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"Die Dreieinige Göttin", 57. Beitrag

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Der Späte Abend
Der Späte Abend ist die Tages-Entsprechung zu dem Monat Oktober (Skorpion, 24.10. - 22.11.). Da ist es um 20 Uhr bereits dunkel. Im Oktober finden die meisten unserer Erntedankfeste statt. Sie stellen nicht nur die Danksagung an die Mutter-Göttin der Ernten dar, sondern begehen auch den Abschied von ihr und von der Vegetationszeit des Sommerhalbjahres.
Nach dem (Frühen) Abend mit seinem Sonnenuntergang und der Dämmerung zwischen Hell und Dunkel ist der Spätabend wieder eine Art Neubeginn: der Beginn des tieferen Eintretens in die Nacht. Viele Abendveranstaltungen, Konzerte, Theater, Konferenzen, Mitgliederversammlungen und Ähnliches, finden nun statt. Da führt der Kavalier die Angebetete ins Kino oder zum Tanze aus. Da treffen sich Freunde zu fröhlicher Runde. Da finden Vorträge, Elternabende oder Vereinstreffen statt. Es ist eine Zeit intensiven sozialen Engagements, starken Fühlens und tiefen Erlebens. Die Seele öffnet sich für Kunst, Wissenschaft und Religion und schafft auch günstige Voraussetzungen für alle menschlichen Begegnungen und Beziehungen. Aufschlussreich ist wieder die Beobachtung des Sozialverhaltens von Gruppen, die seit dem Nachmittag oder länger beisammen sind. Wo Schüchternheit oder Blockaden über den Abend hinaus immer noch trennend wirkten, kommt es durch die besondere Stimmung des Spätabends nun noch einmal leichter zu engeren Kontakten. So, wie die Tageswelt durch ihr Licht ein streng getrenntes Nebeneinander der Wesen und Dinge zeigt, so löst die Nacht das Trennende auf.
Ein altes keltisches Fest, Sowan oder Schawien, vom 31.Oktober auf 1. November gefeiert, kann uns auf etwas aufmerksam machen, was uns Heutigen weniger vertraut ist: Ab 1. November, so altirische, schottische und walisische Sagen, stehen die Tore zur Anderswelt offen. Die Wesen jener Welt mischen sich - bemerkt oder unbemerkt - unter die Sterblichen - und hin und wieder auch umgekehrt. Ob es im Tagesgeschehen ab 20 Uhr etwas Vergleichbares gibt, sei eigenem Beobachten anheimgestellt, jedenfalls verändert sich ab dieser Zeit die Art des Erlebens, vergleicht man es mit den Abendstunden davor. Die zwei Nacht-Teile vor der Mitternacht haben ihren ganz eigenen Reiz und wirken auf uns geheimnisvoll, das eine Mal lockend, dann wieder verunsichernd, doch in jedem Falle un-alltäglich! Das empfinden auch Kinder so. Wie gern würden Kinder abends länger aufbleiben!
Bisher regierte seit etwa Mitte Juni (von 22.06. an) die Große Göttin in ihrer Mutter-Gestalt. Jetzt, ab 1. November, verwandelt sie sich in die Alte oder Ahnin und diese übernimmt die „Regierungsgeschäfte". Sie wird uns die ganze Nacht hindurch begleiten und erst gegen 5 Uhr morgens (im Jahreslauf entspräche das dem Februar (28.02. / 29.02.) die Führung wieder der Jungfrau überlassen. Die Alte nimmt uns wie eine Patin an der Hand und geleitet uns durch die Gefilde des Träumens und Schlafens. Am nächsten Morgen sind wir völlig andere Menschen als am Abend zuvor, wir sind „wie neu".
Am 27. September hatte mit Michaeli die Wirkungszeit des starken Erzengels begonnen, sein Drachenkampf gegen Illusion, Lug und Trug, gegen Selbsttäuschung und Unwahrhaftigkeit. Es ist die Zeit, in der der Menschengeist den Schein vom Sein trennen sollte; in der er sich entscheiden muss, ob er an den Schein gebunden bleiben und mit diesem untergehen oder sich mit seinem Wesen vom Schein der äußeren Welt lösen und der inneren Sonne entgegenschreiten sollte. Es ist die Zeit des starken Wollens, das auch Denken und Fühlen mit einbezieht. Mit dem späten Abend tritt nun das Fühlen in den Vordergrund, zugleich mischt sich aber auch eine Art Misston ins beginnende Dunkel. „Drachenkräfte" ziehen am Horizont herauf und Irrwege tun sich auf. Das Festhalten an den Gaben der Mutter kann den Blick für die zeitliche Notwendigkeit trüben und das rechtzeitige Sich-Lösen vom Sinnenschein verhindern. So wird die winterliche Neuorientierung ins Nicht-Stoffliche, ins Geistige hinein blockiert.

Die Tonart des späten Abends ist Des-Dur (Vorzeichen: 5 b). Ein eigenartiger klanglicher Abgrund tut sich hier auf. Aus der Tiefe dringen die süßen, fieberhaft betäubenden Düfte der „Blüten der Nacht"; aber eben auch das Erleben des Geistigen, des „Lichts in der Finsternis". Nieder-Sinnliches und, eng damit verbunden, leuchtendes Gold im Dunkel des Erdenschoßes! Des-Dur ist par excellence die Tonart der Skorpions- oder Drachenzeit und der Krisis.