BLOG

Hassverbrechen in Israel

15/08/2015 12:46 CEST | Aktualisiert 15/08/2016 11:12 CEST
JAAFAR ASHTIYEH via Getty Images

Die jüngsten Hassverbrechen, verübt von israelischen Juden gegen Juden und Araber, haben eine blutende Wunde in der israelischen Gesellschaft geöffnet. Es ist nicht das erste Mal, dass Israelis solche Verbrechen gegen Juden und Araber begehen.

Im Jahre 1983 wurde Friedensaktivist, Emil Grunzweig, ermordet, als eine Handgranate in eine Friedenskundgebung in Jerusalem geworfen wurde, an der er teilnahm.

Wir erinnern uns alle an das tödliche Attentat von 1995 auf den Premierminister, Itzhak Rabin, durch den israelischen Ultra-Nationalisten, Jigal Amir.

Dennoch scheinen die jüngsten Mordtaten unheimlicher und kennzeichnender für unseren Staat als Gesellschaft zu sein. Manche sagen, dass wir uns selbst nicht so hart beurteilen sollten, da sich unsere arabischen Nachbarstaaten und andere Nationen weitaus schlimmer verhalten, als wir es tun.

Tatsächlich, wenn man die Art und Weise betrachtet, wie Syrer, Iraker, Ägypter und andere arabische Länder einander behandeln, sich gegenseitig erschießen, verbrennen und vergasen, könnte man meinen, dass diese Stimmen recht haben.

Es reicht eigentlich auch schon, den Tatbestand zu erwähnen, dass die Hamas, der offizielle Herrscher über den Gazastreifen, geschworen hat, Israel zu vernichten und nach wie vor versucht, ihr Versprechen einzuhalten - da wird schon klar, dass wir wirklich nicht die bösen Tyrannen in der Nachbarschaft sind.

Der Konkurrenzkampf darum, der kleinste Bösewicht zu sein, ist allerdings gerade die Art von Wettbewerb, an dem wir nicht teilnehmen wollen. Mit gutem Grund machen wir nach diesen abscheulichen Taten des Hasses solch tiefgründige Gewissenskämpfe und Selbstanalysen durch. Weniger schlimm zu sein als jeder andere in der Nachbarschaft rechtfertigt weder solche Taten noch stärkt es uns.

Es gibt einen guten Grund dafür, warum wir und die Welt von uns mehr als von anderen Nationen verlangen. Die Welt machte die Juden zu Trägern der Grundsätze des Friedens und der Liebe.

Wir haben uns der Aufgabe verschrieben, das Licht für die Nationen zu sein, als wir am Fuße des Berges Sinai zu einer Nation wurden. Der Grundsatz, den zu verbreiten wir uns verpflichtet haben, ist: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst".

Es macht keinen Unterschied, dass wir nicht imstande waren, dies in den vergangenen zwei Jahrtausenden zu verwirklichen, oder dass der Tempel wegen unseres grundlosen Hasses aufeinander zerstört wurde.

Das Christentum und in großem Maße auch der Islam haben ebenfalls diesen Leitspruch als ihren zentralen Wert übernommen, auch wenn es bislang nicht gelungen ist, ihn zu verwirklichen.

Nun beurteilen sie uns scharf, weil sie unbewusst von uns erwarten, den Weg zu bahnen, um ihnen zu zeigen, wie dieser Leitspruch zu realisieren ist. Unbewusst und zuweilen bewusst erwarten wir dies auch von uns selbst.

Anstelle von „Liebe deinen Nächsten" und anstelle von gegenseitiger Verantwortung fallen wir jedoch den Werten anheim, die unsere Umgebung dominieren. Homosexuellen- und Ausländerhass sowie andere Formen des Fremdenhasses verderben die Kameradschaft, die wir versuchen, zwischen uns herzustellen. Es ist Zeit, unsere Werte zu überdenken.

Unser größter und vielleicht einziger Feind ist unsere eigene innere Spaltung. Wir müssen nicht alle gleich sein; unsere Stärke liegt gerade in unserer Mannigfaltigkeit, sofern wir uns darüber verbinden. Wenn wir dies erreichen, dann werden wir zu einem Vorbild der Verbindung über die Verschiedenheiten hinweg. Je verschiedener wir sind, desto einzigartiger ist dann die Mitwirkung jeder Person und Fraktion in der Gesellschaft.

Denken Sie an die Vielfalt in der amerikanischen Gesellschaft. Wenn die US-Amerikaner sich wirklich über ihrer wachsenden Spaltung vereinen könnten, indem sie die Kluften zwischen Schwarzen, Spaniern, Weißen und Immigranten, die schon lange auf ihre Aufenthaltsgenehmigungen warten, beseitigen, würden sie zu einem glänzendem Beispiel des Friedens und der Harmonie werden.

Wie allerdings der Autor des Sulam (Leiter) Kommentars zum Buch Sohar, Rav Yehuda Ashlag, in seiner Einleitung zu diesem Kommentar (Punkt 66-71) erklärt, werden die Nationen nicht dazu imstande sein, es sei denn wir, die Juden, erreichen es zuerst zwischen uns und ebnen dadurch den Weg für den Rest der Welt.

Ich hatte erst vor wenigen Monaten ein sehr spannendes Gespräch mit Prof. Charles Asher Small, bei dem ich unter anderem versucht habe, genau diesen Punkt zu erläutern: da sie eine solche Einigung erst zustande bringen können, wenn wir es zuerst tun, werden sie uns die Schuld für die Spaltung ihrer Gesellschaft und die Kriegshetze zwischen Amerika und anderen Ländern geben - wenn sie nicht bereits damit begonnen haben.

Die gesamte Welt weiß, dass Verbindung eine Garantie für Stärke ist. Für die Juden aber ist es die einzige Essenz der Nation, die Eigenschaft, die uns als Nation definiert hat.

Verbindung wird nicht nur uns siegreich machen, sie wird gänzlich vor dem Krieg bewahren-falls die Absicht unserer Verbindung darin besteht, unsere Verbundenheit mit der Welt zu teilen.

Wenn wir jemals ein Gegenmittel gegen den Antisemitismus finden wollen, dann müssen wir genau hier suchen. Falls wir die aufrichtige Wertschätzung der Nation möchten, müssen wir genau hier ansetzen, im Ausleben des Sinnspruches, der unsere alte Nation vormals geprägt hat: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."

Lesen Sie auch:

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite

Gesponsert von Knappschaft