BLOG

"Lemuren", 26. BLOG

10/08/2017 18:51 CEST | Aktualisiert 10/08/2017 18:52 CEST

Goethe schreibt in den ersten vier Zeilen Mann und Frau verschiedene Wesenszüge zu, die durch die unterschiedliche Dominanz ihrer bei beiden vorhandenen Wesensglieder zustande kommen:

Vater: "Statur" ► Leib. "Ernstes Führen" ► Wesenskern, Geist, Ich

Mutter: "Frohnatur" ► Lebensorganisation, Temperament. „Lust zu fabulieren"

Seele, Empfindung, Gefühl

Gemäß dieser Betrachtungsweise sind beim Manne Leib und Wesenskern (Ich), bei der Frau Temperament und Seelisches dominant, das heißt, dass sie sich jeweils nach außen richten. Beide Geschlechter verfügen über alle vier genannten Wesensglieder, doch je zwei derselben richten sich mehr nach außen, zwei mehr nach innen, und das sind bei Mann und Frau eben verschiedene.

Knapp vier Jahrzehnte später, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, finden wir eine vergleichbare Wesensgliederung des Menschen in der Theosophie der Helena Petrowna Blavatsky wieder. Deren Theosophische Gesellschaft wurde 1875 in New York gegründet. Die Lehre von den Wesensgliedern scheint nun nicht eine weitere ausgedachte Hypothese zu sein, die ein konstruiertes Denksystem über die Erscheinungen von Natur und Mensch ausbreitet, sondern sie orientiert sich offensichtlich an beobachtbaren Phänomenen:

Physischer Leib, Ätherleib, Astralleib, Ich

Der physische Leib ist aus Materie aufgebaut, aus Erdenstoff. Das verbindet den Menschen mit Stein, Pflanze und Tier, deren Leiber ebenfalls aus den Elementen der Erde gebildet sind. Im Gegensatz zu den anderen, den nicht-physischen Wesensgliedern, können sich die physischen Leiber nicht durchdringen, sondern stehen in einem räumlichen Verhältnis und halten Distanz zueinander.

Der Ätherleib, zuständig für Temperament, Gedächtnisfähigkeit, Lebens-, Regenerations- und Heilungskräfte, ist unser niederster „geistiger Leib". Er durchzieht den physischen Leib mit Leben, so wie er auch Pflanze und Tier mit Leben begabt. Er liegt bewusstseinsmäßig tief im Dunkeln des Unbewussten. Aus ihm steigen auch die Triebe auf, die uns am Leben erhalten, Hunger, Durst, Sexualität u. a. Wir bedienen uns seiner beim Hervorholen von Erinnerungen, weil er alles Erlebte eingraviert in sich trägt. Er ist Teil dessen, was im Judaismus und Christentum als „Buch des Lebens" bezeichnet wird.

Der Astralleib, im Volksmund „Seele" genannt, ist zuständig für Denken, Fühlen und Wollen. Wir haben ihn mit dem Tierreich gemeinsam, doch ist dessen Astralleib schlichter. Er liegt im Dämmerlicht des Traumhaft-Halbbewussten. Mit ihm sind wir einerseits künstlerisch-schöpferisch tätig, andrerseits liegen in ihm auch die animalischen Lüste und Begierden verankert, gegen welche wir mit unserem Ich unentwegt „anzukämpfen" bemüht sind.

Das Ich hat drei verschiedene Seiten:

► Da gibt es jenes Ich, das unserem Urbild entspricht, gewissermaßen das zukünftige, dereinst erst voll entwickelte „engelgleiche" oder „göttergleiche" Ich, das wie ein Ideal über dem Menschen „schwebt".

► Sodann jenes Ich, mit dem wir uns im Alltag selbst benennen, das aber noch nicht voll entwickelt ist, sondern zurzeit nur einen „Schattenwurf" des ersteren darstellt.

► Und schließlich den „Schlagschatten" unseres Alltags-Ichs, den Egoismus. Der scheint auf den ersten Blick negativ zu sein, weil er selbstisch und damit unsozial ist, doch er verbindet uns gleichzeitig auch mit den (begehrten) Dingen und Wesen um uns her.

Sponsored by Trentino