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Vielen Dank AFD!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AFD ISLAM
Thomas Lohnes via Getty Images
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Nachdem Herr Wulff in seiner Zeit als amtierender Präsident vor einigen Jahren festgestellt hat, dass der Islam zu Deutschland gehört und Frau Merkel das Zitat als Kanzlerin vor einiger Zeit wieder aufgegriffen hat, um es zu bestätigen, kommt jetzt die AfD, als aufstrebende Partei für das einfache deutsche Volk, und erklärt, dass "der Islam nicht zu Deutschland gehört".

Das spannende daran ist, dass ein undefinierter Teil der muslimischen Gemeinde, genau der gleichen Meinung ist.

Es würde ausarten die Gründe dafür aufzuzählen, aber ein kleiner Tipp am Rande: wenn jemand aus kulturellen Aspekten besonders gastfreundlich ist, so ist dieser Mensch auch umso sensibler dafür, ob er willkommen, geduldet oder abgelehnt wird.

Wir schauen eure Fernsehsendungen und "Talkrunden", wir lesen eure Zeitungen und Zeitschriften und wir sehen und hören eure Tuscheleien in eurer Sprache, die wir auch sprechen und wir sehen eure Blicke, wenn ihr mal wieder eine "Kopftuchfrau" in der Stadt seht oder einen jungen Mann mit verdächtigem Bart.

Die AfD plädiert für ein "Minarettverbot" und ein "Muezzinverbot" in Deutschland.

Ja, von mir aus. Ganz ehrlich: zu viele Gemeinden in Deutschland haben sich sowieso viel zu lange mit Äußerlichkeiten der Gebetshäuser beschäftigt, anstatt dafür zu sorgen, dass die Räume mit Leben und Praxis gefüllt werden. Diese Moscheen mussten sowieso viel zu oft dafür hinhalten Nicht-Muslimen, bei Verzweiflungsakten, wie dem Tag der offenen Tür zu erklären, dass die Kalligraphien an den Wänden extra von einem anerkannten Künstler angemalt wurden und der Teppich maß gefertigt eingeflogen wurde.

"Islamische Organisationen soll auch nicht der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen werden."

Erst einmal bestätigt diese Aussage, dass jede Gemeinde, die sich dem Islam zuschreibt und bisher den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erhalten hat, nicht als islamische Organisation zu zählen ist. Vielen Dank auch für diese indirekte Feststellung, denn mit Sicherheit sieht das der überwiegende Teil der Muslime in Deutschland genauso.

Und in Anbetracht dessen, dass sich der zu Beginn erwähnte undefinierte Teil der muslimischen Bevölkerung, sowieso nicht Deutschland zugehörig fühlt, wäre es auch ziemlich schwachsinnig, um nicht zu sagen heuchlerisch, von diesem Staat jegliche Anerkennung zu erhoffen, geschweige denn als Gemeinde, Hilfe durch Steuergelder oder sonstiges erhaschen zu wollen.

"Eine Aufklärung des Islams ist weder realistisch noch wünschenswert."

"Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gunst an euch vollendet, und Ich bin mit dem Islām als Religion für euch zufrieden." (Sure 5 Vers 3) Das ist im Grunde, zumindest sinngemäß, ein Zitat aus dem Quran und exakt die Einstellung eines jeden praktizierenden Muslim, der diesen Vers verstanden hat.

Eine "Aufklärung", so wie es das Christentum erlebt hat, ist im Islam absolut undenkbar, was die Geschichte beider Glaubensgemeinschaften auch bestätigt: Als die Christen sich durch die Aufklärung befreiten, kam im Westen der Fortschritt. Als die Muslime sich jedoch nach dem sogenannten "goldenen Zeitalter des Islam" oder der "Blütezeit des Islam" vom Islam entfernten, bahnte sich das an, was wir heute in den islamisch geprägten Teilen der Welt erleben.

"Die Vollverschleierung soll verboten werden."

Ach, ach, Ihr gut behüteten Anhänger der AfD in eurem warmen, muggeligem Zuhause mit eurer harmonischen Nachbarschaft und euren entspannten Feierabenden, habt ihr eigentlich ansatzweise eine Ahnung davon, was diese Frauen mit Vollverschleierung jeden Tag durchmachen müssen, wenn sie das Haus verlassen und durch eure Strassen ziehen?

Nach all den Assoziationen, durch Politiker und Medien geschaffen, und den entsprechenden Reaktionen aus der Gesellschaft, Tag für Tag, glaubt ihr wirklich, dass diese Frauen jetzt wegen euch das Gewand ablegen werden und mit offenem Haar durch die Straßen hüpfen? Diese Frauen sind Löwinnen, die durch die harte Schule der täglichen Ablehnung gegangen sind, da ist eure Forderung eines Verbotes pure Motivation. Danke auch dafür.

Ich bin Deutscher

Ich bin Deutscher, liebe AFD-Anhänger. Und wenn ihr mich ohne meine Frau auf der Straße seht, werdet ihr nicht ahnen können, dass ich stolzer Muslim bin, der sich auf Grund einer im Grundgesetz verankerten Religionsfreiheit vor einigen Jahren freiwillig und aus Überzeugung für den Islam entschieden hat. Meine west-europäisch ethnischen Wurzeln sind nicht zu verkennen und ich habe ein Bewusstsein für meine deutsche Herkunft, in einer Tradition der preußischen Tugenden wie Toleranz, Höflichkeit, Ehrlichkeit und Gerechtigkeitssinn, einer Geschichte der Dichter und Denker gedenkend.

Doch wenn ich euch sehe muss ich an Robin Williams denken, der einmal in einem Interview in Deutschland gefragt worden ist, warum es seiner Meinung nach, so wenig "Comedy" in Deutschland gäbe, woraufhin er nur sinngemäß mit folgender Gegenfrage antwortete: "Haben Sie jemals mit dem Gedanken gespielt, alle lustigen Menschen getötet zu haben?"

Mehr Juden würden diesem Land so gut tun und ich bin mir sicher, dann würde ich auch öfter einem Lächeln begegnen, wenn ich mit meiner Frau in ihrem Kopftuch unterwegs bin. Ach und bevor ich es vergesse: danke liebe AfD, dass ihr uns den Juden in Deutschland wieder näher gebracht habt, sie beschneiden wie wir und sie schächten wie wir und sie praktizieren ihre Religion mit Hingabe, so wie wir.

Vielen Dank.

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