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"Im Todeshauch der Lemuren", 19. BLOG

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Die Besiedelung der Kolonien

So wie die Frau unter die Herrschaft des Mannes geriet, so geschah es auch der Natur. Mit der industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann der Siegeszug der Technik, die sich der lebendigen Kräfte der Natur bediente und sie zum Antreiben toter Maschinen einspannte. Dabei wurden Natur und Frau aufs Schlimmste ausgenützt und missbraucht.
Zu gleicher Zeit begann der imperiale Raubzug einiger Völker über die ganze Erde: Zwischen 1796 und 1818 bemächtigte sich z. B. England Ceylons, Südafrikas, Indiens, Burmas (heute Myanmar) und Assams (im Nordosten Indiens). Engländer besiedelten auch den amerikanischen Kontinent und Australien. Bis 1842 kamen zu den bisherigen Kolonien noch Hongkong, der Pandschab, Kaschmir, Afghanistan und Singapur dazu. Ebenso bedienten sich Portugal, Spanien, Frankreich, Holland, Belgien, Deutschland und andere Nationen von dem großen Kuchen Erde und schnitten sich dabei ordentliche Stücke ab. Das Kolonisieren galt in den dazu fähigen Ländern als männliche Großtat für das eigene Land und die zum Teil brutalen Eroberungen als Heldentaten. Das Abschlachten „störender" Teile der Urbevölkerung war gewissermaßen ein „notwendiges Übel".

Da sich schnell zeigte, dass ohne die Teilnahme der Frauen alles Siedeln und Kolonisieren wegen des natürlichen Alterns und Aussterbens der Siedler zum Scheitern verurteilt war, wurden systematisch „gutaussehende und ehrlich erzogene Jungfrauen, besonders empfohlen wegen ihrer anständigen Herkunft" in die Kolonien verschickt, wo sie wie Vieh gehandelt und an „Besitzer" gegen Geld, Tabak oder andere Waren verteilt wurden. Zugleich kaperten findige Geschäftsleute arme oder elternlose Mädchen auf Londons Straßen und zwangen ihnen Arbeitsverträge für die nordamerikanischen Kolonien auf. Jedes Mittel war recht, wenn es nur dem Beseitigen des Frauenmangels in den betroffenen Regionen diente.