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"LEMUREN", 35. Blog

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An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen IV

Um das Beispiel mit den Asylanten nun auf das Thema „Abtreibung" umzumünzen, müssen wir nur nach dem dort beschriebenen Muster verfahren: Alle Begleitumstände werden in die Schublade mit dem Ausgangsproblem hineingepackt, die Mischung als Ganzes betrachtet und nach „Lösbarkeit" abgeklopft:

01. Die Begriffe „Mord" oder „Töten" dürfen hierbei gar nicht erst auftauchen (viel zu emotional)! Wir verwenden stattdessen den Euphemismus „Abtreiben", eine verschönernde Umschreibung. Sie erinnert so ein wenig an „Austreiben" (den Teufel) oder an „Abtrieb" (den der Kühe von der Alm), was deutlich ungefährlicher klingt.

02. Sodann richten wir den Blick auf die Nöte und Probleme vergewaltigter Frauen und sagen: „Schlimm, schlimm, wie gut, dass man abtreiben kann! Oder wir blicken auf Krankengeschichten, wo es um das Retten von entweder Mutter oder Kind ging, was eine klare Entscheidung contra Kind verlangte.

03. Die Millionen von unvorhergesehenen Schwangerschaften, die zeitlich, vom Lebensalter, der Lebenssituation oder den Umständen her nicht so ganz „passen", reihen wir ins Gefolge der „schweren Schicksale" ein, weil die Schwangerschaft ja einen „Knick" im bisherigen Lebensverlauf mit sich brächte und damit eine ganz andere Biographie als die angedachte erzwänge. Und nur letztere wäre die ursprüngliche, also „die richtige".

04. Nun betrachten wir als nächstes den befruchteten Keim im Mutterleib: Da er anfangs noch keine menschliche Gestalt erkennen lässt, ist er also kein Mensch (als wenn er bei seiner Weiterentwicklung auch etwas anderes werden könnte, z. B. ein Räupchen oder ein Gorilla). Wir nennen den keimenden Menschen stattdessen einen „Zellhaufen".

05. Nun können wir in aller Seelenruhe nach den Richtlinien RICHTIG oder FALSCH wählen, ob wir uns für Schwangerschaft oder Abbruch entscheiden.

Da jeder befruchtete Keim auf alle Fälle ein Mensch geworden wäre (und eben nichts Anderes), kommen wir ehrlicherweise nicht darum herum, bei einer Abtreibung von Kindermord zu sprechen. Die Frage, die sich dabei stellt, ist aber: Gäbe es denn überhaupt eine Alternative zu solch einer Entscheidung? Und da zeigt sich schnell, dass humanere Lösungswege in dieser patriarchalen Welt mit ihren alten Gemeinschaftsformen, Impulsen und Zielen gar nicht ohne weiteres möglich sind. Unsere patriarchale Welt schafft überall dort Sachzwänge, wo vom patriarchalen Muster und Konzept abgewichen werden müsste.