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Die Dreieinige Göttin, 8. Teil

02/09/2015 16:15 CEST | Aktualisiert 02/09/2016 11:12 CEST

Woher haben wir heute unsere Kenntnisse über die "Große Mutter"? Im Wesentlichen aus drei Quellen:

1. Direkt: Relikte aus der Steinzeit, wie Bauten, Anlagen, Höhlenmalereien, Gräber, Figurinen, Scherben u. a.

2. Indirekt: Einige der Göttinnen späterer, patriarchaler Mythologien tragen erkennbare Wesenszüge der Urmutter und werden auch als „ältere" Gottheiten innerhalb ihres Götterkreises bezeichnet oder dargestellt (z. B. durch ihre Verwandtschaft mit den Riesen).

3. Ebenfalls indirekt: Alte Bräuche und Überlieferungen, dazu Flur- und Gewässernamen.

Welche Lebens- und Sozialformen waren damals gäbe? Die Menschen lebten in Wildbeuter- Gemeinschaften in matrilinearen Sippenzusammenhängen, innerhalb derer die Nachkommen alle zur Sippe der Mutter gehörten und die Männer ihre eigene (matrilineare) Sippe verließen, wenn sie einer Frau folgten; damit schlossen sie sich als „Externe" der Sippe der Frau an. Im Übrigen war die Vaterschaft unbedeutend, weil der Zusammenhang zwischen Beischlaf und Kindersegen unbekannt war und auch noch Jahrtausende lang blieb. Diese matrifokalen Sippen mit den externen Männern zogen sammelnd, erntend und jagend durch das Land. Der größte Anteil an der Nahrungsbeschaffung lag mit etwa 75 - 80 % beim Frauenkollektiv, während die jagende Männergruppe für zusätzliche 20 - 25 % in Form von Jagdbeute aufkam.

Was beendete die Zeit der Großen Mutter in Mittel- und Nordeuropa während der Bronzezeit, so um 2000 vor unserer Zeitrechnung? Da passierte etwas Unerhörtes. Es war so fürchterlich, dass es die Kinder der Großen Mutter in Angst und Schrecken versetzte: Wilde Männer, zu Horden zusammengeschlossen, fielen in die Sippen der Urbevölkerung ein, wie Wölfe in eine Schafherde. Sie setzten „Jagdgeräte" als Waffen gegen Menschen ein! Kampfverliebt und streiterprobt stießen sie in die friedlichen Lager oder Siedlungen der Kinder der Mutter vor, töteten Männer, Knaben und Alte und nahmen sich die Töchter und Frauen zur Beute.

Diese Horden und ihre Überfälle wurden immer zahlreicher. Ganze Heerzüge durchstreiften mordend und ihre wilde Kraft und Macht genießend durch das Land. Später nannte man diese Landnahme- Züge die „indogermanische Völkerwanderung". Die patriarchalisch orientierten Indogermanen unterwarfen die Urbevölkerung und setzten sich als Herrscher auf neu geschaffene Throne. Sie ehrten fremde Götter mit männlichen Gottheiten als „Vätern" oder "Fürsten", und auch diese waren versessen auf Kampf und Kräftemessen. Kampf war Lust, Leben und Religion, und der überschäumende Mut des Kriegers eine Tugend. Ein Volk, das nicht kämpfte, war verachtenswert, seine Religion „weibisch", also schwächlich. Einige Völker der Mutter zogen sich in die Einöden zurück; die meisten aber verloren ihre Freiheit.

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