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Von Arianna, Sprachen und kulturellem Verständnis

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Sehen wir uns einmal um: Wir leben in einer globalisierten Welt, in der wir täglich mit Menschen zu tun haben, die andere Sprachen sprechen und deren Leben durch individuelle Kulturen geprägt sind. In den meisten Fällen hängt der Erfolg unserer Interaktionen mit anderen Menschen nicht nur von unseren sprachlichen Fähigkeiten ab. Es kommt auch darauf an, wie sehr wir uns der kulturellen Unterschiede bewusst sind, und ob wir sie überwinden können.

Arianna Huffington ist ein Musterbeispiel dafür, wie Sprachkenntnisse und das Bewusstsein für andere Kulturen den Weg zu wirtschaftlichen Chancen und persönlichem Wohlstand ebnen können. Arianna ist in Athen aufgewachsen und hat dort Englisch gelernt. Damit stand ihr die Tür zum Girton College in Cambridge offen. Als The Huffington Post vor zwei Jahren ihre erste internationale Ausgabe Le Huffington Post in Zusammenarbeit mit Le Monde und dem französischen Mediengiganten Les Nouvelles Editions Indépendantes startete, erinnerte sie sich gern daran, dass ihre erste Reise außerhalb Griechenlands sie mit 11 Jahren nach Paris geführt hatte. Sie sagte, sie begrüße die Gelegenheit, ihr „eingerostetes Französisch wieder zu aktivieren" und gab auch zu, „Französisch mit einem leichten griechischen Akzent" zu sprechen. Sie versicherte der Huff-Gemeinde außerdem, dass Le Huffington Post auf Französsich erscheinen werde. Ihr Argument: „[Diese Ausgabe] wird, wie Frankreich selbst, eine eigene Persönlichkeit haben und die Welt aus ihrer eigenen Perspektive betrachten." Arianna hat erkannt, wie Sprache und Kultur entscheidend dazu beitragen können, dass die Welt Frankreich und die Franzosen besser versteht.

Dieselbe wichtige Botschaft vermittelte Arianna auch letztes Jahr in Spanien, als dort El Huffington Post in Zusammenarbeit mit El Pais an den Start ging. Ihr Ziel war es „die Leser in Spanien und spanischsprechende Menschen auf der ganzen Welt, sowie alle, die sich für Spaniens Menschen, Probleme und seine reichhaltige Kultur interessieren, zum Dialog einzuladen."

Arianna sprach aber auch über verpasste Chancen. Als sie das Debüt der Huffington Post Deutschland im Oktober 2013 ankündigte, sagte sie, dass sie schon lang vorhatte, Deutsch zu lernen - eine Sprache, die ihre Mutter fließend sprach. Arianne bedauert heute, dass sie sich diesen Wunsch nie erfüllt hat. „Als ich 40 wurde, habe ich eine Liste mit allen Dingen erstellt, die ich realistisch betrachtet in meinem Leber wohl nicht mehr schaffen werde. Neben Skifahren war auch Deutschlernen auf der Liste. Heute bin ich froh, dass ich meine Ski-Versuche aufgegeben habe, aber ich bereue immer noch, dass ich nicht Deutsch gelernt habe. Deswegen beschränkt sich mein Deutsch leider auf den übermäßigen Gebrauch des Wortes "Zeitgeist"."

Ariannas Erfahrungen zeigen, dass kulturelle Kompetenzen in unserer zunehmend globaleren Wirtschaft immer wichtiger werden. Eine kürzlich vom British Council durchgeführte internationale Umfrage zeigte sogar, dass Manager auf der ganzen Welt Mitarbeiter mit interkultureller Kompetenz bevorzugen, da diese kulturelle Kontexte und Sichtweisen besser verstehen, sich schneller an wechselnde Bedingungen anpassen und gut in kulturell gemischten Teams arbeiten können.

Im Grunde entwickeln wir Sprachkenntnisse und globale Kompetenz, indem wir uns anderen Kulturen und Ideen aussetzen und uns fortbilden. Man muss dazu nicht in Europa aufgewachsen sein oder dieselben Erfahrungen wie Arianna gemacht haben. Schüler haben heute die Gelegenheit, in der Schule Fremdsprachen zu lernen - auch wenn der Sprachunterricht eigentlich schon in der Grundschule beginnen müsste, um wirklich profunde Kenntnisse zu vermitteln. Für alle, die ihre Schulzeit schon hinter sich haben, bleiben immer noch viele Möglichkeiten, sich jederzeit und überall der Fremdsprache auszusetzen: sei es durch Zeitungsartikel, Twitter-Feeds oder Reisen. Am effektivsten ist es, voll in die Sprache einzutauchen, im Rahmen von Austauschprogrammen, Studienaufenthalten im Ausland oder Reisen. Die moderne Technik bietet jedoch noch mehr Möglichkeiten, auf motivierende, unterhaltsame Weise die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern und mehr kulturelle Kompetenz zu erwerben. Soziale Netzwerke ermöglichen es Lernenden heute, Gleichgesinnte auf der ganzen Welt zu finden, mit denen sie eine Sprache lernen und üben und sich dabei gleichzeitig über Kultur und gemeinsame Interessen austauschen können. Reisende können schon vor der Abfahrt Kontakte knüpfen und Freunde finden. So wird ein Aufenthalt im Ausland zu einer authentischen Erfahrung, an die man sich gern erinnert.

Was können wir also von Arianna lernen? Lektion 1: Menschen, die mehrere Sprachen sprechen und andere Kulturen verstehen, haben einen deutlichen Vorteil in der Weltwirtschaft. Lektion 2: Wer fremde Sprachen und Kulturen versteht, kann Unterschiede leichter überwinden und andere Menschen und ihre Kulturen besser kennenlernen. Lektion 3: Die moderne Technik bietet neue Wege, mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Lektion 4: Es kommt nicht darauf an, ob Sie Französisch mit einem griechischen Akzent sprechen. Sprechen Sie einfach!

Übersetzt aus der Huffington Post USA von Bettina Koch. Hier geht's zum Original

 
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