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Liebe Made in Israel

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LOVE
Dougal Waters via Getty Images
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Normalerweise denken wir bei Tu B'Av (der 15. Tag im hebräischen Monat Av), an einen Tag für Heiratsanträge und Romantik. Es ist im Grunde genommen die jüdische Version des Valentinstages. Die traurige und doch freudige Geschichte dahinter, macht diesen Tag jedoch noch spezieller. Macht euch bereit für eine unerwartete Lektion in Sachen Liebe.

Das Ende des Buches der Richter beschreibt ein einzigartiges Drama. Ein Levite kehrte mit einer Konkubine zurück nach Hause. Nach Einbruch der Dunkelheit, konnten sie nicht weiterreisen und suchten Einkehr in einer Stadt die dem Stamm Benjamins gehörte. Ein alter Mann bot ihnen Unterkunft und Verpflegung an, in der Nacht jedoch stürmten die niederträchtigen Leute der Stadt, das Haus.

Sie nahmen die Konkubine an sich und misshandelten sie die ganze Nacht. Beim Morgengrauen ließen sie sie gehen; sie kam zurück zum Haus des alten Mannes, doch schaffte es nicht mehr hinein. Sie brach bei der Tür zusammen und starb.

Der Levite, dem sehr viel an seiner Konkubine lag, zerteilte ihren Körper in zwölf Stücke und sandte jedes Teil zu einem anderen Stamm in Israel. Das Volk Israels was schockiert über die Verbrechen, die von dem Stamm Benjamin ausgeübt wurden und erklärten dem gesamten Stamm den Krieg.

In den blutigen Bürgerkrieg der dadurch losgetreten ist, wurde der Stamm Benjamins geschlagen und beinahe ausgerottet. Da es allerdings heißt, dass „Wenn ein Stamm Israels ausgerottet wird, so wird ganz Israel von der Welt vertilgt" (Masechet Sotah), musste Israel nun eine Lösung finden, den Stamm aufrecht zu erhalten.

Am 15. Av erlaubten sie den Männern des Stammes Benjamin sich Frauen aus der Stadt Schilo zu nehmen: „ Geht hin und legt euch in den Weinbergen dort auf die Lauer! Wenn ihr dann seht, wie die Töchter Schilos herauskommen, um im Reigen zu tanzen, dann kommt aus den Weinbergen hervor und jeder von euch soll sich von den Töchtern Schilos eine Frau rauben. Dann geht heim ins Land Benjamin!" (Richter, 21:20-21)

Der 15. Av - Ein Symbol der Bruderliebe

Die Geschichte von der Konkubine des Leviten, wurde zu einem Symbol der Versöhnung, Einheit und Liebe in Israel. Es wurde gesagt (Tifferet Schlomo), „Es gab keinen besseren Tag für Israel als den 15. Av- ein Tag an dem es den Stämmen erlaubt war sich zu vermischen und das Gute eines jeden Einzelnen seinem Freund zu übermitteln."

Es sind nun beinahe dreitausend Jahre seitdem sich diese Geschichte abgespielt hat, doch das Volk Israels ist immer noch gespalten. Wir werden durch Kultur, Ideologie und Ethnie getrennt. Seit diesem Tag hat sich die Trennung verstärkt und der Hass zwischen uns ist nur gewachsen. Gibt es wirklich nichts, dass uns verbinden kann, oder wenigstens Frieden zwischen uns stiften kann?

Die zwei Kräfte des Lebens

Die Weisheit der Kabbala beschreibt zwei Kräfte, die in der Natur, so wie auch zwischen und Menschen, agieren: Liebe und Hass. Unsere angeborene, selbstzentrierte Natur ist die dominante, andauernd wachsende negative Kraft. Sie verursacht, dass wir unachtsam und streitsüchtig sind und führt uns dadurch überall zu Konflikten.

Sogar wenn wir fühlen jemanden zu lieben, lieben wir eigentlich das Gefühl, das uns diese Person gibt. Daraus resultiert, dass wir in dem Moment aufhören zu lieben, in dem wir keinen Genuss mehr von der Beziehung erhalten, also in Wahrheit war von Anfang an keine Liebe vorhanden.

Jemanden anderen wahrhaftig zu lieben bedeutet daher zu wollen, dass er glücklich ist und dieser anderen Person geben zu wollen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" ist buchstäblich zu verstehen: So sehr wie du dich selbst liebst, sollst du den anderen lieben. Es ist ähnlich einer Mutter, die sich instinktiv um ihr Kind sorgt und dessen Glück ihr wichtiger ist als ihr eigenes, doch ohne der Blutsverwandtschaft. Also was sollten wir tun, wenn Hass erweckt wird, so wie in der Geschichte des Leviten und seiner Konkubine?

Eine Lehrstunde in Sachen Liebe

Die Weisheit der Kabbala negiert Hass nicht. Im Gegenteil, sie erfordert ihn. Die Kabbala sagt, dass wahre Liebe kann nur gebildet werden, wenn Hass und Liebe einander ergänzen, so wie positive und negative Pole. Am Ende jedoch muss Liebe herrschen, wie es geschrieben steht „Liebe überdeckt alle Verbrechen" (Sprüche, 10:12)

Auf jeder Stufe unseres Lebens, zeigt das Ego eine neue Schicht von sich. Dies zeigt sich in Gefühlen von Isolation, Ablehnung, Entfremdung und Hass gegen andere. Wir dürfen Hass nicht verschleiern; Es ist ein organischer Teil der Schöpfung.

Unsere Weisen sagten (Masechet Kidushin) „Ich habe den Bösen Trieb geschaffen; Ich habe die Thora geschaffen, als ein Gewürz dafür", die bedeutet, dass es das Licht ist, welches unseren Hass nicht Liebe bedeckt. Das einzige, was wir tun müssen ist, nach Einheit zu streben und dadurch die Thora zu erwecken, die positive Kraft, die uns mit der Liebe verbindet. Die Kraft neutralisiert den Hass und schafft Balance, Ruhe und Frieden.

Je mehr wir uns anstrengen uns mit einander zu verbinden, desto mehr werden wir die Macht der Liebe erwecken, die uns vereinen wird, bis wir zu „einem Mann mit einem Herzen werden". Über unserem Verbrechen des Hasses, bauen wir ein solides und währendes Gebilde der Liebe. Der Zustand der Liebe ist das ultimative Ziel unserer Entwicklung.

Es ist nicht ein temporärer Zustand, sondern vielmehr ein natürliches Gesetz der Natur, welches das ganze Realität zusammenhält und nur darauf wartet, dass wir die ganze Realität zu einem vollständigen System vereinen.

Zwischen diesen beiden Kräften am Fundament unserer Beziehungen- Hass uns Liebe- werden wir eine höhere Dimension des Daseins entdecken, eine höhere Welt, wo, wenn du so möchtest, Liebe, Ewigkeit und Verbindung herrschen. Dann werden wir in der Lage sein die Realität durch andere hindurch zu fühlen und unsere Wahrnehmungen werden sich verbreiten und unsere Sicht auf die Welt wird unendliche Tiefen erreichen.

Von den Aschen des Ruins hin zum Fest der Liebe

Tu B'Av (der 15. Av) symbolisiert die Bruderliebe, die die zerstrittenen Stämme Israels zwischen einander manifestiert haben. Es ist nur einer Woche nach dem 9. Av, welche den grundlosen Hass symbolisiert, welche die Zerstörung des Tempels verursacht hat. In gewissem Sinne ist der 15. Av eine Wiedergutmachung des 9. Av, uns er bestätigt, dass, wenn Hass erscheint, ist dies eine Möglichkeit ihn mit mehr und mehr Liebe zu bedecken. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" ist das allumfassende Gesetz der Thora. Während nun heutzutage die ganze Welt unter grundlosem Hass leidet, lasst uns den unsrigen mit Liebe überdecken und die höhere Existenz von Liebe, Ewigkeit und Verbindung entdecken.

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