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"Die Dreieinige Mutter", 38. Blog

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Lucia - Holle - Perchta

Santa Lucia, Frau Holle und Frau Perchta scheinen auf den ersten Blick drei ganz verschiedene Wesen zu sein. Auf den zweiten Blick suggerieren gemeinsame Züge, Attribute, Verhaltensweisen, Tabus und mancherlei andere Überschneidungen, dass es sich bei allen dreien um ein und dieselbe Gestalt handelt. Erst allmählich fallen dann beim Betrachten ihrer Tätigkeiten wieder kleine Unterschiede auf:

1.) Lucia ist in erster Linie die lichte Braut. Sie ist von Erkenntnislicht umstrahlt. Sie verbindet die jenseitige mit der diesseitigen Welt. Sie trägt das Licht in die Finsternis. Sie spendet Leben durch lichte Gedanken. Sie ist als Braut gewandet. Sie sucht alle Menschen auf. Ihr Licht wird als Verheißung erlebt. Als „Jägerin" tritt ihre andere Seite hervor. Die soll später noch genauer angeschaut werden.

2.) Frau Holle ist vor allem die Mutter; sie tritt im Gefolge der Kinderseelchen, als Mutter Erde oder als Mutter Natur in Begleitung ihrer Tiere auf. Sie zieht im Stillen umher. Sie verbreitet mütterliche Liebe, Wärme und Güte. Sie umsorgt ihre Kinder. Sie spendet aus der Fülle ihrer Herzenskräfte Leben und reiche Gaben. Sie ist zugleich Mutter, Schwester und Tochter aller Mütter. Sie spendet Fruchtbarkeit.

3.) Perchta ist überwiegend die Alte, die weise Schicksalsfrau, die das Geheimnis von Leben, Tod und Wiedergeburt hütet. Sie ist die im Verborgenen Handelnde. Sie sucht den Einzelnen auf, belohnt und straft, lobt und droht. Sie greift mit Naturgewalt in das Schicksal ein, wie es der Mensch zu seinem Besten braucht - auch wenn er sich dagegen wehrt. Sie wandelt Gewordenes, Eingefahrenes, Starres um. Sie zerstört und schafft neu.

Alle drei zusammen sind sie die Eine, und jede trägt daher auch Züge ihrer „Schwestern". Die Eine Dreieinige ist die Mutter aller Wesen; sie schenkt die Materie für deren festen Leib. Darüber hinaus spendet sie reiche Gaben aus dem Füllhorn des Lebens, dem (keltischen) „Kessel der Fülle", der (mittelalterlichen) „Gralsschale".

Während die Große Mutter im „Goldenen Zeitalter" noch selbstverständlich unter den Menschen weilte, zog sie sich im „Silbernen Zeitalter", während der indogermanischen Völkerwanderung, in die „Unterwelt" zurück, von wo sie nur noch zu besonderen Anlässen und in besonderen Schicksalsmomenten Begegnungen herbeiführte. Im „Ehernen Zeitalter" ist die Weltpolarität von ENTGÖTTLICHTEM DIESSEITS und UNERREICHBAREM JENSEITS ganz vollzogen. Wer jetzt Frau Holle begegnen will, muss die festgelegten Wege benützen: Schlaf oder Tod.

Dennoch gab es zu allen Zeiten besondere „Stellen" auf der Erde (in der Natur, aber auch im Haus), ebenso besondere Zeiten (sowohl im Tages-, wie im Jahreslauf), welche die Funktion von „Schwellen" zwischen unserer und der „Anderswelt" innehatten. Diese „Schwellen" konnten so „durchlässig" sein, dass besonders beschaffene Menschen gelegentlich die Tore der Welten zueinander geöffnet fanden („Das Traumlied des Olaf Åsteson", „Die göttliche Komödie" von Dante, „Die chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz" von J. Valentin Andreae, Irische Volkssagen u. v. a.). Eine markante „Zeitschwelle" war und ist die „Zeit zwischen den Jahren", also Jul oder Weihnachten: 13 herausgehobene Nächte von 24./25. Dez. bis 5./6. Januar. Da zog der Sage nach Frau Holle übers Land. Wo sie durchkam, waren Felder und Wiesen, Tiere und Menschen mit Fruchtbarkeit und Lebenskräften gesegnet.

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