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"LEMUREN", 36. BLOG

17/11/2017 17:11 CET | Aktualisiert 17/11/2017 17:11 CET

Wider die Natur

Rufen wir uns noch einmal kurz in Erinnerung, was die patriarchale Männergesellschaft als zur „Welt der Göttin" (oder zur „Welt der Frau") gehörig betrachtet hatte:

01. Die Große-Mutter-Göttin selbst;

02. alle Mädchen, Frauen und Greisinnen;

03. die Nacht; teils auch die Dämmerung;

04. Mond und Sterne, weil zur Nacht gehörig;

05. Menstruation, Defloration, Schwangerschaft, Geburt;

06. Erd- und Naturverbundenheit;

07. Lebenszyklen und -zusammenhänge;

08. natürliches, liebevolles Familien- und Gemeinschaftsleben;

09. Kinderaufzucht, Kindererziehung und -pflege;

10. alle Sachgebiete, wo weibliche Dominanz auftrat;

11. weibliche „Frohnatur und Lust zu fabulieren" (siehe Goethe!) u. v. a.

- Frauen und Erde: Die Erde wurde ursprünglich als Leib der Großen Mutter angesehen und so auch verehrt und behandelt. Nur die Frauen durften an ihr arbeiten. Die Erde war die Mutter Aller; sie war den Menschen-Frauen Mutter, Schwester und Tochter zugleich.

- Frauen und Natur: Die Natur war eine Wesensseite der Erde, zugleich aber auch eine solche der Frauen. Während sich letztere wie Geschwister oder Kinder der Natur empfanden und sich darin eingebettet erlebten, standen die Männer der patriarchalen Völker ihr eher wie Jäger oder Krieger gegenüber. In ihrem Entwicklungsgang war die ursprüngliche Einheit zwischen Mensch und Welt bereits verloren.

- Frauen und Sozialwesen: Das Sozialwesen orientierte sich in der alten Welt an den Frauen. Alles hatte mit Familie, Verwandtschaft, Gemeinschaft zu tun und wurde nach uralten matrifokalen Gesetzen gehandhabt, die sich aus der Verbundenheit der Frauen mit der Göttin, der Erde, der Natur und allen Wesen ableiteten.

- Frauen und Lebensweise: Die matrifokale Sozialstruktur ließ nur EINE Lebensweise zu, eine in die natürlichen Kreisläufe des Lebens, der Natur, der Erde eingebettete zyklische Lebensweise. Die Elemente dieser Lebensweise, Geburt, Leben/Lieben, Tod und Wiedergeburt waren heilig. Es ist nicht auszuschließen, dass eine dazumal noch vorhandene Hellsichtigkeit diese Anschauung unterstützte (letzteres ist allerdings spekulativ).

Um eine solche Hellsichtigkeit etwas zu entmystifizieren, brauchen wir Heutigen allerdings ein paar klärende Gedankengänge:

1. Zuerst einmal müssen wir uns entscheiden, ob wir die (irdische) Menschheitsentwicklung als Produkt einer rein zufälligen Evolution betrachten wollen oder als sinnvolle Entwicklung mit konkreten Entwicklungszielen.

2. Weiter müssen wir uns klarmachen, dass in letzterem Falle alle Lebensstationen, auch Geburt, Begegnungen, Tätigkeit und Geschehnisse nicht mehr bloß „zufällig" (im heutigen Wortsinn), sondern bedeutsam und sinnvoll sind. Wir sind bisher außerstande, das zu durchschauen.

3. Sodann müssen wir uns vergegenwärtigen, was Liebe, Ehe und Familie menschheitlich gesehen bedeuten: Dass wir durch sie in die gesamte Menschheitsentwicklung eingewoben sind und selbst eingreifen, wobei wir das Schicksal Anderer, ja sogar künftiger Generationen beeinflussen.

4. Schließlich kommen wir nicht umhin, in all dem sinnvollen Walten (des Schicksals und der Naturgesetze) die Anwesenheit und Hilfe von Göttern, „Wesen" oder Engeln zu akzeptieren, ohne die eine solche alles umfassende weisheitsvolle Sinnhaftigkeit undenkbar wäre.

Sind alle diese Gedankengänge nicht mehr rein akademisch-intellektuell, sondern als selbstverständliches Lebensgefühl vorhanden, so mag der Begriff „Hellsichtigkeit" schon etwas weniger mysteriös anmuten.

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