigen Notzustand sollte die Veränderung geradezu als „Transformation" bezeichnet werden.

Die amerikanische Gesellschaft durchläuft derzeit eine dramatische Veränderung. Während immer mehrer ethnische Gruppen Macht erlangen und Selbstbestimmung fordern, intensivieren sich soziale Spannungen und Feindseligkeiten.

Das Recht auf Selbstbestimmung ist eines der Fundamente der amerikanischen Gesellschaft, beinahe soweit, dass wir es als selbstverständlich ansehen. Was passiert aber, wenn die Selbstbestimmung einer Person die Ausweisung aus der Gesellschaft oder sogar die Zerstörung eines anderen zur Folge hat? Der Fall von Dylann Roof demonstriert, wie gefährlich dies sein kann.

Veränderung in den Einstellungen der Menschen

Darüber hinaus findet die Veränderung in den Einstellungen der Menschen nicht nur in den USA statt. Es ist, als wandle sich gerade die gesamte menschliche Natur in etwas Neues um. In der ganzen Welt wachsen die Menschen so individualistisch auf, dass treue Verbündete zu erbitterten Gegnern werden, wie das Beispiel von Russland und der Ukraine zeigt.

Rechte, die wir alle als gegeben annehmen wie das Recht zu wählen, werden hinterfragt, als befänden wir uns noch einmal im Jahre 1861. Diese Beispiele sind nicht unzusammenhängend; sie repräsentieren verschiedene Manifestationen des gleichen Trends: Selbstbezogenheit und Ablehnung anderer.

Wenn dieser globale Trend andauert, dann wird es keine Überraschung sein, nicht nur die Europäische Union zerbröckeln zu sehen: Nationalstaaten könnten von den eigenen Bürgern von innen zerstückelt werden.

Die Schweiz beispielsweise könnte sich in vier unabhängige Länder aufteilen, Belgien würde zu zwei Ländern werden und andere ethnisch heterogene Staaten könnten einen ähnlichen Prozess durchlaufen.

Trend der Entfremdung

Sogar die Vereinigten Staaten mit ihrer mächtigen zentralen Regierung sind nicht immun gegen diesen Trend. Auch die USA könnten in internen Konflikten verschlungen werden - Keime dafür haben wir bereits vor kurzer Zeit in Texas und South Carolina gesehen. Dies muss nicht unbedingt morgen oder übermorgen geschehen, aber der Trend der Entfremdung ist auf vielen Stufen sehr besorgniserregend.

Mit zunehmender Entwicklung von Nanotechnologie wird die lokale Produktion und sogar die Eigenproduktion zunehmend zugänglich und erschwinglich, und die Roboter-Gesellschaft ist bereits Realität geworden.

Narzisstische Neigung

Gekoppelt mit der intensivierenden narzisstischen Neigung könnte dies den Niedergang der Gesellschaft, wie wir sie kennen, bedeuten. Dies mag in manchen Augen nicht so unerwünscht erscheinen, allerdings wird das ohne einen geeigneten Ersatz katastrophal.

Dieser Trend ist die Ursache dafür, warum ich die Methode, die ich mit dem jüngst verstorbenen Professor Anatoly Ulianov entwickelte, „Integrale Erziehung" nannte: diese Methode hat zum Ziel, uns zu helfen, uns ein integrales Denken anzueignen.

Sie bietet einen ausführlichen und umfassenden Ansatz, der uns eine Alternative zur steigenden Selbstbezogenheit offenlegt. Bei der Anwendung dieser Methode haben wir gesehen, dass Menschen ihr Denken verändern können und wahrlich begreifen können, dass ihr persönlicher Gewinn eng mit dem Gewinn ihrer Gemeinschaft, ihres Landes und letztlich der Welt verbunden ist.

Wir haben diese Methode mit großem Erfolg in den vergangenen fünf Jahren in den USA, in Europa, Israel und sogar Australien umgesetzt. Die Rückmeldung, die wir erhielten, zeigt, dass Menschen begreifen, dass die „Ich zuerst"-Kultur, die wir kultiviert haben, nicht länger nachhaltig ist und eine Veränderung vonnöten ist.

2015-08-17-1439787985-6608731-circlenystateofemergency.jpg Integrale Erziehung Workshop, New York, Juli 2015.

Die Integrale Erziehung allein wird nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Nur wenn alle mitwirken und zu einer Veränderung in unserer Wahrnehmung und unseren Gesellschaften beitragen, werden wir dazu in der Lage sein, eine dauerhafte Transformation zu vollbringen.

Waffen im Haus

Wir müssen uns selbst umerziehen und begreifen, dass wir nur dann überlebensfähige Gesellschaften bilden können, wenn wir uns verbinden. Außerdem wird die Verbundenheit eine Garantie für unsere persönliche Sicherheit und unserer Wohlbefinden sein.

In der heutigen Realität kann man zehn verschiedene Waffen im Haus gelagert haben, aber weiterhin verwundbar bleiben. Nur wenn wir gegenseitige Verantwortung entwickeln, werden wir sicherstellen, dass wir alle gesund und munter sind.

Ein Organismus aus verschiedenen Organen

Genauso wie jeder Organismus aus verschiedenen Organen besteht, die dem gemeinsamen Ziel verbunden sind, den Gesamtorganismus am Leben zu erhalten, wird sich die ganze Menschheit im gemeinsamen Ziel, uns selbst und unsere Umwelt am Leben zu halten, verbinden müssen. Es mag unmöglich erscheinen, aber wenn wir die anderen Möglichkeiten betrachten, klingt die Verbindung ziemlich ansprechend.

Dies bedeutet nicht, dass wir alle gleich sein müssen. Die Organe in unserem Körper sind sehr unterschiedlich, und doch sind alle miteinander verbunden wie im obigen Beispiel. Unser Ziel, für das Wohl der Menschheit zu arbeiten, muss daher allen gemein sein, oder wir werden weder als eine Spezies überleben noch als Individuen.

Wenn wir uns allerdings vereinigen und uns selbst diesbezüglich erziehen, werden wir dazu in der Lage sein, unsere Egos zu überwinden.


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