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"Lemuren", 28. Blog

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Gewalt bis heute

Leider gehen seit dem Beginn der Neuzeit das männliche Ich und der Materialismus eine unheilige Ehe ein, die dem Materialismus als Weltsicht geradezu Religionscharakter bescherte. Seine Proselyten sagen: „Wer nicht an den Materialismus glaubt, ist krank im Hirn". Da der Materialist Unsichtbares, Unmessbares leugnet, scheint er immer recht zu haben, weil er Sichtbares und Messbares ja hervorragend belegen kann und alles andere nicht existiere. Nach Art aller unduldsamen Religionen erhebt auch der Materialismus den alleinigen Anspruch auf die Erkenntnis von Wahrheit und Wirklichkeit, über die er dank seiner Unfehlbarkeit urteilt und verfügt, und da er zum quasi-theologischen Dogma aufgequollen ist, verdammen seine Anhänger all Jene, die an ihm zweifeln: „Die sind krank; die gehören in die Anstalt." Welche verheerenden Wirkungen im Lebendigen er selbst entfaltet, entgeht seinen Vertretern. Wir werden das Thema in einem der folgenden Großkapitel weiter ausführen.

Seitdem ins allgemeine Gedankengut der Christenheit übergegangen war, dass „die Frau heimlich mit dem Teufel im Bunde steht", schlugen ihr in den Lebensbereichen, die besonders zu ihr gehören, Misstrauen, Verachtung und Abscheu entgegen. Dies betraf vor allem die Bereiche Menstruation, Defloration, Beischlaf und Geburt. Damit ging auch einher, dass Frauen zunehmend sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Wenngleich das Frausein um der Gebärfähigkeit willen auch gelegentlich verherrlicht wurde - der Akt an sich, der dem Kinderkriegen vorausging, blieb anstößig, ja viehisch, und die Sexualität der Frau war obszön. Dies war mit einer der Gründe, warum die Muttergottes jungfräulich zu empfangen hatte.
Einer Studie zufolge werden in Großbritannien 30 Prozent der Frauen ab dem 16. Lebensjahr mindestens einmal in ihrem Leben Opfer häuslicher Gewalt durch ihre Partner. Eine andere Studie der University of East London ergab, dass die Rate häuslicher Gewalt in England um etwa 30 Prozent anstieg, immer wenn die englische Fußball- Nationalmannschaft Spiele gewann oder verlor.
Laut Gewaltbericht des österreichischen Bundesministeriums für Soziale Sicherheit und Generationen aus dem Jahr 2002 war nach Dunkelfeldschätzungen jede fünfte bis zehnte in einer Beziehung lebende Frau von schwerer Gewalt betroffen. Zwei Drittel aller Morde werden im Familienkreis begangen, in 90 % der Mordfälle sind Frauen und Kinder die Opfer. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass es eine der wichtigsten Erkenntnisse von Praxis und Forschung in den letzten Jahren gewesen sei, „dass Gewalttaten an Frauen in der Familie nicht als einzelne, isolierte Handlungen gesehen werden dürfen, sondern einer Dynamik unterliegen vergleichbar mit Situationen in Gefangenschaft mit oder unter Androhung von Folter, Terror oder Geiselnahme. Der Unterschied ist nur, dass im häuslichen Umfeld Gefangenschaft und Terror für die Außenwelt kaum wahrnehmbar sind. Und die Opfer? Warum fliehen sie nicht? „Selbst wenn die Türen offen stehen, fällt es schwer, das Gefängnis zu verlassen."
In den USA werden jährlich rund 4 % aller Ehefrauen von ihren Ehemännern schwer misshandelt, ca. 12 % erleben „leichtere" Formen der Gewalt. Das Justizministerium der Vereinigten Staaten gibt an, dass im Jahre 2007 Frauen 70 % aller Opfer ausmachten, die von ihrem Partner ermordet wurden, und dass sich diese Zahl seit 1993 nur sehr wenig verändert habe. Zwischen 1993 und 2007 ging die Zahl der durch einen Partner ermordeten Frauen von 2.200 auf 1.640 Opfer zurück (-26 %). US-amerikanische Studien heben hervor, dass circa 20 bis 25 Prozent der Arbeitsausfälle von Frauen auf häusliche Gewalt zurückzuführen sind.