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"LEMUREN", 37. BLOG

24/11/2017 08:39 CET | Aktualisiert 24/11/2017 08:40 CET

Entwicklung zum Materialismus I

Wie aber verlief die Entwicklung vom Eingebettet-Sein der matrifokalen Völker in die Natur bis zu unserer heutigen Heimatlosigkeit auf der Erde? Gehen wir 150 - 200 Jahre in der Geschichte zurück, so finden wir die Natur-Bindung der Menschen zwar seelisch noch gegeben, physisch aber bereits als Zwang oder Strafe erlebt.

„Blättern wir in den Tagebüchern unserer Großeltern", schrieb 1937 der Forscher Adolf Spamer, „so tritt uns eine Welt entgegen, der die Abläufe des kosmischen Jahres in weit höherem Maße Schicksal waren, als wir uns heute vergegenwärtigen können." Sobald die winterliche Schneedecke über die Erde gebreitet lag, drohten dem Menschen ganz real Hunger, Not und Tod - da gab es keinen entrückten Blick auf Natur-Schönheiten! Da herrschte Furcht, die Angst vor dem undurchschaubaren Geschick. Das unbefangene Genießen der Natur wurde erst später mit dem Freiwerden des Menschen von Boden, Vieh und Wetter möglich.

In den gebirgigen Höhenlagen war die Abhängigkeit von der Naturgrundlage noch stärker gegeben als in Tal oder Tiefland, am intensivsten aber wurde sie im hohen Norden erlebt: Jeder Regen, jede Dürre, jeder Sturm entschieden über künftiges Wohl oder Weh und wurden als persönliches Schicksal empfunden, als Gunst, Prüfung, Gnade oder Strafe der Götter. So nahm der Mensch hinter allem Geschehen mehr oder minder stark eine Götterwelt an oder wahr, die mit leuchtenden Fäden das menschliche Schicksalsgewebe flocht. Durch Gebete, Bräuche und Riten versuchte er, sich die dunklen Schicksalsmächte günstig zu stimmen.

Doch das ist nur eine Seite der geschichtlichen Wirklichkeit. Die andere verlief in kleineren Schritten und entwickelte sich unauffälliger und über längere Zeiträume hinweg: Diese Seite der Wirklichkeit ließ den Menschen zunehmend wacher und distanzierter in die Welt schauen und immer bewusster nach Möglichkeiten suchen, sich von den allgegenwärtigen Naturzwängen zu befreien. Das fehlende Tageslicht wurde durch Lichter und Lampen ersetzt, die fehlende Wärme durch Feuerstellen und Öfen. Das Essen für den Winter wurde nach wie vor im Sommerhalbjahr gesammelt, konserviert und gespeichert, aber die Konservierungsmethoden veränderten sich. Die Kräfte der Natur wurden immer öfter dafür eingesetzt, menschliche Arbeitskraft zu unterstützen und zu erleichtern. So entstanden früh die ersten Wasser- und Windmühlen. Aus den Wohnbereichen verschwanden allmählich Kälte, Feuchtigkeit und Dunkel. Die Naturgrundlage wurde immer stärker bearbeitet, verändert und dabei auch erkundet. Das „Macht euch die Erde Untertan" gerann zur physischen Realität.