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"Im Todeshauch der Lemuren", 16. BLOG

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Hierzu noch einmal Rosalind Miles aus „Weltgeschichte der Frau":

Beim Sex blühen Frauen auf, während Männer verwelken. Der Mann penetriert die Vagina: hart, erigiert, auf der Höhe seiner Potenz. Verlässt er sie wieder, ist er: leergepumpt, schlaff, verausgabt. Im Gegensatz dazu empfängt die Frau seine Potenz, seine Essenz, sein persönliches Bestes. Die Vagina ist die Quelle und das Zentrum einer sich ständig erneuernden Energie, der Penis dagegen fehlbar, unzureichend, begrenzt. Der Mann gibt sein Bestes und wird von der Frau auch noch „entmannt". Er kann seine Männlichkeit nicht willentlich wieder wachrufen. Kein Wunder, dass er das Geschöpf, das ihn so seiner Macht beraubt, hasst und fürchtet.
Und das war nicht das einzige Risiko, das der Mann in der Nähe jenes habgierigen „Frauenschlitzes" einging. Den „Ort des Teufels" zu penetrieren, das „Tier zwischen den Beinen einer Frau zu füttern", hieß nicht nur den Leib, sondern auch die Seele zu gefährden. Geradezu hysterisch beschäftigte man sich mit der Quelle der Vergiftung und Ansteckung: dem weiblichen Körper. Dass er Männer gefährde, wurde nach und nach erst zur populären Gewissheit, dann zur religiösen Lehre".

Was mögen für die Frauen früherer Zeiten solche Menstruationstabus wie das folgende von Zarathustra bedeutet haben:

„Eine menstruierende Frau ist das Geschöpf des Teufels. Eine Frau, die ihre Tage hat, darf nicht das heilige Feuer anschauen, nicht im Wasser sitzen, nicht die Sonne wahrnehmen, nicht mit einem Mann ein Gespräch führen."?

Wie müssen Frauen sich gefühlt haben, wenn sie ein Viertel ihres ganzen Erwachsenenlebens unentwegt stigmatisiert, zurechtgewiesen und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen waren?

Dazu noch einmal Rosalind Miles:
Wenn ein Mädchen zu menstruieren anfing, wurde es eine Woche lang ohne Nahrung in einer verdunkelten Hütte eingesperrt. Man belehrte die Betroffene, dass sie für sich selbst und andere eine Gefahr darstelle, wenn sie den rituellen Vorschriften nicht nachkäme. Ihr Körper und Blut würden bei einem Mann Brechreiz hervorrufen, sein Blut schwarz färben, seinen Verstand verwirren, sein Fleisch verfaulen und ihn dahinsiechen lassen. Solcher Glaube, solche Tabus sind in allen primitiven Gesellschaften zu finden. Und an ihrer Form können wir den zugrunde liegenden Kampf um Dominanz und Unterordnung ablesen.
Wie auch immer die Tabus aussahen: Ihre Stärke demonstriert das hohe Ausmaß an Angst und Gefahr, das man mit dem geheimnisvollen und unkontrollierbaren Blutgeschehen assoziierte. Jede Frau, die gegen die Tabus verstieß, riskierte, sofort und gewaltsam zu sterben. In Gesellschaften mit einem höheren patriarchalischen Organisationsgrad waren die Menstruationstabus zwar weniger sichtbar, aber genauso streng. Die jüdischen, christlichen und islamischen Götter des Mittleren Ostens waren besonders hart. Im Judentum brandmarkte das 3.Buch des jüdischen Tanach (das auch das 3. Buch Mose oder Wajikra ist), Frauen als „niddah" (unrein) für die zwölf Tage während, vor und nach ihrer Periode. Die grausamen Strafen für eine „niddah" wurden noch um 1565 festgelegt. Das heilige Gesetzbuch Shulchan Aruch verbot einer „niddah":

„im selben Bett wie ihr Mann zu schlafen,
zu den Mahlzeiten gemeinsam mit der Familie zu essen,
mit Anderen sich im selben Raum aufzuhalten,
die Sabbathkerzen anzuzünden,
die Synagoge zu betreten,
ihren Mann zu berühren oder ihm gar etwas zu reichen."

Auch musste die Menstruierende besondere Kleidung tragen zum Zeichen ihrer verächtlichen Existenz. Der Frau wurden sämtliche Grundrechte entzogen; so machte man sie wirksam zur Unperson. Der anglo-jüdische Journalist und Schriftsteller Chaim Icyk Bermant schreibt: „die Frau wurde als Gipfel der Verderbtheit betrachtet, ein sich bewegendes, übelriechendes, eiterndes Etwas... Man konnte nicht anhalten und sich nach ihrem Befinden erkundigen, denn auch ihr Atem war giftig, ihr Blick gefährlich, und sie beschmutzte die Luft ringsum mit ihrer Gegenwart."