BLOG

Das Einheits - Paradoxon

03/08/2015 15:10 CEST | Aktualisiert 03/08/2016 11:12 CEST

2015-08-02-1438496334-3277002-huffpostconnectioncircletomer.JPG

Neuerdings scheint es, als würden wir umso mehr den Mangel an Einheit des jüdischen Volkes fühlen, je mehr wir über sie sprechen. Einheit war schon damals das Kennzeichen unserer Nation, als Moses uns am Fuße des Sinai verbunden hatte und wir gelobten „wie ein Mensch mit einem Herzen" zu sein.

Rückblickend auf unsere Geschichte erscheint es aber eher so, dass wir stets mehr mit internen Schwierigkeiten beschäftigt wären, als damit, die Einzelteile unserer Gesellschaft miteinander zu verbinden.

Sogar heutzutage, wenn wir dem weltweit wachsenden Antisemitismus gegenüberstehen, der oft „leicht mit Israelkritik verschleiert wird " - wie es von dem in Ruhestand gehenden Leiter des ADL (Antidiffamierungsliga), Abraham Foxman, beschrieben wird - scheinen wir keinen Weg zu finden, uns zu verbinden und diesen Herausforderungen als Einheit zu begegnen.

Das Ergebnis ist, dass während Boykottierende und Kriegshetzer an Masse zunehmen und immer stärker werden, wir fleißig am streiten sind und einander unsere Probleme an den Kopf werfen.

Das ist das „Einheits- Paradoxon"- wir wissen, dass all unsere Kraft in unserer Einheit liegt, aber je mehr unsere Ankläger uns bedrängen, umso mehr wachsen wir auseinander. Wie in jedem Paradoxon, können wir auch das „Einheits - Paradoxon" nicht auf der gleichen Gedankenebene lösen, wie die, auf der es seinen Ursprung hat.

Um diese Situation zu lösen, müssen wir uns auf eine neuen Stufe des Denkens und Empfindens füreinander erheben.

Das klingt nach einer großen Aufgabe, doch es wird um einiges einfacher, wenn wir uns an unseren gemeinsamen Ursprung erinnern. Als wir zu einer Nation wurden, bekamen wir auch die Aufgabe, zum Licht der (restlichen) Nationen zu werden.

Allerdings war das einzige Licht, das wir damals hatten, unsere Einheit. Wir waren auf der Flucht, heimatlos und kraftlos. Das einzige, was damals funktionierte war unsere Verbundenheit, deren ultimativer Zustand in dem Vers „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" zum Ausdruck gebracht wird.

Die Einheit schaffte es, uns durch so manche Sorgen und Prüfungen hindurch zuführen, und ihr Zerbrechen kennzeichnet den Beginn unseres zweitausendjährigen Exils. Dennoch, wenn es etwas gibt, das die Nationen bereitwillig von uns angenommen haben, auch wenn sie es erst noch anwenden müssen, ist dies das Motto: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst".

Tief drin spürt jedes menschliche Wesen, so schwer es auch zu realisieren ist, dass dieser Vers der Schlüssel zu Glück, Wohlbefinden und Sicherheit im Leben ist.

Wie damals für unsere unwilligen Stammesväter, so ist es auch heute unsere Aufgabe, ein Vorbild der Einheit vorzuführen und der Welt zu zeigen, wie dies gemacht werden kann. Bis wir unsere Aufgabe erfüllen- speziell die praktische Ausführung der selben- werden wir fortwährend dafür verantwortlich gemacht, Kriege und jede Art von Missständen auszulösen, wie es zurzeit in den VN geschieht.

Die Welt beschuldigt uns nicht deshalb, weil wir freiwillig Kriege entflammen, sondern weil wir den Schlüssel zu Frieden und Ruhe tragen und ihn, wenn auch unbewusst, nicht teilen. Um dies zu tun, müssen wir uns darüber bewusst werden, es praktizieren und vorzeigen wie das geht.

Das ist die Lösung für das „Einheits - Paradoxon". Wenn wir uns einfach um der Verbindung willen verbinden, und nicht, um ein Beispiel für die Einheit der Welt zu sein, werden wir nicht erfolgreich sein.

Wenn wir keinen guten Grund sehen, uns über unseren Egoismus zu erheben, werden wir alsbald zu unserer gewohnten Verleumdung zurückkehren, und die Nationen werden uns weiterhin für ihre schlimmer werdenden Probleme verantwortlich machen.

Wenn wir uns aber daran erinnern, dass unser Leben einen wertvollen Sinn hat, nämlich als Vorbild der Einheit für die Welt zu fungieren, dann haben wie viele Gründe, erfolgreich zu sein.

Wenn wir dies erreichen, werden wir das Einheits - Paradoxon gelöst haben, da wir uns über den Druck unseres gegenwärtigen Zustandes zu einem neuen Zustand der Einheit erhoben haben werden. Wir werden dies nicht für uns selbst gemacht haben, sondern zum Wohle der ganzen Welt.

Tief drin werden wir natürlich trotzdem nach Eigenlohn verlangen, doch wir werden über dem Eigennutz in der Lage sein, die Nation in eine einzige Einheit zusammenzuschließen.

In unserer heutigen ultra - egozentrischen Welt ist diese Art der Einheit die einzig mögliche Formel, die funktionieren kann. Wir können und müssen unsere Egos nicht unterdrücken.

Alles was wir tun müssen, ist einen Weg zu finden, uns über unserem Ego zu verbinden und dadurch dem Gemeinwohl unsere individuelle Einzigartigkeit beizuzufügen. Es ist eine einzigartige Methode, die bis heute einzig und allein von den Juden verwirklicht wurde, wenn auch vor zweitausend Jahren. Nun müssen wir diese Fähigkeit wieder erwecken und teilen.

Wenn wir dies tun, werden wir zweifellos augenblicklich erkennen, dass der Druck, der von der Welt auf uns ausgeübt wurde, nur dazu da war, um uns aufzufordern, uns auf dieser höheren Stufe zu verbinden.

Wir werden sehen, dass wir noch weitere tausend Jahre versuchen könnten, uns auf unserer derzeitigen Stufe zu verbinden, und dass es uns nie gelungen wäre. Jedenfalls werden, sobald wir uns zur höheren Stufe erheben, wo wir uns nicht für uns selbst verbinden, sondern der Welt zuliebe, unsere Leben sich schlagartig verändern.

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.


Lesen Sie auch:

Video:Inder bricht seine heiligsten Regeln, um einem kleinen Jungen das Leben zu retten

Hier geht es zurück zur Startseite