BLOG

Eine offene Plattform f√ľr kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Michael Laitman Headshot

Die Wahrheit √ľber Fake News

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FAKE NEWS
cbies via Getty Images
Drucken

So wie die Heilung des K√∂rpers einer Diagnose der Krankheit bedarf, erfordert die Heilung der Gesellschaft die ‚ÄěErkenntnis des B√∂sen".

Seit die Demokratische Partei der USA am 9. November einer Realit√§t ins Auge sehen musste, in der sie nicht mehr an der Spitze steht, wird zunehmend √ľber ‚ÄěFake News" diskutiert und dar√ľber, ob diese genutzt wurden, um die Kandidaten in ihrem Wahlkampf voranzubringen.

Die Diskussion erreichte ihren H√∂hepunkt, als ein haltloses Buzz Feed Dossier, das vorgab, kompromittierende Informationen √ľber Donald Trump zu enthalten, von CNN aufgegriffen und als echte Nachrichten wiedergegeben wurde.¬† In seiner ersten Pressekonferenz seit Monaten nahm Trump seinerseits den CNN-Journalisten in die Mangel, nannte seinen Sender ‚ÄěFake News" und hinderte ihn daran, Fragen zu stellen.

Fake News sind in Wahrheit nichts neues, denn eines ist klar: Nachrichten, ob gef√§lscht oder erfunden, sind immer voreingenommen. Wir alle haben eine Meinung. Journalisten wohl noch mehr, als die meisten anderen. Daher ist es nicht nur naiv, sondern auch gef√§hrlich zu glauben, ein Journalist w√§re in der Lage, sich √ľber die eigene Sicht und die seines Arbeitgebers zu stellen.¬† Wenn wir uns der Wahrheit stellen, dass Journalisten ebenso menschlich und als Folge davon genauso voreingenommen sind wie wir alle, haben wir eine echte Chance, die Wirklichkeit etwas besser zu verstehen.

Im Ehrencodex der SPJ, des amerikanischen Berufsverbandes der Journalisten, hei√üt es: ‚ÄěNiemals vors√§tzlich die Fakten oder den Kontext verf√§lschen." Wenn die j√ľngste Diskussion √ľber Fake News sein Gutes hat, dann die Tatsache, dass sie alle Medien als das zeigt, was sie in Wahrheit sind: ein Mittel, den √∂ffentlichen Diskurs und die √∂ffentliche Meinung im Sinne derjenigen zu manipulieren, die die Nachrichtenmedien kontrollieren. Uns zu informieren liegt ihnen fern.

Eine klassische Fallstudie zeigt, wie die Medien Nachrichten benutzen, um die √∂ffentliche Meinung zu manipulieren. In den vergangenen 6 Monaten wurden drei t√∂dliche Anschl√§ge ver√ľbt, in denen Terroristen Lkws in eine Menge ahnungsloser Fu√üg√§nger fuhren. Der erste Vorfall ereignete sich im franz√∂sischen Nizza,¬† der zweite in Berlin und der dritte in Jerusalem. BBC News berichtete √ľber die sehr √§hnlichen Ereignisse wie folgt:
  • Frankreich: Mindestens 84 Menschen von einem Lkw am Tag der Bastille-Feierlichkeiten get√∂tet.
  • Deutschland: Lkw t√∂tet 12 Menschen auf dem Weihnachtsmarkt.
  • Israel: Lkw-Fahrer in Israel erschossen, nachdem er israelischen Medienberichten zufolge Fu√üg√§nger √ľberfahren und mindestens 15 Personen verletzt hat.
In den ersten beiden F√§llen liegt das Augenmerk in √úberschrift und Story auf den Opfern. Im letzten Fall r√ľckt BBC News den Terroristen als Opfer in den Mittelpunkt, nicht als m√∂rderischen Attent√§ter. Schlimmer noch, in der Story bleibt die Tatsache unerw√§hnt, dass zus√§tzlich zu den verletzten Fu√üg√§ngern vier Menschen get√∂tet wurden.

Vergleicht man diese drei Berichte mit dem Ehrenkodex des amerikanischen Berufsverbandes mit dem Vorsatz, ‚Äěniemals vors√§tzlich die Fakten oder den Kontext zu verf√§lschen" wird klar, wie weit wir vom Ideal der Presse als H√ľter der Demokratie entfernt sind. Das Einzige, was die Presse h√ľtet, sind ihre Interessen als Teilhaber.

Nichts als Voreingenommenheit

Nicht nur die Presse ist voreingenommen. Umfragen, einst das Bollwerk der Objektivit√§t, sind zum Hohn geworden. Sp√§testens nach den zwei spektakul√§ren Versagen, einmal bei der Voraussage des Ausgangs der Brexit-Abstimmung und dann bei den amerikanischen Pr√§sidentschaftswahlen, haben die Menschen das Vertrauen in Umfragen verloren. Die einflussreiche Tageszeitung Le Parisien hat beschlossen, von Meinungsumfragen Abstand zu nehmen und den Schwerpunkt vom ‚ÄěPferderennen-Journalismus" auf die Vor-Ort-Berichterstattung zu verlegen.

In den USA benennt der Pr√§sident die Richter des Obersten Gerichtshofs, und der Senat muss sie genehmigen. Anders gesagt verdanken die h√∂chsten Figuren der amerikanischen Justiz Politikern ihre Stellung per Definition. Wenn dar√ľber hinaus die Mehrheit der Senatoren der Partei des Pr√§sidenten angeh√∂rt, dann verliert auch diese Ausgleichsma√ünahme ihre Effizienz. Und wenn der Oberste Gerichtshof dem Einfluss von Interessen unterliegt, was sagt das √ľber das gesamte Justizwesen aus?

√úberall bestimmen pers√∂nliche, konfessionelle, finanzielle oder politische Interessen die Art und Weise, wie ein Land regiert wird. Dies gilt sowohl f√ľr die USA als auch f√ľr jedes andere Land der Welt. Die gute Nachricht ist, dass es nun f√ľr jeden zu sehen ist, der es nicht vors√§tzlich leugnen will. Die Erkenntnis der negativen Natur des Menschen und der Schlechtigkeit ihrer Auswirkung auf unsere Welt wird in der Kabbalah ‚Äědie Erkenntnis des B√∂sen" genannt.

Man muss kein Kabbalist sein, um zu wissen, dass das Ego in unserer Welt K√∂nig ist. Soziologen haben bereits Ende der siebziger Jahre √ľber die Kultur des Narzissmus geschrieben, und seit der Jahrtausendwende bezeichnen sie ihn als epidemisch. Zunehmende Depression, Rekord-Scheidungsraten, eskalierende Gewalt, Extremismus aller Art, wachsende Entfremdung und Isolation, ausufernde politische Streitigkeiten, sind alles Symptome derselben Epidemie, die unser aller Wohlergehen bedroht.

Korrigiere die Natur des Menschen, um die menschliche Gesellschaft zu korrigieren

Es sprengt den Rahmen eines Zeitungsartikels, den gesamten Korrekturprozess der menschlichen Gesellschaft zu beschreiben. Ich habe dies in mehreren B√ľchern ausf√ľhrlich dargelegt. Darunter Self-Interest vs. Altruism in the Global Era: How society can turn self-interests into mutual benefit (Selbstsucht vs. Altruismus in der globalen √Ąra: Wie die Gesellschaft Selbstsucht zu wechselseitigem Nutzen wandeln kann) und Completing the Circle: An empirically proven method for finding peace and harmony in life¬† (Den Kreis vervollst√§ndigen: Eine empirische Methode, um Frieden und Harmonie im Leben zu finden), welches Anleitungen enth√§lt, wie die im Buch besprochenen Ideen praktisch umgesetzt werden k√∂nnen. An dieser Stelle w√ľrde ich gerne nur die Grundprinzipien f√ľr den Aufbau einer gesunden Gesellschaft benennen.

Keine Unterdr√ľckung des Egos

Das Ego darf nicht vernichtet werden. Unser Ego w√§chst best√§ndig. Jede Abwehr ist zum Scheitern verurteilt, sobald eine neue Stufe des Egoismus auftaucht und den gesamten Druck abbaut, der in der Phase der Unterdr√ľckung aufgebaut wurde. Das Ergebnis ist Krieg, Chaos oder andere Formen gewaltt√§tiger Tumulte. Jahrhundertelang hat die Menschheit versucht, das Ego zu unterdr√ľcken und vorzugeben, es existiere nicht. Das Ergebnis ist die heutige Welt, in der das Ego alles auf dem Planeten zerst√∂rt, was von Wert ist. Das Ego ist √ľberdies der Motor der Entwicklung. Die gr√∂√üten Errungenschaften der Menschheit sind ein Ergebnis der Suche des Menschen nach Ruhm, Reichtum und Wissen - allesamt Spr√∂sslinge des Egos. Zerst√∂rt man das Ego, zerst√∂rt man den Fortschritt.

Alles unter Kontrolle

Der Kolumnist der New York Times, Thomas Friedman, sagte k√ľrzlich in einem Interview mit Tucker Carlson in der Tucker Carlson Tonight Show: ‚ÄěMenschen zu verbinden ist eine gro√üe Aufgabe... Ich denke, die besten Jobs werden ‚ÄěMensch-zu-Mensch-Jobs" sein. Wir werden eine neue Reihe von Jobs und Branchen rund ums Herz entstehen sehen, rund um das Verbinden der Menschen miteinander."

Der letzte Raum, den es zu erobern gilt, ist nicht das All, sondern der Raum zwischen uns. Es ist Hauptaufgabe der Menschheit, dass wir uns √ľber unsere Egos erheben und uns verbinden. Mir ist klar, dass das utopisch und unrealistisch klingt, aber mit dem richtigen Ansatz und den geeigneten Mitteln ist es leicht umzusetzen.

Vor fast 4000 Jahren entdeckte der Vorvater Abraham, dass das Leben im Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen existiert. So wie heute zerr√ľtteten damals Entfremdung und Streben nach menschlichen Errungenschaften den Zusammenhalt der Menschen in Babylon.

Die alten Hebr√§er, die von verschiedenen St√§mmen und Nationalit√§ten abstammten, entflohen der Entfremdung in ihren eigenen Reihen und schlossen sich Abraham an. Dieser lehrte sie, einander zu lieben und machte uns so zu einer Nation. Nachdem wir nun zweitausend Jahre lang dieses wertvolle Gut links liegen gelassen haben, m√ľssen wir nicht nur zu unseren Wurzeln zur√ľckkehren und unsere Verbindung wiederherstellen, sondern auch die Methode, mit der diese erlangt werden kann, mit dem Rest der geplagten Welt teilen.

Abraham und seine Nachkommen entwickelten eine Methode der Verbindung, die es allen Sch√ľlern erm√∂glichte, den Egoismus, der zwischen ihnen stand, zu transzendieren und ihn mit Liebe zu √ľberbr√ľcken. Je h√∂her die Schwelle des Egoismus wurde, desto h√∂her war die Br√ľcke, die sie dar√ľber bauten. Im Buch Likutei Etzot (Ausgew√§hlte Ratschl√§ge) hei√üt es: ‚ÄěDas Wesen des Friedens ist es, zwei Gegens√§tze zu verbinden." K√∂nig Salomon fasste diesen Ansatz treffend in seinem Sprichwort zusammen: ‚ÄěHass schafft Hader, doch Liebe √ľberbedeckt alle Verfehlungen."

Wir haben das Nehmen zum absoluten Anspruch erhoben und das Element des Gebens vollkommen aufgegeben. Die Gesellschaft ist aus dem Lot. Wir m√ľssen das Element des Gebens wieder in unsere Gemeinschaften einf√ľhren, so dass die positive Kraft der Verbindung ein Gegengewicht zur negativen Kraft der Trennung darstellen kann.

In vorherigen Artikeln habe ich die Verbindungskreise und andere Techniken beschrieben, die positive Kraft in die Gesellschaft einfl√∂√üen k√∂nnen. Bevor wir diese jedoch anwenden k√∂nnen, m√ľssen wir entscheiden, dass ein Leben in einer egoistischen Welt, in der die Presse falsch berichtet, das Rechtssystem politisiert und die Wirtschaft so manipuliert ist, dass sie einer kleinen, herrschenden Elite dient, w√§hrend der Rest der Menschen langsam in die Armut abdriftet, schlichtweg inakzeptabel ist. So wie √Ąrzte eine Diagnose ben√∂tigen, um eine wirksame Therapie zu verschreiben, ben√∂tigen wir die ‚ÄěErkenntnis des B√∂sen", um unsere Gesellschaft zu heilen. An diesem Punkt stehen wir gerade. Es ist der erste Schritt hin zur Heilung.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform f√ľr alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.