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"Die Dreieinige Mutter", 49. Blog

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Mit Einsetzen der Morgendämmerung beginnt in der Natur die Taubildung. Die Temperatur sinkt. Es ist, als ob die Erde ausatmen würde. Während ihr feuchter Hauch emporsteigt, setzt das Vogelsingen ein. Weit trägt die Feuchte den Schall.

Wäre der Tag ein Musikstück, so erklänge der Morgen in der Tonart C- Dur. Auch diese trägt etwas von einem Neubeginn in sich; sie ist ja auch die erste im Quintenzirkel. Ihre Weisen können feurig-temperamentvoll sein; oder sie haben etwas Frisches, Munteres und Weckendes an sich. Freilich können sie auch nüchtern-sachlich, ausgeglichen oder etwas „farblos" erklingen. Viele Morgen- und Wanderlieder stehen in C- Dur (ohne Vorzeichen). Die den Vorzeichen nach verwandte Moll-Tonart a- Moll hat demgegenüber etwas Schwermütig-Poetisches an sich, wie wir es in nordischer und russischer Volksmusik finden. Dies erinnert an die zweite Variante des Morgen-Erlebens, in die sich beim Verklingen der Nacht Gefühle der Trauer und Wehmut mischen.

Wie auch immer die Seele beim Scheiden der Nacht oder beim Nahen des neuen Tages gestimmt sein mag, stets bleibt doch die eine Grundtatsache erhalten: Der junge Tag zieht jungfräulich rein wie der erste Schöpfungstag herauf, egal wie das Leben davor verlief. Was gestern war, ist vorüber. Das Heute ist neu. Tau glitzert im Licht der aufgehenden Sonne, die Vögel singen und die Erde trägt leuchtende Farben. Das Mysterium des Tages öffnet sich wie ein Blütenkelch, voller Möglichkeiten, voll schicksalsschwangeren Neubeginns und voller jungem Leben. Jeder Tag ist eine Art neuer Geburt! Was ich damit anfange, wie ich mich dazu stelle, das steht dann auf einem anderen Blatt. Ich komme jedenfalls unbelastet und unvoreingenommen auf die Erde und kann mein Leben neu beginnen. Und was gibt es dabei nicht alles an Staunenswertem zu erleben!
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Charakteristik der Tageszeiten: 02. Der Frühe Vormittag

Um 10 Uhr geht der Morgen in den Frühen Vormittag über. Um diese Zeit sind die Kinder bereits in Kindergarten und Schule, die Studenten in ihren Vorlesungen und die tätigen Erwachsenen bei der Arbeit. Das hat zur Folge, dass diese Zeit allgemein nicht so deutlich wahrgenommen wird wie z. B. der Morgen. Nur während der Ferien und im Urlaub, wo die übliche Alltags-Ablenkung zurücktritt, lässt sich die Tageszeit zwischen 8 und 10 Uhr ungestört ausloten, sofern nun nicht andere Inhalte für Ablenkung sorgen.

Inzwischen hat die Sonne am Himmel bereits an Höhe gewonnen. Ihre zunehmende Wärme trocknet den Tau auf den Wiesen und Feldern. Noch ist das Vogelkonzert nicht beendet. Wer sich des Morgens schwer tat mit Aufwachen und Aufstehen, stellt jetzt erleichtert fest, dass der Tag doch nicht so schlimm ist wie erwartet; die Tageszeit hat etwas Versöhnliches an sich. Licht und Wärme, zusammen mit den frischen Kräften aus der Nachtruhe, die nun erst richtig verfügbar werden, und vielleicht auch die Stärkung aus der ersten Mahlzeit des Tages versüßen den frühen Vormittag. Tatsächlich drängt jetzt das Fühlen in den Vordergrund, Wollen und Denken treten demgegenüber etwas zurück. Man empfindet sein Leben und lebt es.

Im Jahreslauf treffen wir auf den vergleichbaren Sonnenstand zwischen 21. April und 21. Mai („April", Stier). Stare, Schwalben und Störche sind zurückgekehrt. Es beginnt die „hohe Zeit" des Jahres mit dem Osterfest. Die junge Braut-Göttin Ostara schweift durch die blühenden Fluren. Ihr Brautkleid ist gewirkt aus den Blüten Tausender Frühlingsblumen. Ihre Insignien, Hase und Ei, sind Zeichen der Fruchtbarkeit. Ihr Bruder ist der Fruchtbarkeitsgott Thor, ihre Mutter, Jörd, die Erde. Ihr Vater Odhin ist die höchste Asen-Gottheit. Auch mit der germanischen Wanengöttin Freya teilt die Braut oder Jägerin gemeinsame Wesenszüge. Freya, die „Schmuckfrohe" ist die Unwiderstehliche, die Besitzerin des Falkengewands, die Fordernde, die Jägerin. Sie erregt das erotische Fühlen im Menschen und wirkt die Wonnen des Freiens, Werbens und der geschlechtlichen Vereinigung. Dabei ist sie an das Wirken im Erdenstoff gebunden, an Erotik und Sexualität. Hierin besteht ihre Macht, hierin liegt aber auch ihre Tragik. Freyas Bruder ist der Fruchtbarkeitsgott Freyr. Ihr Vater Njörd
ist jene ältere Erde (siehe Jörd!), die noch im Zustand des Flüssigen war. Daher wird Njörd auch der „Gott des besonnten Meeres" genannt. Ihre Mutter ist Njörd, jene Fruchtbarkeitsgöttin, welche der römische Geschichtsschreiber Tacitus in seiner „Germania" „Nerthus" nennt. Ebenso anmutig und liebreizend wie die germanischen Gottheiten Ostara und Freya wird im walisischen Keltentum die Göttin des Frühlings, Rhiannon, beschrieben. In dieser Tradition ist sie die „Schwester" Modrons, der Großen Mutter.
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