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"Im Todeshauch der Lemuren", 18. BLOG

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Durch das Zusammenwirken von patriarchaler Sozialform und deren theologischer Absegnung durch den höchsten Herrn im Himmel geriet die Frau nun auch moralisch unter Druck: Tat sie nicht so, wie der Mann wollte, so „sündigte" sie und war ein moralisch schlechter Mensch, eine Sünderin. Sie wurde zur Magd degradiert, zur „Dienerin des Herrn", wie schon die Mutter Jesu. Auch ihre Fruchtbarkeit unterlag seiner Verfügungsgewalt.
Die Schöpfungsgeschichte der Bibel betont, „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei" (Genesis 2,18) und begründet damit die Existenz der beiden Geschlechter. „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden ein Fleisch sein." Der Herr weist den Mann an, dass er mit seinem Weibe eines Fleisches sei. Auch soll er seinen Samen nicht zur Erde fallen lassen, also nicht verschwenden. Daher sind die „heiligen Ehen patriarchalischer Prägung" etwa alle zwei Jahre mit einem neuen Kind gesegnet. Rechnet man bei Mädchen mit dem damaligen Verheiratungsalter von etwa 14 Jahren, so konnte bis zum Klimakterium die stattliche Anzahl von 15 Kindern und mehr pro Familie zusammenkommen. Ohnehin galt ja: Viele Kinder - viel Segen - viel Ehre, noch aus der Zeit, als diese Rechnung mit Rinder-, Pferde- oder Schafherden aufgemacht wurde. Dadurch wurde ein Bevölkerungswachstum in Gang gesetzt, das in indirektem Zusammenhang zum späteren Glauben an das unbegrenzte wirtschaftliche Wachstum der Industrienationen steht: Je größer die Herde, die Landfläche oder die Kinderschar, desto mehr Ansehen genoss der Herr.
Bei Paulus steht im 1. Korintherbrief, Vers 8: „Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann." Und in 1. Korinther, 11,3 und Epheser 5,22: „Das Haupt der Frau ist der Mann." Im 1. Buch Mose (3,1) spricht Gott der Herr: „Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen." Das Postulat von der seit dem patriarchalen Gottesbild behaupteten Unreinheit der Frau, ihre Herabsetzung und Entwürdigung sind die Hauptursachen aller Gewalt gegen Frauen. Nach Dr. Kirsten Armbruster liegen hier die Wurzeln zu:

sexueller Gewalt gegen Kinder und Frauen
Gewalt gegen Kinder und Pornographie
Frauenhandel
Vergewaltigungen
Häusliche Gewalt gegen Frauen
sexuellen Missbrauch
repressive Verhüllungsverordnungen für Frauen
Genitalverstümmelungen
körperliche Minderwertigkeitsgefühle von Frauen mit der Folge von Bulimie und Magersucht
psychisches Leid durch die Unterschlagung der weiblichen Geschichte,
ebenso durch eine mit brutaler Gewalt erzwungene Unsichtbarmachung von Gott der Mutter,
psychisches Leid für weibliche und männliche Homosexuelle.