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"Die Weihnacht", 14. Teil

16/11/2015 14:38 CET | Aktualisiert 16/11/2016 11:12 CET
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Zur Erinnerung: Gottvater hatte beschlossen, Adam und seine Frau besuchen zu kommen, weil so viel Beunruhigendes über Lucia erzählt wurde. Nun wollte der Herr sich von Familie Adam auf der Erde selbst ein Bild machen. Er bemühte sich also zu deren Haus und klopfte an. Lucia, noch ganz außer Atem, öffnete die Tür.

Der Allmächtige stand da und wartete. Sie bat Ihn herein und Er besah sich aufmerksam die Kinderschar, die da mit rot gescheuerten Backen, Nasen und Ohren herumstand. „Sind das alle deine Kinder?" fragte Er. - „Ja", antwortete Lucia. - „Wirklich alle?" fragte Er nach. - „Alle", bestätigte Lucia, wagte aber nicht aufzublicken. - „Wirklich, Lucia?" fragte der Herr sie zum dritten Mal. - Und: „Ja", log sie wieder.

Da wurde Gott Vater zornig und sprach: „Dreimal hast du nun gelogen. Fortan sollst Du dafür im Verborgenen leben, so wie du deine Kinder vor mir verborgen und verleugnet hast!" Lucia wurde dünn wie ein Nebel und schlüpfte mit allen ihren geschrubbten Kindern zum Kellerloch hinab. Damit Adam aber nicht gar so traurig über den Verlust sei, gab Gott Vater ihm ein neues Weib, das hieß Eva und war tugendsam und ordentlich.

Lucia wohnt seit jener Zeit als Mutter der Naturgeister, der Kobolde, Trolle und Elementarwesen im Verborgenen. Nur einmal im Jahr, in der langen, finsteren Luziennacht, erscheint sie mit großem Gefolge auf Erden und schreckt Menschen und Tiere. Da schließen die Leute schon am Vorabend Fenster und Türen, verstopfen die Ritzen und Schlüssellöcher mit Wachs und sagen: „Gebt Obacht, wenn Lucia ihren Wagen umkippt, fallen Läuse und anderes Ungeziefer über uns her."

Diese alte Luziengestalt verknüpft Lucia auch mit dem „Wilden Heer" oder der „Wilden Jagd": In vielen schwedischen Provinzen war am 13. Dezember die Wilde Jagd los. Man verwahrte Türen und Tore, kein Mädchen durfte sich hinauswagen. Die Ernte war in Gefahr, das Mühlrad konnte stehenbleiben, der Wein gor nicht mehr im Keller - alle Naturgeister waren aus ihrer Bahn. In Dalsland (Dalarna) verstopfte man sorgfältig Ritzen und Spalten: „Lucia kutschiert mit einer Fuhre Flöhe und Läuse umher - wenn sie umschmeißt, werden wir alle verlaust!"

Im folgenden Blog (15) werden wir uns zunächst einmal dem Heiligen Stephan und Staffan zuwenden und diese Gestalt(en) genauer betrachten, bevor wir sie in Verbindung zu Lucia bringen. Denn wie das schwedische Lucia- Fest in der beschriebenen Version zeigt, muss es einen inneren Zusammenhang zwischen der Lichterbraut und Staffan geben.

Nicht ohne Grund wechseln sich bei dieser Fest- Version das jüngste und das älteste Lied Schwedens ab: „Natten går tunga fjät runt gård och stuva" (Die Nacht geht mit schweren Schritten um Haus und Hof) und „Staffan var en stalledräng" (Staffan war ein Stallknecht).

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