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Die Dreieinige Göttin, 9. Teil

07/09/2015 13:03 CEST | Aktualisiert 07/09/2016 11:12 CEST
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Doch die Große Mutter liebt alle ihre Kinder, auch solche wilden, ungebärdigen wie die Indogermanen. Und wehrlos ist die Göttin beileibe nicht... Um die großen Landflächen mit der unterworfenen Urbevölkerung beherrschen und mit der eigenen Kultur verschmelzen zu können, hätte es einer weitaus größeren Anzahl von Eroberern bedurft, einer Besatzungsmacht, welche die Unterworfenen bleibend hätte integrieren müssen; so aber bildeten die Eroberer eine dünne Herrschaftsschicht über die Völker der Mutter.

Außerdem wuchsen mit den erbeuteten Frauen, die zu Gattinnen oder Nebenfrauen geworden waren, gemeinsame Kinder heran. Dabei flossen offenbar alte Vorstellungen und Bräuche mehr oder weniger heimlich in die Erziehung, in Feste, Bräuche und Anschauungen mit ein. So wird verständlich, warum wir Elemente der alten Mutter- Kultur in den späteren patriarchalen Mythologien finden.

Da begegnet uns beispielsweise bei den Griechen die Göttin Demeter, die ursprünglich sogar „Die Göttinnen" genannt wird. In Delphi und Dodona hieß sie „Die Drei". Andere Namen waren „Die Mutter", „Die Grünende", „Die Weise der Erde" oder „Die Weise des Meeres". Demeter ist die Göttin der Erdfruchtbarkeit, später des Ackerbaus, zu deren Ehren die Thesmophorien nach Bestellung der Wintersaat gefeiert wurden, ein Frauenfest, von welchem die Männer streng ausgeschlossen waren.

Noch deutlicher wird der Zusammenhang zur Großen Mutter in der Sage um Demeter, Persephone und Hekate: Demeter war die Mutter von Persephone (Kore). Letztere sollte ohne ihr Wissen und ohne Zustimmung der Mutter Hades, dem Gott der Unterwelt vermählt werden. Hekate, ihre Großmutter, wusste davon, ließ es aber geschehen, weil sie die Notwendigkeit dieser Verbindung sah.

Durch Demeters Leid hörten alsbald die Pflanzen auf zu wachsen und Tiere und Menschen starben dahin. Deshalb beschlossen die Götter, dass Persephone nur noch eine Zeit des Jahres, winters bei ihrem Gemahl in der Unterwelt verbringen sollte, die andere Zeit durfte sie zur Erde zurückkehren. Wieder begegnet uns im Zusammenhang mit Mutter Erde die Dreiheit von Braut, Mutter und Ahnin.

Auch im Germanischen finden wir eine „auffällige" Dreiheit: die Nornen, Riesinnen aus dem Geschlecht der Thursen. Deshalb auffällig, weil einerseits die Asengötter in ständiger Feindschaft mit den Thursen lebten und der Donnerer Thor jeden Morgen in den Kampf gegen sie zog; andrerseits geboten dieselben Thursenweiber den Asen am Ende des Goldenen Zeitalters, die Zwerge als Vorläufer des Menschengeschlechts zu erschaffen und erwiesen sich damit als mächtiger denn jene.

Die Nornen halten den Schicksalsfaden in Händen und gebieten über die Zeiten: Urd über die Vergangenheit, Verdandi über die Gegenwart und Skuld über die Zukunft. Wie die Dreieinige Mutter leben auch sie an einer Quelle, Urds Brunnen genannt, auf dem singende Schwäne über die Wasser gleiten. Mit ihren Händen schöpfen sie daraus morgens und abends Wasser und besprengen die Weltenesche Yggdrasil, damit deren Zweige nicht verdorren und „der Tau in den Tälern fällt."

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