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"LEMUREN", 38. BLOG

01/12/2017 08:41 CET | Aktualisiert 01/12/2017 08:41 CET

Entwicklung zum Materialismus II

Mit der Erfindung der Maschinen gelang dann im 18. Jahrhundert ein gigantischer Schritt Richtung Unabhängigkeit: Das patriarchale Gehirn fand ganz neue Möglichkeiten, die Natur zu „verbessern" oder auch partiell „auszuschalten". Zu den Maschinen gesellten sich nach und nach die Tausendschaften an Geräten und anderen Hilfsmitteln und ermöglichten ein völlig neues Arbeiten und Forschen. Heute werden sogar an den Genen von Pflanzen, Tieren (und heimlich Menschen) zur Verbesserung einzelner Eigenschaften Manipulationen vorgenommen. Überhaupt wurden in der Neuzeit immer mehr natürliche Gegebenheiten infrage gestellt und verändert. Die Chemie feierte Triumphe bei der Herstellung von Arzneimitteln. Das Leitmotiv aller patriarchal orientierten Völkerschaften, „Macht euch die Erde Untertan", trieb zu immer neuen Erfindungen und Entdeckungen. Die dunklen Ängste und Ahnungen der Vergangenheit wichen einer Art hochmütigem Trotz: „In 50 Jahren können wir Gott im Reagenzglas herstellen."

Treten wir geschichtlich noch einmal einen Schritt zurück und betrachten, was sich bei uns um etwa 1.200 v. Chr. (Einfall der Dorer in Griechenland) als Ideal der Menschheit herausschälte, so stoßen wir auf indogermanische Charakteristika, denen wir urbildlich bei den Beschreibungen von Sparta, überhaupt bei allen Heldensagen: der Griechen, Kelten, Germanen, Römer, Inder und anderer begegnen. Stets werden Heldenmut und Heldentod verherrlicht, dazu die hohe Bewertung von Männerstolz und Ehre. Härte gegen sich selbst bis zur Selbstkasteiung, übermenschliche Selbstüberwindung im Ertragen von Naturzwängen wie Hunger, Durst, Hitze, Kälte und dergleichen. Der Held ist eine Form des Übermenschen, halb göttlich, wie der Heros im Griechischen, stärker als alle Lebens- und Naturwidrigkeiten und jedem Feind überlegen, wenn schon nicht körperlich, dann von seiner inneren Haltung her. Und er ist seiner Ehre und damit der Ehre seiner Familie, seiner Gefolgsleute und seines Stammes deutlich mehr verpflichtet als seinem oder irgendeinem anderen Leben.

Wenden wir uns der Gegenwart zu, so finden wir solcherart Ideale noch immer bei unseren männlichen Zeitgenossen im Unterbewusstsein ticken: Bei etlichen Völkern auf der Stufe des mehr äußerlich Heldenhaft-Kämpferischen (wie z. B. bei den Serben und anderen Beteiligten des Balkankriegs) oder des heldenhaften Sich-Opferns (wie z. B. bei den Polen); bei den weniger kämpferisch-aggressiven aber durchaus noch in der Lebens- und Arbeitsweise und in den Ansprüchen an sich und andere.

„KÜHLER KOPF, STEINERNES HERZ UND EISERNER WILLE",

so oder ähnlich lassen sich z. B. die Ideale für den heutigen Mann mit modernen Führungsqualitäten beschreiben. Eine fragwürdige Mischung für jede Form sozialen Lebens, aber noch immer begehrt und gesucht bei der Wahl zu Managerposten und anderen führenden Stellen im Wirtschafts- und Rechtsleben. Zwar wird ständig beteuert: „Wir haben doch längst die Probleme des Patriarchats hinter uns gelassen", doch schaut man nur genauer hin, so sieht man, wie sie unter der Oberfläche modernen Denkens, Fühlens und Wollens noch recht lebendig mitmischen. Und wir erleben, dass die menschheitlich wichtigsten Berufe: Alten- und Krankenpflege, Kindererziehung, Unterrichten, Lebenshilfe, Begleitung und Versorgung von Alten, Kranken und anderen Bedürftigen, also Berufe, in denen eher „weibliche" Qualitäten im Vordergrund stehen, von ihrem sozialen Ansehen her so wenig geachtet sind, dass in ihnen Niedriglöhne gezahlt werden, was viel über das Ansehen und die Bewertung dieser Tätigkeiten aussagt. Im Vergleich dazu:

Monatslohn Altenpflege: Ø 2.172 €,

Monatslohn Ärzte: Ø 6.981 €,

Monatslohn Politiker: Ø 21.713 €.

Und dabei werden von der Beanspruchung des Pflege- und Helferpersonals her immer mehr Alte auf eine einzige Altenpflegerin, immer mehr Kranke auf eine einzige Schwester, immer mehr Schüler auf eine einzige Lehrerin, immer mehr Behinderte auf eine einzige Heilpädagogin gerechnet - bei permanent sinkenden Reallöhnen.

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