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"LEMUREN", 34. Blog

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An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen III

Blicken wir nun auf die konkrete Situation ab Mitte Oktober 2015: Tausende von Flüchtlingen aus dem von Krieg und Bürgerkrieg heimgesuchten Syrien, aber auch aus anderen Regionen mit Krieg oder extremer wirtschaftlicher Not fliehen, zum Teil unter Lebensgefahr und katastrophalen Umständen Richtung Mitteleuropa. Viele von ihnen wurden und werden daheim verfolgt, haben Angehörige verloren, unter Todesangst Bombardements und feindliche Angriffe überlebt, Grenzen legal und illegal überschritten und Gewässer durchquert; sie haben bei sinkenden Temperaturen und Nässe mit kleinen Kindern in Zelten übernachtet, gehungert und gefroren. Viele sind traumatisiert, die meisten bettelarm geworden. Und nun wird in einem Land, das als eines der reichsten Länder der Welt gilt, über die „Lösung" der Flüchtlingsfrage nachgedacht. Drei Haltungen schälen sich dabei heraus, die als repräsentativ für einen Großteil der Bevölkerung gelten können:

1.) Wo Not ist, muss man helfen!
2.) Wir können gar nicht alle Asylanten aufnehmen!
3.) Grenzen dicht, wir wollen unter uns bleiben!

Position 3.) ist klar und braucht nicht kommentiert zu werden. Die Positionen 1.) und 2.) sind dagegen hervorragend geeignet, um matrifokale und patriarchale Betrachtungsweisen daran zu studieren:

1.) Da sind Menschen in Not, denen müssen wir helfen. Das Wie ist eine andere Frage. Gemeinsam schaffen wir das.
Diese Einstellung entspricht dem, was man „matrifokale Blickweise" nennen könnte: Wir sehen ein konkretes Elend, Menschen sind in Not. Da müssen wir helfen, kein Wenn und Aber. Auch das Wie bekommen wir irgendwie schon hin, Andere werden uns dabei helfen. Hier wird aus Mitgefühl, aus dem Herzen heraus geurteilt und entschieden.

2.) Da kommen Menschen in einer Anzahl, die auf Dauer gar nicht „verkraftet" werden kann. Sehr bald werden wir weder die Möglichkeit noch die Mittel haben um alle aufzunehmen. Also müssen wir die Grenzen schließen. Es wäre verantwortungslos, so zu tun, als könnten wir allen helfen.
Diese Haltung spiegelt das, was man sich unter „patriarchaler Blickweise" vorstellen kann. Wir sehen ein konkretes Elend, Menschen sind in Not. Wir sehen aber auch unser konkretes Land und seine Bevölkerung: Ein Teil unserer Landsleute will helfen, ein Teil hält sich raus, ein Teil stimmt prinzipiell gegen Fremde. Wir haben nicht genug Wohnraum, nicht die Infrastruktur, nicht genug Ämter, nicht genug Beamte, nicht genug Übersetzer, nicht genug Lehrer zum Integrieren so vieler Fremder. Und außerdem steht der Winter vor der Tür. Wir können das alles gar nicht schaffen, schon gar nicht unter dem herrschenden Zeitdruck, es ist unvorstellbar, Integration in einem solchen Ausmaß hinzubekommen. Dutzende Parallelgesellschaften werden entstehen, die Kriminalitätsrate wird hochschnellen, Frauen und Mädchen können nach Einbruch der Dämmerung nicht mehr allein auf die Straße usw.

FAZIT: Es geht im Patriarchat prinzipiell nicht um „SPONTAN MENSCHLICHE", sondern stets um „OBJEKTIV RICHTIGE" Lösungen. Der patriarchal Orientierte sieht zwar ebenfalls Not, Elend und Leid, nimmt aber zusätzlich alles andere darum herum wahr und stellt es neben die ursprüngliche Wahrnehmung. Dadurch kommt er nie oder nur selten in die Verlegenheit, ausschließlich aus menschlichem Mitgefühl heraus urteilen oder handeln zu müssen: Er relativiert und „verdünnt" die „gefühlslastigen" Fakten nämlich durch ein breit gefächertes Angebot an Begleitumständen, Aufgabenstellungen, Erfordernissen und Einschätzungen, die es ihm ermöglichen, vom Herzmodus auf den Kopfmodus umstellen zu können und damit zu einem „objektiven Abwägen" nach „RICHTIG" oder „FALSCH" zu gelangen. Kopf statt Herz, denn dabei hat man endlich wieder „festen Grund unter den Füßen". Das fühlt sich sicherer an, als aus dem Herz-Bereich mit seinen so unberechenbaren Gefühlen heraus agieren zu müssen.