BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Michael Duesberg Headshot

"LEMUREN", 33. BLOG

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen II

Betrachten wir doch dieses Phänomen Abtreibung einmal etwas genauer! Es ist schließlich nicht selbstverständlich, massenhaft Kinder zu ermorden. Wir wollen dabei den „argumentativen Weg" verfolgen, den wir selbst innerlich gegangen sind, bis auch uns eine solch schwerwiegende Entscheidung irgendwann als selbstverständlich erschien. Dass wir alle, die wir seit über 4.000 Jahren im patriarchalen Fahrwasser schwimmen, patriarchal denken, fühlen und handeln, wird niemanden verwundern. Wir saugen diese Impulse quasi mit der Muttermilch ein. Wir kommen bei der Geburt in patriarchal gestaltete Sozialformen, als da sind: Unser Elternhaus mit Mutter und Vater in Monogamie, unsere Dorf- oder Stadtgemeinschaften, unser Land, Staat, Staatenbund, Vereine, Zusammenschlüsse, die gesamte Sozialstruktur. Unsere Kultur ist patriarchal durchgeformt bis in den letzten Zipfel. Unsere Geschichtsbücher geben die Historie aus Sicht der Männer wieder, die so deprimierend öde wie einseitig ist („Fürsten und Kriege"). Unsere Wissenschaftler erforschen, was von „Männerbünden" zu erforschen als wert erachtet wird. Von Vorurteilslosigkeit kann dabei bestimmt nicht gesprochen werden. Unsere Religion: Ebenfalls erzpatriarchal, die typische „Sozial-Pyramide".

Doch wie kommen wir dazu, eine so grausige Sache wie den konventionellen Kindermord bei uns selbst und anderen zu akzeptieren? Dazu sei ein Fallbeispiel aus dem Jahre 2015 skizziert, welches inhaltlich zwar auf einem anderen Felde liegt, das Phänomen „patriarchalische Weltsicht" aber treffend beschreibt:

Was uns im Jahre 2015 deutschlandweit vehement beschäftigte, war die sog. „Flüchtlingsfrage". Auslöser dafür finden sich in kriegerischen oder umstürzlerischen Manipulationen der Westmächte im Nahen Osten und in Afrika, wie sie für das entwickelte Patriarchat kaum charakteristischer sein könnten. Der Gesichtspunkt, unter dem solche Manipulationen statthaft erscheinen, nennt sich „Geopolitik". Der Verlauf solcher Manipulationen lässt sich etwa so zusammenfassen:

Die Herren der Schöpfung meinen (wieder einmal), irgendwo in der Welt etwas (machtpolitisch, sozial oder wirtschaftlich) verändern zu müssen, weil ihnen das Bestehende nicht passt. Also wird dort „gezündelt", bis der „Tatort" lichterloh brennt. Nach einer Weile zeigt sich dann, dass die eingetretene Situation schlechter ist als diejenige, welche verändert werden sollte. Deshalb müssen die Negativ-Folgen der Manipulation nun auch wieder „überarbeitet" werden; die hierbei angedachten Korrektur-Maßnahmen sind jedoch so einseitig patriarchal, dass sie neue Negativ-Folgen nach sich ziehen. Wie in der Pädagogik: Seit Jahrzehnten jagt eine Reform die nächste.

SO HANGELT SICH DAS PATRIARCHALE BEWUSSTSEIN
(stolz ob seiner intellektuellen Potenz )
VON KATASTROPHE ZU KATASTROPHE.

Doch nun zu unserem Beispiel: