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"Lemuren", 21. BLOG

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Beschneidung und Mord

Hier noch einmal Rosalind Miles aus „Weltgeschichte der Frau":

Vom Beginn der monotheistischen Religionen bis zum 12. Jahrhundert n. Chr. konzentrierte man sich bei der Initiation einer Jungfrau ins Geschlechtsleben ausschließlich auf die Vagina, den „Ort des Teufels", niemals auf die Besitzerin derselben. Die Vagina war angeblich am gefährlichsten, wenn sie zum ersten Mal penetriert wurde. Also musste der Mann irgendwie geschützt werden. Beim Durchstoßen des Hymens tauchte er ja sein verwundbarstes Körperteil in den „Springbrunnen des Blutes". Jahrhundertelang glaubte man dieses Risiko vorsichtshalber auf einen Gegenstand abwälzen zu müssen:
„Es gab im alten Ägypten, wie es heute noch in Indien und Persien der Fall ist,.....Kulte, in denen jede Jungfrau vor der Ehe gezwungen wurde, sich auf den goldenen Phallus des Sonnengottes zu setzen, so dass ihr Hymen blutig zerrissen wurde. Jungfernblut, das sonst als schmutzig galt, wurde durch diesen Akt geheiligt. Und kein anständiger Jüngling heiratete ein Mädchen, das nicht auf diese Art geweiht worden war."
Alternativ dazu kamen auch fremde Männer als Deflorationsinstrument zum Einsatz. „In vielen Regionen des Orients galt das Entjungfern als Aufgabe des Pförtners." Besonders Männer aus höheren Kasten „zogen es vor, die Braut mit einem Eisenstab zu penetrieren oder von einem schwarzen Sklaven entjungfern zu lassen, als sich bei diesem Akt zu beflecken." In Nordeuropa nahm ein älterer Mann diese Gefahr für den Bräutigam auf sich. Denn seine größere Kraft und höhere Stellung sowie sein persönliches Desinteresse an der Jungfrau schützten ihn angeblich vor dem Bösen. Vater, Onkel, älterer Bruder oder Lehnsherr des Bräutigams kamen als Ersatzmänner in Frage. Wenn der junge Mann dem Militär angehörte, ging das „Recht auf die erste Nacht" (droit de seigneur) auf seinen Vorgesetzten über. Bei solchen Anlässen setzte sich kameradschaftliche Großherzigkeit über etwaige Rücksichtnahme des Ehemanns hinweg. Ein Beispiel aus der türkischen Armee: Bei einer Zeremonie, die hier „das Öffnen des Kabinetts" genannt wurde, musste eine jungfräuliche Braut in einer Nacht Geschlechtsverkehr mit 100 Regimentskameraden des Bräutigams über sich ergehen lassen. Kaum verwunderlich, dass viele arabische Länder Kleinasiens eine Version des Begriffs „seyyib" kennen, welches eine Frau beschreibt, die aufgrund einer äußerst brutalen Defloration im Schockzustand von ihrem Bräutigam davongelaufen ist. Nachdem die „seyyib" am eigenen Leib erfahren hatten, wie frei oder maßlos Männer mit dem „Jus primae noctis" umgehen, wurden die meisten von ihnen nicht mehr lebend gesehen.
Es liegt in der Natur der Sache, dass nur wenige, lückenhafte Darstellungen von Frauen selbst uns überliefert wurden. Für die meisten von ihnen musste die Einführung ins Sexualleben traumatisch gewesen sein: Sie wussten nicht, was sie erwartete. Sie kannten den betreffenden Mann nicht. Sie hatten, wenn überhaupt, die Kindheit gerade hinter sich. Ein hautnahes Zeugnis hinterließ die japanische Aristokratin Nijo. Um 1271 übergab ihr Vater die Vierzehnjährige dem betagten Kaiser GoFukasaka. Das erste, was Nijo von dieser Transaktion erfuhr, war, dass sie nachts aufwachte und den alten GoFukasaka in ihrer Schlafkammer vorfand. Dort „behandelte er mich so gnadenlos, dass ich nichts mehr zu verlieren hatte. Ich verachtete meine eigene Existenz", schrieb sie hernach in ihr Tagebuch.