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Der (unmögliche) Plan für die Trennung von den Palästinensern

07/03/2016 19:20 CET | Aktualisiert 08/03/2017 11:12 CET
Cosmo Condina via Getty Images

Seit dem 13. September tobt wieder eine Terrorwelle in Israel, und die Politiker des Landes suchen fieberhaft nach schnellen und vor allem neuen Lösungen, die sie der Öffentlichkeit präsentieren können. Im vergangenen Monat genehmigte die israelische Arbeiterpartei einstimmig und bei großer medialer und internationaler Aufmerksamkeit den Plan des Oppositionsvorsitzenden Jitzchak Herzog für die Trennung von den Palästinensern, welcher letztendlich eine Zweistaatenlösung anstrebt.

Im ersten Schritt aber spricht Herzog davon, dass Israel, um keinen ungünstigen Friedensvertrag aufgezwungen zu bekommen, sich unilateral von den Palästinensern trennen müsse, „wir hier und sie dort", von einer roten Linie getrennt.

Wir alle möchten Frieden, aber meiner Meinung nach ist dies nicht der richtige Weg zum Frieden. Erstens werden wir nicht in der Lage dazu sein, die Grenzen abzuriegeln, selbst wenn uns eine ununterbrochene Mauer entlang der Grenze trennt; es ist schlichtweg nicht zu verwirklichen.

Zweitens, was noch wichtiger ist, vollzieht sich der heutige Terrorismus nicht nur durch physisches Durchdringen der Täter, sondern auch durch ideologisches Durchdringen der Meinungen, hauptsächlich über das Internet. Der Attentäter in San Bernardino, der 14 seiner Kollegen tötete, wurde als „unauffällig" beschrieben, bevor er sich durch die sozialen Medien radikalisierte.

Ein weiteres Beispiel liefert der Islamische Staat mit seiner Vorgehensweise, bei der er mit Hilfe des Internets als Propagandamittel seine Freiwilligen auf der ganzen Welt rekrutiert. Zwischen der Jahresmitte 2014 und der Jahresmitte 2015 reisten beinahe 30.000 Menschen nach Syrien ein, um dem ISIS beizutreten. Sie alle wurden entweder vollständig oder vorwiegend über das Internet radikalisiert.

Der heutige Fluss der Ideen macht es unmöglich, auch die Radikalisierung der arabischen Israelis zu stoppen. Der todbringende Terroranschlag in Tel Aviv vom vergangenen Monat, verübt vom arabischen Israeli Nashat Milhelm, deutet darauf hin, dass der gewalttätige radikale Islam in Israel bereits fest verwurzelt ist.

Der israelische Sicherheitsapparat weist bereits seit längerem darauf hin, dass der IS immer mehr Anhänger unter israelischen Moslems findet - allein in den vergangenen Monaten sollen 24 israelische Araber in diesem Zusammenhang verhaftet worden sein. Dies zeigt wiederum, dass jegliche Vorschläge der Trennung der zwei Nationen unrealistisch sind, wenn nicht sogar naiv.

Ich denke, wir müssen einen ganz anderen Ansatz wählen als die Trennungslinie von Herzog. Es mag nicht ganz einleuchtend sein, aber wir sollten uns auf die Einheit zwischen uns fokussieren, anstatt ununterbrochen zu versuchen, die Welt zu beruhigen. In Wirklichkeit wurde uns in unserem gesamten Werdegang als Volk gesagt, dass wenn es Einheit unter uns gäbe, wir nicht nur stark sein würden, sondern dass es auch Frieden in der Welt gäbe, sodass keine Notwendigkeit an Kriegen mehr bestünde.

Dies ist die Stärke, nach welcher wir suchen sollten, die Stärke der Einheit und Liebe für die anderen. Es gibt keinen anderen Weg, die Zuneigung der Welt zu gewinnen, als zu lernen, uns zu vereinigen, und diese Einheit auf den Rest der Nationen auszudehnen. Da die Welt nicht in der Lage dazu sein wird, unserem Volk Frieden aufzuzwingen, wird sie uns für jeden Krieg, der fortan stattfindet, beschuldigen.

Wir denken weiterhin, dass die Welt uns für unsere wissenschaftlichen und kulturellen Beiträge danken sollte. Allerdings denkt die Welt nicht so. Tatsächlich sieht ein großer Teil der Menschheit uns als den größten Unruhestifter an. Wir seien finsterer als jeder Tyrann und zerstörerischer als jedes Erdbeben. Mit einigen wenigen Ausnahmen sind wir die einzigen Menschen, die unsere Verdienste würdigen, während der Rest der Welt weiterhin unsere Verfehlungen unter die Lupe nimmt.

Falls es allerdings eine Sache gibt, für welche die Welt uns dankbar wäre, dann ist es Einheit, vorausgesetzt wir setzen sie auch selbst um, damit wir sie überhaupt anbieten können. Wir prägten die Maxime „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", und diese wurde zum Grundstein des Christentums und des Islams. In Wirklichkeit taucht die Goldene Regel (eine mildere Variante von „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst") beinahe in jeder Religion, jedem Glaubenssystem und jeder ethischen Tradition auf.

Allerdings haben wir zweifelsohne keine Ahnung, wie wir diese Regel verwirklichen sollen, geschweige denn ihre „härtere" Version: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Die alten Hebräer wussten es, aber sie sind nicht mehr da. Nur wir sind übrig geblieben - und der Rest der Welt, der in Leid erstickt und uns dafür beschuldigt.

Folglich besteht die Lösung unserer Probleme darin, dass wir lernen, wie wir uns vereinigen und es auf den Rest der Welt ausdehnen können. Die unmöglichen militärischen Lösungen und fehlgeschlagenen diplomatischen Bemühungen stellen uns vor zwei Möglichkeiten. Wir können uns entweder von den Palästinensern trennen oder wir lernen, mit ihnen zu leben.

Wie bereits erwähnt, können wir uns nicht wirklich von ihnen trennen. Unsere einzige Option ist, dass wir lernen, mit ihnen zu leben. Um dies zu tun, müssen wir zuerst lernen, miteinander in Frieden auszukommen, und anschließend dieses Wissen mit unseren Nachbarn teilen.

Wir müssen unsere Einstellung gegenüber den Palästinensern verändern: Sie werden solange unsere Feinde sein, wie wir selbst untereinander verfeindet bleiben. Abgesehen von den notwendigen lebensrettenden oder vorbeugenden Maßnahmen sollten wir sie in Ruhe lassen und uns auf unsere interne Einheit fokussieren. Wenn wir dies erreichen, dann werden wir alle Bomben entschärfen, ohne das Leben eines Menschen zu riskieren, auf beiden Seiten der Grenze.

Ich schreibe diese Zeilen eine Woche nach unserer jährlichen Versammlung hier in Tel Aviv, bei der 6.000 Menschen aus 64 Ländern zusammenkommen, um diese Einheit persönlich zu erfahren. Später werden sie dieses Beispiel zurück in ihr jeweiliges Land nehmen und sich am Errichten einer besseren Zukunft beteiligen. Und doch muss Israel vorangehen, um die Welt mit dem richtigen Beispiel anzuführen.

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