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ISIS droht Israel, wen kümmert es?

09/01/2016 13:39 CET | Aktualisiert 09/01/2017 11:12 CET
IS Propaganda

Vor einigen Tagen wandte sich der ISIS-Chef Abu Bakr Al-Baghdadi mit seinen Todesdrohungen endlich gegen Israel. Warum endlich? Es wurde schon seit geraumer Zeit erwartet. Im Krieg gegen ISIS ist Israel nicht wie die anderen Staaten.

Die anderen Staaten werden als Opfer des radikalen Islams wahrgenommen. Israel wird als die Ursache für dessen Entstehung wahrgenommen.

Aus diesem Grund stößt die Welt eher einen Seufzer der Erleichterung als einen Seufzer der Besorgnis aus, wenn ISIS die Augen auf Israel richtet. Zum Glück ist Israel auch der einzige Staat, der ISIS einen tödlichen Schlag versetzen kann.

Am 26. Dezember veröffentlichte der ISIS-Chef Abu Bakr Al-Baghdadi eine Nachricht und ein Video eines Hebräisch sprechenden dschihadistischen Kämpfers, der davor warnt, dass die Dschihadisten bald kommen, Israel erobern und die Juden schlachten würden.

Ich bezweifle, dass es irgendjemanden überrascht hat.

Europas größte gegenwärtige Angst gilt dem radikalen Islam, und viele Europäer bekunden öffentlich ihre Ansicht, dass Israel die Schuld für ihre Probleme trägt.

Schwedens Außenministerin Margot Wallstrom stellte eine Verbindung zwischen dem Blutbad in Paris am 13. November und Israels Handhabung des Gaza-Streifens her, und so hat es auch der holländische Leiter der Sozialistischen Partei, Jan Marijnissen, getan.

In Deutschland bezichtigte der Oberbürgermeister von Jena, Albrecht Schröter, Israel der Verantwortung für die syrische Flüchtlingskrise und forderte den deutschen Außenminister dazu auf, weniger Zurückhaltung gegenüber dem Jüdischen Staat zu üben. Auch in Griechenland gaben bestimmte Anmerkungen im griechischen Parlament griechischen und amerikanischen Juden die Schuld für die erbitterte Finanzkrise des Landes.

Das möglicherweise bemerkenswerteste Beispiel der globalen Einstellung gegenüber Israel ist die extrem einseitige Berichterstattung durch die Medien über die jüngste Terrorwelle in Israel. Wiederholt werden die Terroristen als „Angreifer", aber nicht als „Terroristen" bezeichnet.

Oftmals enthält die Anzahl der Opfer auch die Terroristen selbst und die Medien „vergessen" zu erwähnen, dass die Angreifer palästinensische Araber und die Opfer - israelische jüdische Zivilisten waren.

Stellen Sie sich den öffentlichen Aufschrei vor, wenn eine seriöse Zeitung über das Massaker in San Bernardino mit dieser Schlagzeile berichtet hätte: „16 Menschen sterben bei Schießerei in San Bernardino, Kalifornien." Oder im traditionellen antizionistischen Medienstil: „Polizei erschießt zwei Menschen in San Bernardino, Kalifornien. 14 Weitere sind ebenfalls betroffen."

Dies ist kein Spott über die Opfer dieser terroristischen Tat; es ist lediglich eine Darstellung der verzerrenden Art, in der internationale Medien die Terroranschläge in Israel beleuchten, nur auf einen anderen Vorfall in einem anderen Land angewandt.

Ich werde nicht einmal mehr versuchen zu zeigen, wie verzerrt die Einstellung der UN gegenüber Israel ist. Die UNO tut nichts weiter, als Israel schlecht zu machen und es als Verbrecher Nr. 1 der Welt zu bezeichnen, schuldig für alle denkbaren Verbrechen, von Völkermord bis zu Frauenrechten (laut der UN behandelt Israel Frauen schlechter als Iran, Syrien und andere Länder in der Welt, wirklich!).

Kurzum könnten wir die Vereinten Nationen als eine Gemeinschaft von Völkern beschreiben, die sich untereinander entweder aktiv, finanziell oder diplomatisch bekämpfen, und die sich nur in ihrer Verachtung und Verurteilung Israels zusammenschließen.

In Anbetracht dieser Tatsache und in Anbetracht dessen, was ich im Folgenden schreiben werde, kann man mit beträchtlicher Sicherheit sagen, dass welche Tragödie auch immer in der Welt morgen geschehen wird, die Juden dafür beschuldigt werden, und in erster Linie Israel.

Allerdings bin ich die letzte Person, die behauptet, dass Antisemiten umnachtet seien. Einige sind es gewiss, aber viele andere sind gebildete Menschen.

Angesehene Collegeprofessoren und Intellektuelle in ganz USA machen Israel schlecht. Warum werden ansonsten sensible und vorurteilsfreie Menschen zu nahezu blinden Fanatikern, wenn das Wort „Israel" fällt? Offensichtlich hat der Verstand nichts damit zu tun.

Hier geht es um das Gefühl, ein Empfinden, das direkt aus dem Bauch kommt und ihnen sagt, dass sie Recht haben, wenn sie Israel und die Juden für alles beschuldigen, auch wenn sie es logisch nicht erklären können.

Ich denke nicht, dass sie Recht haben; Juden sind keine geborenen Mörder. Jede Statistik in der Welt beweist es.

Juden spenden pro Kopf mit großem Abstand mehr als jede andere ethnische Gruppe - und das aus zahlreichen Gründen, wenn auch die meisten davon nichts mit der Religion zu tun haben. Jüdische Volontäre und Israel helfen mehr als jedes andere Land, wenn sich eine Naturkatastrophe ereignet.

Bei dem Erdbeben in Nepal am 25. April war die israelische Delegation des ärztlichen Personals nicht nur die größte, engagierteste und am besten ausgestattete, sondern auch fast dreimal größer als die zweitgrößte Delegation, das ärztliche Personal aus Taiwan.

Um herauszufinden, warum uns jeder für alles beschuldigt, von ISIS bis zu Ebola, müssen wir in unseren Wurzeln nachforschen. Unsere eigenen Quellen sagen uns immer und immer wieder, dass unsere Stärke in unserer Einheit liegt.

Außerdem wird uns überall, von der Gemara über das Buch Sohar und bis hin zu einer ganzen Reihe von großen jüdischen Gelehrten und religiösen und säkularen Juden gleichermaßen gesagt, dass wir in dem Sinne auserwählt sind, dass wir das Licht der Einheit auf die Welt projizieren müssen.

Die Goldene Regel, von der Mark Twain in seinem monumentalen Essay „Über die Juden" sprach, ist keine andere als „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Wir wurden nicht damit betraut, um sie für uns zu behalten, sondern um sie mit der Welt zu teilen. Nur darin sind wir das auserwählte Volk und in nichts anderem.

Laut unseren Weisen, wie beispielsweise Rabbi Moshe Chaim Ephraim aus Sudilkov, Rabbi Nachman von Brazlaw, Rabbi Nathan Sternhartz, Rabbi Yehuda Ashlag, dem Buch Sohar und vielen anderen Quellen, kommt das Wort „Israel" vom hebräischen Wort „Li Rosh („mein Kopf" oder „mir gehört der Kopf"). Sie erklären, dass die gesamte Menschheit ein einzelnes System und Israel dessen Rosh (Kopf) ist.

Das mag herablassend und überheblich klingen, aber dem auffallend extrem hohen Standard nach zu urteilen, nach dem die Nationen uns beurteilen, ist es offensichtlich, dass sie von uns das erwarten, was sie von keiner anderen Nation erwarten. Wohl oder übel macht uns dies zur Führungskraft, die anhand des eigenen Beispiels führt, oder in einem Wort, zum Rosh.

So wie der Kopf in unserem Körper denkt und der Körper physische Handlungen ausführt, so führt die Welt unbewusst aus, was Israel denkt.

Es ist äußerst wichtig, diesen Punkt zu verstehen- wenn Juden der Kopf sind, dann gilt, dass ihre schlechten Gedanken über andere Juden in Form von schlechten Taten zwischen den Nationen zutage treten. Wir fühlen es nicht, aber die Nationen beschuldigen uns dennoch für alles, was in ihren Leben falsch ist, weil sie fühlen (!), dass wir die Ursache dafür sind.

Natürlich können sie nicht sagen, auf welche Art und Weise wir es verursachen, oder auf ein spezifisches Handeln von uns hindeuten, weil wir gar nichts machen-wir denken es! Als Individuen sind wir nicht schlimmer als jede andere zivilisierte Nation. Unser einziges Problem ist unsere Verbindung, unsere Haltung gegenüber den Mitmenschen unseres Stammes.

Dennoch ist es nicht genug, so zu sein wie jeder andere. Es wird die Welt einfach nicht beruhigen. Wir müssen eine beispielhafte Verbindungen zwischen uns entwickeln und präsentieren, eine, die die Welt inspirieren wird.

Jetzt können wir den Ernst des Grundsatzes „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" verstehen. Aus diesem Grund ist es das allgemeine Gesetz der Thora, eines, das, wie RASHI uns lehrt, alle Gesetze umschließt.

Wir können die Verbindungen zwischen uns ändern. Wir können uns selbst beibringen, füreinander zu sorgen, und auf diesem Wege das Schicksal der Welt verändern.

Haben Sie jemals etwas Gutes für jemand anderen getan, nicht aus Schmeichelei, sondern weil Sie fühlten, dass es das Richtige war? Haben sie zum Beispiel schon einmal einem fremden Kind geholfen, die Straße zu überqueren? Was haben sie danach gegenüber dem Kind empfunden? Was haben sie davor empfunden? Oder haben sie jemals einem Fremden dabei geholfen, ein schweres Möbelstück nach oben in seine Wohnung zu tragen? Welches Gefühl haben Sie ihm gegenüber bekommen?

Wir verändern unsere Verbindungen durch unser Handeln. Da wir darüber hinaus der Rosh sind, werden die menschlichen Verbindungen im ganzen Menschheitssystem umgewandelt, wenn die Verbindungen zwischen uns grundlegend zum Besseren gewandelt werden.

Auf diesem Weg können wir die Gewalt in der ganzen Welt drastisch verringern und letztendlich beseitigen, einschließlich solcher extremen Elemente wie ISIS. So wie die Welt uns jetzt für die Existenz von ISIS beschuldigt, so wird die Welt uns dann für die Schaffung der Schönheit und der Liebe loben, wenn wir unsere Verbindungen wieder in Stand setzen.

Zusammenfassend lässt sich Folgendes sagen: je eher wir damit beginnen, einander Gutes zu tun, desto eher werden wir unsere Gefühle füreinander umwandeln und desto eher wird die Welt ihren Zorn dämpfen.

Wenn dies geschieht, dann werden die Krisen enden und der Antisemitismus verschwinden. Es ist die unerbittliche Struktur der Realität. Je eher wir damit beginnen, desto besser für uns alle.

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