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Wir sind das erste schwule Ehepaar, das in Deutschland ein Kind adoptiert hat: Hier ist unsere Botschaft an alle, die es uns nicht gönnen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
EHEPAAR KOROK
Thomas Rieß
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Ich bin Vater. Und verheiratet. Und schwul. Mein Mann Kai und ich haben als erstes homosexuelles Ehepaar in Deutschland ein Kind adoptiert.

Wir kämpfen für ein Umdenken in der Gesellschaft. Die Menschen müssen verstehen: Jedes Paar hat Recht auf eine Familie - und jedes Kind hat ein Recht auf Eltern. Eltern, die es lieben, egal ob es zwei Väter, zwei Mütter oder Mama und Papa sind oder nur Papa oder nur Mama.

Unser Adoptivsohn Maximilian ist zweieinhalb und damit unser jüngstes Familienmitglied.

Außer ihm stehen noch zwei ältere Pflegekinder seit Jahren unter unserer Obhut und leben bei uns. Maximilian ist nun jedoch auch vor dem Gesetz unser Sohn und darauf sind wir stolz.

Ich bin jetzt verheiratet - und das ist großartig

Letztendlich ist alles ziemlich schnell gegangen. Am ersten Oktober trat das Gesetz zur "Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts" in Kraft. Einen Tag später traten Kai und ich vor das Standesamt Marzahn-Hellersdorf und ließen uns trauen.

Im Vorfeld dachten wir, das sei nur ein sehr formaler Akt und zwischen uns würde sich nichts ändern. Aber die Ehe hat etwas verändert: Ich weiß jetzt, Kai ist mein Mann. In der Ehe-Urkunde kann ich es jederzeit nachsehen, dort steht es schwarz auf weiß. Ich bin jetzt verheiratet. Und das ist großartig.

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Nur drei Tage nach unserer Eheschließung hatten wir schon den nächsten Grund zu feiern: Das Amtsgericht teilte uns mit, dass sie unserem Antrag auf Maximilians Adoption zustimmen würden.

Maximilian ist jetzt offiziell unser Sohn. Mit wenigen Tagen kam er als Pflegekind zu uns und wir haben ihn nun schon mehr als zwei Jahre aufgezogen. Für uns ist seine Adoption der richtige Schritt - und für ihn eine Absicherung. Schließlich muss man auch an die Zukunft und an mögliche Schicksalsschläge denken: Maximilian hat jetzt zum Beispiel Anspruch auf unser Erbe und eine Waisenrente. Gleichzeit steht er damit auch vollständig unter dem Schutz der Familie, welches von unserem Grundgesetz garantiert wird.

Auch das gibt uns allen ein besseres Gefühl.

Ich will anderen schwulen Paaren zeigen, wie schön das Leben mit Kindern sein kann

Das Leben in meiner fünfköpfigen Familie ist für mich das Schönste und Wichtigste auf der Welt. Meine Kinder zu selbstständigen Menschen heranzuziehen, die ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern und sich auch mal durchsetzen können - das bedeutet für mich Erziehung.

Doch auch ich lerne von ihnen unglaublich viel. Auch das Loslassen, im Großen wie im Kleinen, ist etwas, an das ich mich langsam gewöhnen muss. Unsere Pflegetochter ist schon neun, der Mittlere Pflegesohn sechs - da werden sie immer selbstständiger.

Kinder zu haben, ist etwas wunderbares. Deshalb will ich schwule Paare darin bestärken, den Weg zur Familiengründung zu wagen. Ich engagiere mich im Regenbogenfamilienzentrum des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, wo ich regelmäßig Väterrunden leite. Dort treffe ich mich mit schwulen Vätern oder solchen, die es werden wollen.

Mehr zum Thema: Demokratische Verantwortung: Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für die Öffnung von Ehe und Adoption

Sie haben dort einen geschützten Rahmen, in dem sie frei reden und Fragen stellen können. Für schwule Paare ist es wichtig, die Angst vor dem großen Schritt der Adoption, einer Pflegschaft oder anderen Wegen zu einem Kind, zu verlieren. Ich will diesen Männern zeigen, wie wundervoll das Leben mit Kindern sein kann.

Mein Mann und ich teilen uns die Kinderbetreuung und ich könnte mir keinen Menschen vorstellen, mit dem ich meine drei Kleinen lieber großziehen würde.

Vor allem jetzt - wo wir offiziell verheiratet sind und einen gemeinsamen Sohn haben. Nicht nur in unseren Herzen, sondern auch auf dem Papier.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Franziska Kiefl.

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