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Ein Montagabend in Queens: ein Schritt in die richtige Richtung

06/08/2015 10:12 CEST | Aktualisiert 06/08/2016 11:12 CEST

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Am Montag vor zwei Wochen hielt ich eine öffentliche Lektion im jüdischen Zentrum in Queens, New York (im Rego Park). Das Thema war: „Was bringt die Menschen dazu, die Juden selektiv zu behandeln, und was kann dem starken Anstieg von Antisemitismus entgegengesetzt werden." Zugegebenermaßen sah ich dem Vortrag nicht sehr hoffnungsvoll entgegen. Ich habe schon viele Vorträge über Antisemitismus in Amerika gehalten, letztens in D.C. letzten November.

Doch diesmal war ich angenehm überrascht. Erstens hatten wir ein volles Haus mit 300 aufmerksamen Zuhörern im Publikum. Zweitens, und das ist sogar noch wichtiger, schien es angesichts der Fragen und Antworten der Anwesenden in Bezug auf die Botschaft, als habe sich etwas zum Besseren verändert.

Wie immer war auch diesmal meine Hauptaussage, dass die Juden essentiell eine spirituelle Einheit sind und keine anhand von genetischer Verwandtschaft zusammengewürfelte Gruppe, und weiter, dass es unsere Aufgabe ist, Bruderliebe zu verbreiten, indem wir sie zwischen uns praktizieren und dadurch zu einem Vorbild von Einheit für die Welt werden. Dieses Mal schien es so, als ob das hauptsächlich jüdische Publikum diese Idee der moralischen Verantwortung der Juden, wechselseitige Bürgschaft und Liebe zu kultivieren, um zu einem Beispiel für die Welt zu werden, begrüßen würde.

Sogar der Gedanke, dass die Wut der Nationen uns gegenüber und der daraus resultierende Antisemitismus, wie wir es nennen, zum Grund hat, dass wir die Erfüllung unserer Aufgabe verzögern. Die Zuhörer haben also Fragen dazu gestellt, doch waren diese Fragen mehr auf die Verwirklichung dieser Aufgabe ausgerichtet und äußerten keinen Widerspruch gegenüber dem Gedanken, dass die Juden eine Verantwortung der Welt gegenüber haben.

Bei einem früheren Besuch in New York vor ungefähr zwei Jahren habe ich einen anderen Vortrag zum gleichen Thema in Manhattan gehalten. In Anschluss sprach mich ein älterer Herr auf eine ziemlich aggressive Weise an. Dieses Mal bestand die überwiegende Reaktion aus sachlichen und praktischen Fragen. Ich glaube, dass dies ein sehr gutes Zeichen ist. Wenn wir diese Richtung weiterverfolgen, wird es keinen Antisemitismus mehr geben, weil es dann keinen Grund mehr für ihn geben wird.

Ich wünschte, ich könnte mir diese positiven Veränderungen in der Wahrnehmung der Menschen mehr anrechnen lassen, aber ich befürchte, dass der „Hauptschuldige" an diesem Umdenken der Antisemitismus selbst ist. Je mehr er wächst, umso mehr wächst auch unsere Bereitschaft, uns zu verbinden.

Je mehr wir darauf warten, dass die Welt uns in Richtung Einheit drängt, umso schwerwiegender wird der Preis, den wir dafür bezahlen werden müssen. Andererseits, wenn wir uns dazu entschließen, uns zu verbinden, bevor wir dazu angestoßen werden, wird es keinen Grund mehr geben, uns dahin zu treiben, und die Wut uns gegenüber wird sich in Luft auflösen wie morgendlicher Nebel.

Natürlich gibt es noch genügend Arbeit zu tun, aber der erste Schritt hin zu jeglicher Transformation ist die Erkenntnis, und ich glaube, es passiert gerade ein Umbruch in unserem Bewusstsein. Wenn dieser Vortrag etwas über die Zukunft der Juden in Amerika aussagt, so denke ich, dass es sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung ist.


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