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"Die Weihnacht", 22. Teil

13/01/2016 15:17 CET | Aktualisiert 13/01/2017 11:12 CET
Fotografie Julia Christe via Getty Images

Die Huldr- Saga (2. Teil)

(in „Volksmärchen und Sagen", Karl Paetow, Husum 1986)

Da ich nun sechzehn Jahre alt geworden war, heiratete er mich und ich schenkte ihm zwei Töchter Thorgerd und Yrpa, die du ja nun kennengelernt hast. Kurz danach war mein Gemahl von seinen Nachbarn erschlagen worden. Aus Furcht vor mir, der zauberkundigen Huld, boten die Mörder einen Vergleich an sowie die Unterwerfung unter meinen Spruch.

Daraufhin berief ich alle Riesen und Unholde zu einer Versammlung nach Hallmundartheithir in Jötunheim (Riesenheim) zu einem Gerichtsthing."

„Dich, Odin", so erklärte die nächtliche Erzählerin weiter, „habe ich nun zu mir gelockt, um deiner zu genießen. Dafür will ich dir nun die Ehre antun, dass du den Schiedsspruch auf jenem großen Thing persönlich fällen darfst. Auch empfehle ich dir meine beiden Töchter Thorgerd und Yrpa."

Odin war bereit, die Bitte der Huld zu erfüllen. Er warf sich auf sein Leibross Sleipnir. Sie aber begleitete ihn, eingehüllt in das alte Drachengewand. Als sie zu dem Gerichtsort gelangten, waren alle schon versammelt zum großen Thing. Nun fällte Odin den Schiedsspruch: „Als erstes bestimme ich, dass Huld von nun ab die Oberkönigin über das ganze Volk der Riesen und Unholde im Nordland sein soll.

Zum zweiten ergeht hiermit der Befehl, dass in Trölladyngja zu Ehren der Huld und zu meiner Verehrung ein Tempel errichtet werden soll, dem sie mit ihren Töchtern vorstehen wird und dem alljährlich Abgaben zu entrichten sind.

Zum dritten bestimme ich, dass der Riese Swadhi mit den übrigen Leuten, die bei der Tötung des Riesen Gifgas beteiligt gewesen sind, die Syrgisdalir verlassen muss." Und damit hatte es sein Bewenden.

Thorgerd, die ältere und angesehenere der beiden Töchter, erhielt den Beinamen Huldartröll oder Hörgabruthur). In alten Sagen und Büchern aber wird die Huld mit ihren Töchtern vielfach als Schutzgeist ihrer Freunde angerufen. Der Riese Swadhi aber ließ sich damals auf Athathors Rat in Thorsdale nieder.

Dem Odin schenkte Huld ihre beiden Raben, welche ihn seitdem begleiteten und ihm alle Neuigkeiten zutrugen, die seit jener Zeit in der Welt geschehen sind.

Bisher fanden wir drei Gestalten besonders hervorgehoben, die alle auf eine bestimmte Weise mit „der Weihnacht" verbunden sind. Überdies zeigen die drei auch untereinander „Verschmelzungen" oder Parallelen.

Es sind die drei Wesen Santa Lucia (ihr Fest in der Nacht auf 13. Dezember), Frau Holle (ihr Fest ursprünglich in der Nacht auf 25. Dezember, der „Mutternacht") und Frau Perchta (ihr Fest in der Nacht auf 6. Januar, der „Perchtennacht. Zwischen Lucia und der Mütternacht liegen die 13 Dunkelnächte. Dann folgen bis zur Perchtennacht die 13 Weihenächte oder „Rauhnächte".

Die Verbindungen zwischen den drei Frauen haben wir durch Vergleiche untereinander und durch weitere Sagengestalten, die als Verbindungsglieder fungierten, gefunden.

Als Resümee können wir festhalten, dass es sich bei den drei Frauen zwar um verschieden aussehende und damit scheinbar verschiedene Wesen handelt, zugleich weisen die Verbindungsfäden von einer zur anderen aber solch hohe Übereinstimmung auf, dass die drei als verschiedene Aspekte ein und desselben Wesens erkannt werden können.

Dies gilt es, in Erinnerung zu behalten, wenn wir nun einen größeren zeitlichen Sprung in die Vergangenheit vornehmen, wobei wir die germanische Zeit überspringen, aus der ja ein Großteil unsere Märchen und Sagen hervorgegangen ist, und uns jener Zeit zuwenden, aus welcher den indogermanischen Mythologien ihre Vorbilder, Veränderungen und Erweiterungen zugeflossen sind.

Ohne genaue Jahreszahlen festzulegen, die auch heute noch umstritten sind, wenden wir uns damit der Großen Mutter zu, jener steinzeitlichen Gottheit, die noch im vorigen Jahrhundert von einigen Wissenschaftlern geleugnet wurde und erst die letzten Jahre allmählich ins wissenschaftliche Bewusstsein eindrang.

Heute bestehen die Unstimmigkeiten überwiegend bezüglich des Beginns dieser Epoche, der immer weiter in die Vergangenheit hinein verschoben wird, was wiederum mit der Datierung jener Figurinen zusammenhängt, die als Bildnisse der Großen Mutter gelten.

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