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Wie wir dem Antisemitismus entgegentreten können

04/07/2015 14:22 CEST | Aktualisiert 04/07/2016 11:12 CEST
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Vor wenigen Tagen berichtete die Jerusalem Post, dass Mark Dankof, ein evangelischer Pfarrer und politischer Aktivist, verkündet haben soll, dass

„der Einfluss und das Geld der Juden dafür verwendet" werde, "die christliche Kultur und deren Werte global zu zerstören." Er fügte dem hinzu: „Man darf nicht ignorieren, dass die Erfolge in Bezug auf das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und die Rechte der LGBT-Gemeinde eine direkte Reflexion des unproportionalen Einflusses der Macht, des Geldes und des Aktivismus der Juden in Amerika sind."

Diese Äußerungen erinnerten mich an ähnliche Aussagen eines gewissen Adolf Hitler, die ich mal gelesen hatte. Hermann Rauschning zitierte Hitler in seinem Buch, Gespräche mit Hitler, wie folgt:

„Das Gewissen ist eine jüdische Erfindung und wie die Beschneidung eine Verstümmelung des menschlichen Wesens ... Die Vorsehung hat mich zum größten Befreier vorbestimmt. Ich befreie die Menschen ... von den schmutzigen und erniedrigenden Selbstpeinigungen einer Gewissen und Moral genannten Schimäre."

Seit über zehn Jahren spreche ich nun schon davon, dass der Antisemitismus ein wahres Problem ist, und dass wir beginnen müssen zu handeln. Fast genauso lange werde ich gefragt: „ Nun, und warum gehen sie dann nicht an die Öffentlichkeit und warnen alle?"

Der Witz daran ist, das ich dies immer wieder gemacht habe. Ich habe in zahlreichen führenden Zeitungen und Fernsehsendern in Europa und Amerika, von der Corriere della Sera bis hin zur New York Times darüber geschrieben und gesprochen. Es gab allerdings sehr wenig Nachhall. Verständlicherweise, denn Menschen bevorzugen es, eine Krankheit zu ignorieren, sobald sie bemerken, dass es kein Heilmittel gibt.

Nun aber, da sich das Gespenst vollständig entfaltet hat, sehe ich unser Aufwachen als ein gutes Zeichen. Je mehr sich die Erscheinungsformen des Antisemitismus weltweit häufen und je obskurer dessen Begründungen werden, desto deutlicher wird es, dass wir die Gelegenheit ergreifen müssen, neue Wege zu präsentieren, dem Antisemitismus entgegenzutreten - denn offensichtlich war nichts von dem, was wir bisher in die Wege geleitet haben, erfolgreich.

Es ist relativ zwecklos, mit einem Griechen zu diskutieren, der in der Schlange wartet, um seine Ersparnisse abzuheben, und währenddessen (wie Mike Bird im Business Insider berichtet) sagt: „Es ist nicht die Schuld der Deutschen, es ist nicht die Schuld der Europäer. Man muss sich hier an die Quelle wenden.. sie wollen Griechenland vernichten." Und mir „sie" meint er „die Rothschilds und die Zionisten". Man wird auch keine Pfarrer, Universitätsprofessoren oder sonstige Meinungsmacher konfrontieren, die antisemitische Ansichten vertreten.

Was Sie, ich und jeder andere tun können und müssen, ist Folgendes: Wir müssen uns verbinden. Es liegt eine Kraft in unserer Einheit, und wir müssen sie nutzen. Ziehen wir uns die AMCHA - Mitbegründerin Prof. Tammi Rossman- Benjamin zu Rate. Bei all ihren enormen Anstrengungen zur Bekämpfung von Antisemitismus an amerikanischen Universitäten fand sie Folgendes heraus:

„ Während keine der Strategien, die ich bisher beschrieben habe, es geschafft hat, das Problem im Wesentlichen zu beseitigen, waren diejenigen am vielversprechendsten, die den Einsatz von Gruppen und Vereinigungen beinhalteten. ... Zukünftige Versuche sollten es zum Ziel haben, solche Zusammenschlüsse so zu verstärken, dass sie so viele Organisationen und Individuen wie möglich beinhalten. Ich glaube, dass wir nur dann eine Hoffnung haben, den Krieg gegen den Antisemitismus am Universitätscampus zu gewinnen, wenn wir jegliche institutionellen und ideologischen Unterschiede beiseite schieben, und als eine einheitliche Front auftreten, welche die Sicherheit und das Wohlergehen jüdischer Studenten verteidigt."

Ich würde gerne hinzufügen, dass die Studenten selbst dazu ermutigt werden sollten, an dieser Verbindung teilzunehmen, da dies der Schlüssel zu unserem Erfolg ist. Wenn wir den Ursprung antisemitischer Äußerungen untersuchen, erkennen wir, dass sie uns eigentlich dazu veranlassen, uns zu verbinden, einfach indem sie uns wissen lassen, dass wir letzten Endes nur uns selbst haben.

Aber wir können es auch anders machen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass die Judenhasser uns vor die Tür setzen, damit wir uns verbinden. Wir können uns schon im Vorfeld verbinden, und der Antisemitismus wird sich dann von allein in Luft auflösen, ähnlich wie Frau Professor Rossman- Benjamin das beschrieben hat.

Um auf den Anfang dieses Posts zurückzukommen- Juden sind tatsächlich gewissenhafte Menschen. Sowohl die Juden, die Israel unterstützen, als auch die Juden, die Israel verurteilen, beide machen es aus ethischen Gründen! Wir sollten dies immer im Gedächtnis behalten, denn es erinnert uns daran, dass die meisten Juden als Ziel ein moralisches, humanes und gerechtes Judentum vor Augen haben. Dies wird allerdings nur geschehen, wenn wir uns über all unsere Unterschiede hinweg verbinden.

Die Moral, die wir der Menschheit zu bringen bestimmt sind, ist es, für die Welt ein Beispiel von Einheit allen Unterschieden zum Trotz zu statuieren. Nicht die Eliminierung der Unterschiede, sondern gerade die Fähigkeit, sich über sie hinweg zu verbinden. Sobald wir dies erreichen, mit der Absicht, dabei ein gutes Vorbild an Verbindung zu bieten, wird uns die Menschheit mit offenen Armen in ihre Mitte schließen, und wir werden unseren rechten Platz inmitten der Nationen finden.


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